Vladimir Janev
Übersetzung: Dessislava Georgieva

Foto: amanderson2
Die antike indische Literatur
Sehr ihr die zwei mächtigen Flüsse Indus und Ganges?
Sie bewässern die Erde, damit sie reiche Früchte trägt. Wie könnten die Menschen dafür nicht dankbar sein! Deshalb heißt das Land, durch welches diese Flüsse fließen, Indien – dem majestätischen Indus zu Ehren. In der Vergangenheit nannte man es Bharatvasha – das Land der Nachkommen von Bharata, ein mächtiger König aus längst vergangenen Zeiten. Nur wenig ist aus dieser Vergangenheit bekannt. Die Archäologen sind überzeugt, dass es eine ruhmreiche und ausgesprochen interessante Zeit war. Die Ausgrabungen, die große, antike Städte offenbaren, beweisen es.
Leider haben die einstigen Hindus die Geschichte nicht so sehr geschätzt. Sie erzählten nicht gern von den Dingen, die tatsächlich geschehen waren, und noch weniger mochten sie sie aufschreiben. Deshalb erfahren wir aus der Zeit der Indoarier mehr über ihre Vergangenheit. Arisch bedeutet „edel“. So nannten sich die hellhäutigen Menschen, die die Draviden, die Urbevölkerung Indiens versklavten.
Die Indoarier kamen von weit her, aus den fernen skandinavischen Ländern. Sie legten riesige Strecken zurück und lebten später hoch in den Bergen. Wie Adler stiegen sie von dort zu den überraschten Draviden hinab, eroberten ihr Land und machten sie zu ihren Dienern. Um die Bevölkerung völlig von sich abhängig zu machen, zwangen ihr die Indoarier ihren Glauben und ihre Götter auf. Davon erfahren wir in den heiligen Schriften der Veden
Veda bedeutet „Wissen“, „Wissenschaft“. Anders ausgedrückt, „Lehre“. Man glaubte, dass in den Veden all das geschrieben stand, was man wissen und behalten sollte. Deshalb studierte man sie sorgfältig und glaubte fest an die Wahrheit darin.
Lasst uns auch die Veden aufschlagen, um die hinduistischen Götter kennenzulernen.
Der wichtigste darunter ist Indra, ein mächtiger und unbesiegbarer Krieger. Er beherrschte die Blitze und den Donner, mit denen er jeden niederschmetterte, der es wagte, sich ihm zu widersetzen. Einmal tauchte ein arglistiger Drache auf, der den Regen verbannte. Und wenn kein Regen fällt, dann tritt Dürre ein, die Erde trägt keine Früchte mehr, die Menschen verdursten. Das machte Indra wütend, er schmetterte seine entsetzlichen Blitze auf den Drachen und zermalmte ihn zu Staub. Endlich ergoss sich der gesegnete Regen vom Himmel. Indra hatte Mitleid mit den Menschen. Obendrein war er sehr großzügig: Man sagt, dass er nicht mit einer, sondern mit beiden Händen spendiert und nie etwas für sich selbst zurückbehalten habe. Später nahm sich der Gott Vishnu ein Beispiel an Indra und vernichtete alle Dämonen, die Böses mit den Menschen im Schilde führten. Er half den guten Göttern und Agni, dem Gott des Feuers.
Doch mir gefällt Mithra am besten: Er war mit allen befreundet und sorgte dafür, dass sich die Menschen gegenseitig wie Brüder behandelten. Während Varuna, Gott der Gewässer und Herrscher des Ozeans, die Menschen für ihre Fehler und Verbrechen bestrafte und jeden, der Böses tat, in Angst und Schrecken versetzte.
Ich möchte die bösen Menschen nicht in Schutz nehmen, und dennoch ist mir Varuna nicht ganz sympathisch. Es passiert doch schließlich manchmal, dass wir etwas verkehrt machen. Wenn Mithra davon erfährt, dann ist das nicht so schlimm! Er wird uns einen Rat geben, vielleicht wird er auch ein wenig schimpfen, doch wird er wohlwollend sein. Wenn jedoch Varuna etwas davon mitkriegt, dann möchte ich lieber nicht darüber nachdenken und sprechen, was passieren könnte! Der Prügel ist uns sicher, und es könnte sogar noch schlimmer kommen: Er könnte uns hässlich und schwächlich machen, uns erblinden lassen und zu ewigen Qualen verdammen.
Vielleicht ist es besser, einfach keine Fehler zuzulassen. Wenn es möglich ist…
Oder wenn sich wenigstens Brahma, der Schöpfer, etwas öfter einmischen würde, wenn Varuna wegen unserer Fehler völlig außer sich gerät vor Wut. Brahma ist gnädig, er liebt die Menschen, und deshalb preisen sie ihn von Herzen.
Und Shiva soll vier Armpaare gehabt haben. Vier Paare, acht Arme!
Der achtarmige Shiva liebte die Feste und besonders die Tänze. Stellt euch vor, wie er mit seinen vielen Händen im Takt geklatscht hat. Doch manchmal ist er auch wütend geworden und hat ganze Städte zugrunde gerichtet. Überhaupt ist er ein ziemlich unausgeglichener Gott, man weiß nie, ob er nun gute oder schlechte Laune hat. Aber interessant ist er dennoch.
Zuhause habe ich eine Figur des tanzenden Shiva, sie gefällt mir sehr. Wenn ich traurig bin, sehe ich mir die Figur an, und ich werde fröhlicher. Es hilft, Ehrenwort.
Mensch, die Hindus hatten aber viele Götter, man kann sie sich kaum merken.
Die Menschen empfanden es auch so, und aus diesem Grund wählten sie Brahma, Vishnu und Shiva als ihre Hauptgötter aus. Mit ihnen verkörperten sie die drei Prinzipien des Lebens: die Schöpfung, die Erhaltung, die Zerstörung.
Ich lasse die Götter mal Götter sein, denn noch mehr als sie liebe ich die Poesie, die die menschlichen Erlebnisse offenbart. So ist es im „Mahabharata“ und im „Ramayana“, den bezeichnenden Werken der antiken indischen Literatur. Das sind Epen wie „Gilgamesch“ , jedoch viel umfangreicher: allein „Mahabharta“ enthält 200.000 Verse, gesammelt in 22 dicken Bänden. Eine ganze Bibliothek!
Und was für spannende Geschichten darin erzählt werden!
Ehrlich gesagt kenne ich sie auch nicht alle, weil es den „Mahabharata“ nicht als vollständige Übersetzung in den Sprachen gibt, die ich beherrsche. Und im Original kann ich ihn nicht lesen, denn das Werk ist in Sanskrit geschrieben. Das ist eine sehr schwere Sprache. Die Gelehrten behaupten, dass sie nicht zum Sprechen, sondern allein zum Schreiben von Büchern bestimmt sei. Schon die Bezeichnung „Sanskrit“ bedeutet ja „geordnet“, literarisch.
















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