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Auszug aus dem Buch „Das Sterntalerexperiment“ von Heidemarie Schwermer – Teil 2

30 Dezember, 2009 von · Keine Kommentare

Heidemarie Schwermer

Footprints
Foto: nugunslinger

Lebensqualität – weniger ist mehr

Wenn die Grundbedürfnisse wie ein Dach über dem Kopf, genug zu essen, angemessene Kleidung, befriedigt sind, kann ich da schon von Lebensqualität sprechen, oder beginnt die, wenn der Luxus einsetzt? Und was ist Luxus? Im Lexikon steht: reiche Ausstattung, Verschwendung. In unserer kapitalistischen Welt strebt die Masse Verschwendung an. Je mehr, desto besser. Damit scheint Glück und Reichtum verbunden zu sein.

Obwohl ich kein eigenes Dach über dem Kopf habe, nicht einmal ein gemietetes, obwohl ich heute nicht weiß, was ich morgen essen werde, wie ich von einem Ort zum anderen komme, und andere Selbstverständlichkeiten in meinem Leben nicht selbstverständlich sind, weil ich seit Jahren kein Geld mehr benutze, wächst meine Lebensqualität ständig. Von allem gibt es genug und mehr, so dass ich vieles weiterschenken kann, weil ich mich nicht mit überflüssigen Dingen belasten möchte.

Das gehört zu meiner neuen Lebensform, die mit einer Verschiebung der Wichtigkeiten zu tun hat. Mein Lebensentwurf basiert nicht auf Verzicht und Askese sondern auf Einfachheit. Ich strebe nur das an, was ich wirklich brauche. Dadurch schaffe ich mir mehr Zeit für Wesentliches. Die Zeit, die ich sinnvoll nutzen kann und die Freude, die dadurch entsteht, sind in meinem Leben der Luxus.

Zwar erhalte ich die meisten für mich notwendigen Dinge von anderen Menschen, die von ihrem Überfluss abgeben, den sie sich mit Geld erwirtschaftet haben, und so scheint es, dass ich statt vom Geld nun von ihnen abhängig bin und mein Leben komplizierter als vorher sein müsse. Das ist jedoch ein Trugschluss. Achtete ich zu Beginn meines neuen Lebens akribisch darauf, dass ich durch mein Geben das Nehmen sofort ausglich, damit niemand mich für eine Schnorrerin halten könnte, hat sich in den letzten Jahren etwas verändert.

Jetzt muss die Gabe anderer keineswegs sofort von mir beglichen werden. Manchmal liegen lange Zeiten dazwischen, oder ein Ausgleich erfolgt durch eine dritte Person. Außerdem gelingt es mir zusehendst, statt meiner Hände meine Gedanken einzusetzen. So formuliere ich mir einen Wunsch, schicke ihn in den Kosmos und lasse wieder los. Ich erhalte das Gewünschte meistens schon nach kurzer Zeit. Obwohl diese Wunder täglich geschehen und ich sie für selbstverständlich halten könnte, bin ich jedes Mal von Freude und Dankbarkeit erfüllt.

Dankbarkeit ist ein wichtiger Schlüssel für die Öffnung der neuen Türen und der neuen Lebensqualität, Dankbarkeit und meine Ge- dank- en. Gelingt es mir, Ängste und Zweifel aufzulösen, dann kann ich etwas überwinden, was als normal angesehen wird, weil wir ja Menschen sind, die sich bestimmten Zwängen unterwerfen müssen.

Es gibt schon einige Lebensentwürfe, in denen die Betroffenen sich von diesen Zwängen befreit haben. Vor ein paar Jahren wurde eine junge Frau in verschiedenen Fernsehsendungen präsentiert, weil sie auf die herkömmliche Nahrung verzichtet und nur noch von Licht lebt. Wie oft haben mir Menschen dazu gesagt, dass diese Frau eine Spinnerin sei, dass sie heimlich äße und was ihnen sonst noch dazu einfiel. Sie wollten nicht glauben, was nicht sein kann.

