Zu Favoriten hinzufügen
Public Republic random header image

Artist of the Week – Valentina Koleva-Vecerka

27 Juli, 2009 von · Keine Kommentare

Die Kunst als Identifikation

Interview von Velina Vateva mit der Malerin Valentina Koleva-Vecerka

Übersetzung aus dem Bulgarischen: Dessislava Georgieva

Was bedeutet das Gefühl für dich, Bilder zu erschaffen und ihnen Sinn zu verleihen?

Bilder zu erschaffen ist mir ein inneres Bedürfnis. Es ist eine lebendige Realität, die „befriedigt“ werden muss. Ein Bedürfnis, ohne welches meine Seele und mein Körper nicht existieren könnten.

Findest du, dass sich der heutige Status des Malers vom Einstigen unterscheidet?

In der Vergangenheit hatten die Maler das Ziel und die Aufgabe, Mitglieder der Königsfamilie zu portraitieren. Viele von ihnen verwendeten Bilder und Erzählungen aus der Bibel, um sie auf ihren Leinwänden zu interpretieren. Ich denke, dass es heute nicht viel anders ist.

Die zeitgenössischen Maler bilden berühmte Persönlichkeiten aus der Welt der Politik, des Showbusiness und der Mode ab, andere lassen sich von Schauspielern inspirieren. Ich denke, dass der zeitgenössische Maler danach strebt, mit seiner Kunst mehr oder weniger nützlich zu sein, die Makel der Gesellschaft aufzuzeigen und zu enthüllen, sein Publikum zu provozieren, und in dieser Hinsicht denke ich, dass wir schon einen Schritt weiter sind im Vergleich zu den Malern der Vergangenheit.

Welche sind die schärfsten Unterschiede zwischen dem Verständnis vom Künstler in Bulgarien und, sagen wir, in Österreich, wo du lebst?

Den Künstlern in Bulgarien wird noch immer nicht die Aufmerksamkeit zuteil, die sie verdienen. Die Menschen, die an Kunst interessiert sind und sie schätzen, sind weniger, als ich mir wünschen würde. Ein Durchbruch ist nirgendwo auf der Welt einfach – in Bulgarien ist es noch schwieriger.

Die Kunst versucht erst, sich zu den Menschen durchzuschlagen, und ein Anfang und Wunsch seitens der Gesellschaft ist sichtbar. Heutzutage ist es nicht schwer, ein Motiv oder ein Thema zu finden, an dem man arbeiten kann. Wir sind überhäuft und übersättigt mit Information. So ist auch meine Arbeit vielseitig.

Wie entstehen die Themen deiner Bilder? Suchst du danach oder kommen sie zu dir?

Ich arbeite sowohl figurativ als auch abstrakt, ich erschaffe Skulpturen und arbeite im Textilbereich. Meine Themen sind der Kreislauf, die Wiederkehr (oftmals sind das zwei Figuren auf einer Leinwand) und die Veränderung.

Eine Sache, ob Gegenstand, Mensch oder Tier, Situation oder Motiv, hat immer zwei Seiten, zwei „Farben“, zwei Stimmungen. Deshalb male ich meine Bilder oft in unterschiedlichen Farben, doch die Bewegung bleibt die gleiche. Es ist sehr wichtig zu wissen, was die Menschen vor einem gemacht haben, denn wenn man es nicht weiß, läuft man im Kreis und denkt, man würde das Rad neu erfinden, bevor man feststellt, dass man bloß kopiert.

Wann kann der Dialog zwischen Bild und Zuschauer vollwertig sein?

Der Mensch muss sich für die Kunst öffnen und sie verstehen wollen. Erst dann kann von einem „Dialog“ die Rede sein. Manchmal erschaffe ich Werke, für die ich nichts empfinde, und wenn sich mit der Zeit kein Gefühl, kein Dialog einstellt, dann überarbeite ich sie, bis ich mich mit ihnen identifizieren kann.

Und wann ist die Kommunikation zwischen Bild und Schöpfer vollwertig?

Ein Bild ist für mich vollwertig, wenn ich durch die Arbeit daran etwas Neues entdecke, wenn es mir gelingt, einen Schritt nach vorne zu machen. Dann verspüre ich Genugtuung und Sinn. Ich weiß nicht, ob es mir dabei hilft, meine Träume zu verwirklichen, aber es ist ein Weg, meine Seele auszuschütten und sie aufs Neue zu füllen.

Valentina Koleva-Vecerka ist in Burgas geboren. Zurzeit lebt und arbeitet sie in Wien, Österreich.

Ausbildung:

1987-1992 – Kunstgymnasium für angewandte Kunst, Sliven
1993-1995 – Kolleg für Mode und Bekleidungstechnik, Wien
1995-2001 – Akademie für angewandte Kunst, Fachrichtung Malerei, Textil und Zeichentrick, Wien, Diplom mit Auszeichnung
2002-2004 – Akademie für angewandte Kunst, Fachrichtung Pädagogik

Eigenständige und gemeinsame Ausstellungen in:

Kleine Galerie, Wien
Herbstzeit, Galerie H17, Wien
Museum moderner Kunst, Wien
Künstlerhaus, Wien
Eröffnung der Galerie Frey, Wien
Galerie Weilinger, Salzburg, Österreich
Museum für Angewandte Kunst, Wien
Teilnahme an der Messe Viennafair, Wien
“Good morning, Balkans!“, Athen, Griechenland
Gemeinschaftsausstellung in Ohrid, Mazedonien

Kategorien: Frontpage · Szene · Visual Arts

Tags: , ,

Keine Kommentare bis jetzt ↓

  • Noch hat keiner kommentiert. Machen Sie den Anfang!

Kommentar schreiben