
Der bulgarische Dichter und Schriftsteller Georgi Gospodinov wurde 1968 geboren. Für seinen ersten Gedichtband »Lapidarium« (1992) erhielt er den nationalen Preis für das beste Debüt. Ihm folgte »Tschereschata na edin narod« (1996; Ü: Der Kirschbaum eines Volkes), der vom Bulgarischen Schriftstellerbund mit dem Preis für das beste Buch des Jahres ausgezeichnet wurde.
Einem internationalen Publikum wurde Gospodinov vor allem mit seinem ersten Roman »Estestven roman« (1999; dt. »Natürlicher Roman«, 2007) bekannt. Das Buch wurde in Bulgarien sechs Mal aufgelegt und ins Englische, Deutsche, Französische, Italienische, Dänische, Tschechische und Serbische übersetzt. »Ein anarchisches experimentelles Debüt«, urteilte der »New Yorker«, die »Times« sprach von einem »humorvollen, melancholischen und höchst eigenwilligen Werk«. »The Guardian« wiederum schrieb, der Roman sei »sowohl diesseitig als auch intellektuell«. In Deutschland pries ihn die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« als »kleines, raffiniertes Meisterwerk«, das Magazin »Literaturen« schrieb, »Gospodinov lässt den Text wie eine Pflanze wachsen und macht die Lektüre zu einem Spaziergang«. Der NDR lobte die »erstaunliche Dichte«, der WDR die gute Lesbarkeit des Romans, während die »Neue Zürcher Zeitung« den Autor als »Humorist aus Verzweiflung« charakterisierte.
2001 erschien der Kurzgeschichtenband »I drugi istorii« (dt. »Gaustín oder Der Mensch mit den vielen Namen«, 2004). Er geht mit der Beschreibung von traurig-komischen Szenen dem Geheimnisvollen im Alltagsleben nach und wurde ins Deutsche, Englische, Franzöische und Tschechische übersetzt. Ihm folgten die Gedichtbände »Pisma do Gaustin« (2003; Ü: Briefe an Gaustin) und »Baladi i razpadi« (2007; Ü: Balladen und Malaisen).
Gospodinov schrieb auch für die Bühne. Das Theaterstück »D.J.« (die Initialen verweisen auf Don Juan) wurde am Satirischen Theater in Sofia sowie in Frankreich und Österreich aufgeführt und von der Bulgarischen Schauspielervereinigung mit dem Preis für das beste Stück des Jahres ausgezeichnet. Bei den Berliner Filmfestspielen 2005 eröffnete das Internationale Forum des jungen Films mit der osteuropäischen Filmproduktion »Lost and Found«, für dessen bulgarischen Beitrag »Das Ritual« Gospodinov das Drehbuch geschrieben hatte.
2006 gab Gospodinov »As siviach sozialisma: 171 litschni istorii« (Ü: Ich habe im Sozialismus gelebt. 171 persönliche Geschichten) heraus – das Ergebnis eines zweijährigen Internet-Projektes, bei dem die Erfahrung gewöhnlicher Menschen aus der Zeit des Sozialismus gesammelt wurden. Mit »Inventarna kniga na sozialisma« (2006; Ü: Inventurliste des Sozialismus; zusammen mit Yana Genova) – einem Katalog bulgarischer Alltagsgegenstände aus der Zeit zwischen 1956 und 1989 – führte er seine Arbeit auf diesem Gebiet fort. Beide Bücher gehören in Bulgarien zu dem meistdiskutierten und -verkauften.
Gospodinov promovierte am Literaturinstitut der Bulgarischen Akademie der Wissenschaft und arbeitet für die Tageszeitung »Dnevnik« als Kolumnist im Bereich »Analysen«.
Zur Zeit ist er Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD.
Veröffentlichungen in deutscher Übersetzung:
Natürlicher Roman. Übersetzt von Alexander Sitzmann. Droschl Verlag, Graz, 2007
Gaustín oder Der Mensch mit den vielen Namen. Erzählungen. Übersetzt von Alexander Sitzmann. Wieser Verlag, Klagenfurt, 2004
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