Ich glaube, dass wir in einer neuen Zeit leben, in der Dinge geschehen, die wir früher nicht für möglich gehalten hätten. Sowie vor 100 Jahren sich kaum jemand vorstellen konnte, dass ein Mensch auf dem Mond landen würde, so werden die Prozesse im geistigen Bereich beschleunigt. Ich nenne das „das geistige Wachstum“. Geistiges Wachstum können wir dann erzielen, wenn wir uns die Zeit dafür nehmen.

Es bedeutet, über Erfahrungen zu Erkenntnissen zu kommen, die neue Verhaltensweisen ermöglichen. Ein wichtiger Prozess besteht im Weg nach Innen, im Meditieren oder Beten, im Sich Besinnen und Sich Ruhe Gönnen. Dabei kann es geschehen, dass sich uns eine ganz neue Welt präsentiert, eine Welt mit Tiefgang und gleichzeitig Einfachheit. Dinge geschehen, die wie Wunder erscheinen, Wünsche und Gedanken erfüllen sich, ohne dass ich handeln muss. Durch das Nach Innen Schauen erreichen wir eine anderen Ebene. Das Leben gewinnt an Qualität und hört auf, ein ewiger Kampf zu sein.

Ich sitze auf dem Bahnhof in Essen und möchte etwas essen, weil mein Magen laut knurrt. Da meine Tasche nichts, aber auch gar nichts Essbares enthält, fange ich an, mir in Gedanken Leckeres vorzustellen. Pizza wäre das Richtige, mit Champignons und Käse oder Artischocken und anderem Gemüse. Hmmm- das Wasser läuft mir im Mund zusammen. Käme doch schon der Zug, damit ich mir in Dortmund wenigstens ne Stulle schmieren könnte. Der kommt aber erst in 20 Minuten.

O.k. da kann ich nichts machen. Jetzt beginne ich mich ein wenig umzusehen. Rechts neben mir auf der Bank entdecke ich eine Tüte. Was da wohl drin ist? Ob die jemand vergessen hat? Ich greife danach und merke, dass sie etwas Warmes enthält. Tja, es sind drei kleine Pizzen mit Champignons und Käse und anderem Gemüse. Vor Freude lache ich auf, bedanke mich, nehme mir eine Pizza heraus und lege die Tüte wieder an ihren Platz für den nächsten Hungrigen.

Was ist geschehen? Hat das mit Zauberei zu tun oder mit Mystik? Sicherlich hat jemand die Tüte liegen lassen, weil er oder sie schnell in den Zug springen musste. Wir alle haben schon mal Dinge irgendwo vergessen. Für diese Situation gäbe es auf jeden Fall mehrere Erklärungen. Und dennoch hat sie auch etwas mit mir und meinen Gedanken zu tun.

Vor einiger Zeit las ich, dass unser Gehirn nur zu 10 % entwickelt sei und 90 % brachliegen. Grosse Genies wie Albert Einstein kämen vielleicht auf 15 %. Ich stelle mir vor, was alles möglich sein könnte, wenn wir unser Gehirn weiterentwickeln würden. Stattdessen haben wir unseren Schwerpunkt auf die Beschaffung von materiellem Eigentum gelegt.

Wir ackern und rackern von morgens bis abends, um an die wertvollen Dinge zu kommen. Um uns in Schwung zu halten, bestimmen wir selber, dass unser Eigentum sich vergrößern und ständig erneuert werden muss. So gibt es genügend zu tun und kaum noch Zeit, um über das Wieso und Warum nachzudenken. Manchmal fragen wir uns, ob das alles Sinn macht.

Aber dann beruhigen wir uns wieder, weil alle es so machen. Dann muss es doch in Ordnung sein. Diejenigen, die nicht mitmachen, aus welchen Gründen auch immer, sind die Verlierer. Sie gelten nichts, weil sie nichts haben. Die meisten dieser Habenichts fühlen sich im Defizit und hätten gern mehr. Also können wir doch froh sein, nicht zu ihnen zu zählen und wenigstens eine Arbeitsstelle zu haben, auch wenn sie uns nicht gefällt. Und so bleibt alles beim Alten.

Kategorien: Frontpage · Lebensfragen

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