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Artist of the Week — Sue Nichol

23 August, 2010 von · Keine Kommentare

Interview mit Sue Nichol von Galya Mladenova
Übersetzung aus dem Englischen: Kornelia Weinert

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Sue Nichol ist eine britische Künstlerin. Sie malt Orte, zu denen sie eine starke Verbindung hat und die sie gut kennt. Sie fühlt sich hingezogen zu den “Kanten des Landes” – zu den sagenhaften und abwechslungsreichen Küstenlinien oder den felsigen Rändern, die sich in der britischen Landschaf finden lassen. Sie malt mit Öl, Akryl und Tinte und schwelgt in der Flexibilität dieser Medien. Sie nutzt Pinsel, Finger, Stöcke, Messer, Federn oder etwas anderes Greifbares, um die Leinwand zu bemalen. Mit verschiedenen Materialien – wie Sand, Leim oder See-Kohle – erzeugt sie Strukturen. Ihre Bilder sind eine Mischung aus schwungvollen Strichen und Impasto-Effekten mit weiteren subtilen Bereichen – erzeugt durch den Einsatz von Glasuren und feiner Pinselarbeit.

Seit sie als professionelle Künstlerin arbeitet, hat sie an vielen nationalen und internationalen Sammel- und Einzelausstellungen teilgenommen. Als Sonderkünstlerin stellt sie in drei Galerien in England aus und ihre Bilder lassen sich in privaten Sammlungen auf der ganzen Welt finden.

Wann hast du mit dem Malen begonnen und hast du schon immer davon geträumt Künstlerin zu werden?

Mit dem Malen hab ich schon als kleines Kind begonnen. Mein Vater war ein begeisterter Maler und konnte sehr gut zeichnen. Er erkannte meine Begabung und ermutigte mich dazu meine Fähigkeiten weiter zu entwickeln, indem er für mich die Teilnahme an einem Kunst-Abendkurs für Erwachsene arrangierte. Ich träumte also schon sehr früh davon, Künstlerin zu werden.

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2008 wurdest du eine hauptberufliche Künstlerin. Was hast du davor gemacht?

Ich leitete einen Service für Zigeuner-, Jahrmarkt- und Zirkuskinder.

Hast du gezögert, bevor du diesen großen Wandel in deinem Leben vollzogen hast?

Nein. Ich hatte schon ein paar Jahre darüber nachgedacht, dass ich das Malen gerne zu meinem Hauptberuf machen würde. Ich hatte auch schon zwei Galerien, die meine Arbeiten abnahmen und Verkäufe waren auch schon in Aussicht. Als ich dann ein Angebot bekam, entschloss ich, dass die Zeit gekommen war, den großen und aufregenden Schritt zur professionellen Künstlerin zu gehen.

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Du warst Dozentin für Fotografie. Warum hast du dich dafür entschieden Malerin und nicht Fotografin zu werden?

Ich habe mich schon immer für Fotografie interessiert. Als meine Kinder klein waren, habe ich mich darauf konzentriert, meine Fähigkeiten auf diesem Gebiet zu vertiefen – die Fotografie war leichter mit der Mutterrolle zu kombinieren als das Malen. Ich trat einem Foto-Club bei und dann fragte mich eine Galerie, ob ich meine schwarz-weiß Bilder in dem Foyer des “Crucible Theater” in Sheffield ausstellen möchte. Die Bilder zeigten das tägliche Leben der nomadischen Zigeuner. Auch meinen Partner lernte ich durch das Mitwirken in der Galerie für Fotografie kennen.

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Du liebst es das Meer zu malen. Warum ist das so?

Das Meer liegt mir im Blut. Ich wurde an der Nordostküste Englands geboren und verbrachte meine Kindheit am Strand – schwimmend und segelnd, mit den Booten, die mein Vater baute. Ich komme so oft es geht zur Küste zurück und eines Tages werde ich auch wieder am Meer leben.

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Deine Leidenschaft gilt den “Kanten des Landes”. Hast du eine Lieblingsort, den du oft besuchst, um Inspiration zu finden?

