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Artist of Week — Vessela Radeva

7 Juni, 2009 von · 1 Kommentar

Vessela Radeva: Jede Kunst ist meine Lieblingskunst, wenn sie mit mir auf eine gewisse Weise sprechen kann

Interview von Natalia Nikolaeva mit der Schauspielerin Vessela Radeva

Vesela Radeva

Mich inspiriert einfach alles. Es gibt nur eine einzige Regel: Augen auf!
Karl Lagerfeld

Als ich Vessela in Berlin kennen lernte, beeindruckten mich zuerst ihre Augen – blau, lächelnd, sonnig. Kein Wunder, dass sie die kindliche Unmittelbarkeit, die Neugier, die Verwunderung vor der Welt mit der Inspirationsfähigkeit und mit dem Schaffensbedurfnis in sich vereinigt. Im Laufe unseres Gesprächs erschien es mir, dass sie ein Mensch ist, der seinen Platz gefunden hat – unter den Jugendlichen, in der Nähe vom Theater, vom Kino, von der Kunst. Sie hat das Studium der Schauspielkunst an der Nationalen Akademie für Theater- und Filmkunst in Bulgarien abgeschlossen und ist zurzeit Kunstpädagogin beim internationalen Projekt Lanterna Futuri.

Du hast Schauspielkunst an der Nationalen Akademie für Theater- und Filmkunst in Bulgarien abgeschlossen, in der Klasse von Stefan Danailov. Würdest du mir mitteilen: Womit wird dieses Studium in deinem Gedächtnis bleiben?

Mit viel Gelächter! Während der Probe, wenn etwas nicht ganz gut geklappt hat, fragte uns Stefan Danailov immer: „Spielt ihr das jetzt ordentlich oder soll ich euch Musik einschalten?“

Welche Kunstart magst du am liebsten?

Jede, wenn sie mit mir auf eine gewisse Weise sprechen kann.

Kannst du das Gefühl auf der Theaterbühne mit dem Gefühl auf dem Filmset vergleichen?

Im Theater ist das Gefühl leider ganz anders, alles geschieht im Augenblick, und im Kino ist diese Ganzheit erst beim Filmansehen zu bemerken.

Deine Lieblingsregisseure und Lieblingsschauspieler(innen)?

Marius Kurkinski, Stoyan Radev, Svetlana Yancheva, Yordan Bikov.

Würdest du uns etwas über das Projekt, an dem du zurzeit arbeitest, erzählen?

Das ist ein Ausbildungsprojekt, das vor 5 Jahren von drei Organisationen in Polen, Tschechien und Deutschland gegründet wurde. Das Ziel ist die Integration der Jugendlichen und der Schulen im Grenzgebiet zwischen den drei Staaten.

Ein paar Mal im Jahr treffen sich Schüler der 10. Klasse aus den entsprechenden Schulen und arbeiten in unterschiedlichen Workshops – Theater, Film, Musik, Journalistik, Fotografie, Aktionskunst, Design – zusammen.

Neben der Integration erzielt das Projekt auch die Gründung und das Durchsetzen einer neuen, alternativen Ausbildungsform. Ich beschäftige mich hauptsächlich mit dem Theaterworkshop, innerhalb dessen wir für eine Woche, mit ungefähr 15 Menschen aus den drei Ländern, eine Theateraufführung machen.


Lanterna Futuri Festival

Wodurch unterscheidet sich dieses Projekt von anderen ähnlichen Projekten?

Dadurch, dass die Menschen, die die Workshops leiten, niemals Pädagogik studiert oder sich damit beschäftigt haben, sondern Profis im entsprechenden Bereich sind – Musikanten aus Berlin, ein Regisseur aus den Niederlanden usw.. Das macht die Kommunikation und überhaupt die Atmosphäre ganz anders.

Wann fühlst du dich in beruflicher Hinsicht zufrieden?

Zurzeit noch selten, aber mit steigender Tendenz :)

Was gibt dir die Kommunikation mit jüngen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen? Wann hast du das Gefühl, dass deine Mission erfüllt ist?

Sie erlaubt mir nicht, das Kindliche in mir und die Fähigkeit, mich über die Welt um mich herum zu wundern, zu verlieren.

In Bezug auf die Mission – ich habe bis jetzt über diese Fragen nicht so konkret nachgedacht. Ich denke, wenn ich spüre, dass ich etwas in ihren Köpfen in Bewegung gesetzt habe und dass sie in meinem Kopf etwas in Bewegung gesetzt haben.

Wenn du einer Theateraufführung über die Gegenwart einen Namen geben solltest, was für einen Namen würdest du wählen?

„Schrecken“.

Wie würdest du dich selbst mit drei Wörtern beschreiben?

Blond, blauäugig, entrückt.

Würdest du uns ein Lieblingszitat aus einem Buch, das dich zuletzt am meisten beeindruckt hat, mitteilen?

Ruhe und nochmals Ruhe!

Wovon träumst du?

Durch die ganze Welt zu reisen, aber ein Landhaus zu haben, wohin ich immer heimkehren kann.

Vessela Radeva

Vessela Radeva wurde 1978 geboren.
Sie schließt das Gymnasium mit Englischunterricht in Sofia ab, und im Jahre 2000 die Nationale Akademie für Theater- und Filmkunst “Krastjo Sarafov” in Sofia, Schauspielkunst in der Klasse von Stefan Danailov. Sie widmet sich dem Theater und dem Kino, aber auch dem internationalen Kulturaustausch.

Nach dem Bachelordiplom an der Nationalen Akademie für Theater- und Filmkunst studiert sie Kultur und Management an der Technischen Universität in Dresden am Institut für Soziologie, und schließt 2007 mit dem Magister ab.

In Sofia und im deutschen Bundesland Sachsen arbeitet sie an unterschiedlichen Kulturprojekten: Gemeinsam mit der bulgarischen Werbeagentur Theorem koordiniert sie die Realisation des Dokumentarfilms „The Holy city of Perperikon“ im Jahre 2003, und zwei Jahre später, gemeinsam mit der Gesellschaft in Sachsen, konzipiert und organisiert sie die Theaterwerkstatt mit geistig-behinderten Jugendlichen aus Deutschland und der Slowakei im Rahmen des Projekts „Brennnessel“.

Ab 2004 arbeitet Vessela Radeva am dreinationalen Projekt Lanterna Futuri (www.lanternafuturi.net ) – ein Treffen von Jugendlichen aus Tschechien, Polen und Deutschland mit dem Ziel der Integration durch das Einarbeiten im Bereich der Medien (Theater, Filmkunst, Musik, Fotografie, Journalistik, Aktionskunst u.a.) und Verwirklichung von eigenen Ideen innerhalb unterschiedlicher Thematiken.

Die junge Schauspielerin nimmt an berühmten Stücken von William Shakespeare, Friedrich Schiller, Venzislav Kisjov, Deyan Dukovski, Rober Toma, Maurice Maeterlink teil und spielt auf den Bühnen des Salza-I-Smyah-Theaters, des Satirischen Theaters, der Nationalen Akademie für Theater- und Filmkunst in Sofia sowie auf der Bühne des Engelbort-Theaters in Berlin.

Vessela Radeva hat viele Rollen in französischen, italienischen, amerikanischen und bulgarischen Filmproduktionen. Die Mitwirkung in unterschiedlichen Musik- und Werbeclips bereichert ihr Künstlerprofil.

Kategorien: Frontpage · Szene

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