Ja! Dieser Ort heißt “Staithes” und liegt in der Nähe meines Geburtsortes. Es ist ein kleines Fischerdorf, das viele Familienerinnerungen birgt und viele Künstler inspiriert hat – damals und heute. Während des 19. Jahrhunderts gab es dort eine Künstler-Siedlung, die als „Staithes School” oder „ Northern Impressionists” bekannt wurde. Eine Künstlerin, die dort lebte, ist meine absolute Heldin – „ Dame Laura Knight”. Wenn ich nach Staithes fahre, wohne ich in einem Cottage, das einst ihr Atelier war.

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Gibt es einen Ort, den du gerne besuchen und malen möchtest – an dem du noch nicht warst?

Ich wollte schon immer mal nach “Cape Cod“. Die Bilder, die ich gesehen habe, erinnern mich an Cornwall, das ich auch sehr gerne male. Ich habe erst kürzlich herausgefunden, dass ich Familie in der Nähe von Cape Cod habe – also denke ich, dass ich eines Tages hin fahren und dort malen werde.

Wo malst du normalerweise? Malst du oft draußen in der Natur?

Meistens arbeite ich im Atelier, aber meine anfängliche Inspiration kommt von draußen. Ich fertige Skizzen an und mache Fotos, um sie als Inspiration und Ressource beim Malen zu verwenden – aber manchmal male ich auch unter freiem Himmel.

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Du hast als Kunstlehrerin an der Mittelschule gearbeitet. Was denkst du ist das Wichtigste, das du deinen Schülern beigebracht hast?

Ich hoffe, dass ich sie ermutigt habe – so wie mein Vater das bei mir gemacht hat. Ich war schockiert, als ich herausfand, dass so viel Kinder denken, sie könnten nicht malen/zeichnen. Ich versuchte ihr Selbstvertrauen mit lustigen Darstellungen aufzubauen. Die Kinder nannten mich Rolf – nach dem Fernsehunterhalter Rolf Harris, der zu dieser Zeit sehr berühmt war und malte während er sang. Er ist immer noch im Fernsehen zu sehen und hat sogar schon die „Queen“ gezeichnet.

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Hast du auch etwas von den Kindern in deiner Klasse gelernt?

Ja und ich erinnere mich an etwas, das Picasso gesagt hat: “ Ich brauchte vier Jahre, um wie Raphael zu malen, aber ein Leben lang, um wie ein. Kind zu malen.”

Hast du ein Bild, das du gemalt hast, bei dir zu Hause? Wenn ja, was zeigt es?

Es gibt ein Bild, von dem ich mich nie trennen werde. Es ist ein Bild von Staithes, das ich zum Teil von einem alten Foto und zum Teil aus meiner Fantasie gemalt habe.

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Abgesehen von den Landschaften, malst du auch Schafe – sie haben auf deiner Homepage sogar eine eigene Galerie. Warum ist das so?

Wenn es als Kind nicht warm genug war, um an den Strand zu gehen, dann machten wir Picknicke in den Mooren von Nord-Yorkshire. Die Schafe, die auf den Hügeln leben, sind meistens Swaledales – eine sehr winterfeste Rasse. Die weiblichen und die männlichen Tiere haben alle Hörner. Sie sind ein Bestandteil der Landschaft und es macht Spaß sie zu zeichnen und zu malen.

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Dein Vorsatz für das Jahr 2010 war es, mehr zu zeichnen. Bist du mit den Ergebnissen zufrieden?

Ich freue mich, dass ich mehr gezeichnet habe und das Leben wieder durch die Zeichnung aufgenommen habe – es ist eine großartige Möglichkeit seine Fähigkeiten zu verbessern aber ich bin nie ganz zufrieden mit meinen Ergebnissen. Ich hoffe immer, dass die nächste Malerei oder Zeichnung besser sein wird als die letzte.

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Wenn heute Silvester wäre, was wäre dein Vorsatz für 2011?

Ich möchte mich weiter verbessern und erweitern im nächsten Jahr. Ich hoffe, zusätzlich zu meinen Bildern und Zeichnungen, Drucke von meinen Radierungen produzieren zu können. Ich hoffe, dass die Betrachter meiner Arbeiten in der Lage sind, die Magie zu entdecken, die ich bei den Orten, die mich inspirieren sie zu malen, fühle.

Mehr von Sue Nichol’s Arbeiten seht ihr hier

Kategorien: Frontpage · Visual Arts

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