Ein Interview von Ani Georgieva mit dem Filmemacher Behrooz Karamizade

Behrooz Karamizade bin ich zum ersten Mal am Eingang des Diskussionsraum beim Duisburger Filmfestival begegnet, das vom 3. bis zum 9. November stattgefunden hat.
Meine Freundin und ich hatten gerade eine kurze Zigarettenpause und er hat uns um Feuer gebeten. “Rauchen kann tödlich sein”- erwiderte ich durch eine dunkle Rauchwolke seiner Bitte. “Ich bin eine Katze, hab schon ein paar Leben im Reserv”, war seine Antwort. Ich musste lachen und wusste schon in diesem Moment, dass dieser Mann was Besonderes an sich hat. Einige Minuten später hat es sich herausgestellt- Behrooz ist ein Filmemacher, dessen erster Dokumentarfilm beim DOXS!-Programm der Filmwoche vorgeführt worden ist. Es soll ein Kinderfilm sein, ich neige aber eher dazu, diesen Film auch an ältere, vernünftige und stabil auf dem Boden stehenden Personen weiterzuempfehlen. “Kindsein im Iran“ („To be a child in Iran“) zeigt verschiedene Momente vom Leben iranischer Kinder, die in der Welt der Erwachsenen klarzukommen versuchen. Und das ruft eine außerordentlich tiefe Empathie hervor: man sieht ein kleines Mädchen und ein Junge, die im schlimmsten Traffik versuchen, eine riesige Melone zu transportieren. Die kleinen denken sich verschiedene Strategien aus, an einem großen Karton zu kommen. In der nächsten Sequenz ist ein verwirrter Junge in der Moschee zu sehen, der den großen nachahmt. Wie die Kinder die Welt sehen, ob es Unterschiede in den verschiedenen Ländern gibt und wie überhaupt der Film entstanden ist, erzählt uns der Filmemacher selbst.

Warum hast Du dich für einen Film für Kinder entschieden?
Ich bin letztes Jahr zum ersten mal nach 23 Jahren zurück in meine Heimat Iran gereist, wo ich als 7 jähriges Kind gemeinsam mit meiner Familie vor der politischen Verfolgung meines Vaters geflohen bin. Als ich nun, als erwachsener Mann mit der Kamera in der Hand im Iran war faszinierte mich der Blickpunkt der Kinder. Denn es ist auch der einzige Standpunkt, den ich aus meiner Zeit im Iran hatte. Besonders gern mag ich die Kinder in der Moschee. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich als fünfjähriger gemeinsam mit meinem Opa in die Moschee gegangen bin. Ich wusste überhaupt nicht, wie ich zu beten habe. So machte ich alles nach, was die anderen vor mir taten. Natürlich gelang es mir nicht vollends und das Ergebnis war dann immer sehr amüsant.
‘To be a child in Iran’ ist Dein erster Dokumentarfilm. Was sind die Vorteile der dokumentarischen Form für Dich?
Dokumentationen und Fiktion unterscheiden sich für mich lediglich in der Art und Weise, wie ich als Regisseur oder Kameramann Entscheidungen treffe. Sowohl Dokumentationen als auch Fiktion haben mit der Deutung der Realität zu tun. Das spannende an dokumentarischen Arbeit ist, dass ich Entscheidungen in sehr kurzer Zeit treffen muss, um den wichtigen Moment nicht zu verpassen. Wohingegen ich beim Fiktionalen schritt für schritt den richtigen Moment erst bauen muss. So ist die dokumentarische Arbeit eine wichtige Schule um meine Augen und meine Gedanken zu trainieren.
Denkst du, dass Dein Film auch für Erwachsene aussagekräftig ist?
Für mich ist „To be a child in Iran“ kein Film für Kinder ausschliesslich, sondern ein Film mit Kindern. Die Tiefe der Gedanken der Zuschauer hängt auch von ihren eigenen Lebenserfahrungen ab. Der Film läuft sehr erfolgreich auf Internationale Festivals als auch auf Internationalen Kinderfestivals. Die Botschaft des Films wird sowohl von Erwachsenen als auch von Kindern verstanden.
Woran unterscheiden sich die iranischen Kinder von den deutschen oder was macht überhaupt das Kindsein aus- denkst Du, es ist von der jeweiligen Kultur abhängig? Wie hast Du es empfunden?- Du selber warst Kind in zwei verschiedenen Kulturen.
Ich denke nicht, dass man die Kinder dieser Welt in verschiedenen Kategorien betrachten kann. Ja das stimmt, beispielsweise die iranische Kultur unterscheidet sich von der deutschen in vielen Punkten. Diese Punkte wirken sich auch auf die jeweiligen Kinder unterschiedlich aus. Doch meiner Meinung nach gibt es eines was allen Kindern dieser Welt gemein ist und sie definiert: Es ist ihr unersetzlicher Drang nach Entdeckungen. Kinder sind Forscher. Und das macht sie für mich unglaublich interessant.
Du warst lange Jahre nicht im Iran. Dieser Film ist eine Art Rückkehr für Dich. Hat sich das Leben der Kinder im Iran in dieser Zeit stark verändert?
Iran ist ein grosses und vielseitig Land. Es ist ein Land im ständigen Wandel. Die iranische Population ist eine sehr junge. Über sechzig Prozent der Bevölkerung ist unter dreissig Jahre. Die neue Zukunft Irans entscheidet sich meiner Meinung nach davon, wohin sich die junge iranische Generation hinbewegen wird.
Wie haben die Kinder beim Festival in Duisburg (aber auch bei anderen Vorführungen) auf den Film reagiert? Was für Fragen haben sie gestellt?
Die Vorführung bei der 32. Duisburger Filmwoche hat mir besonderes Vergnügen bereitet. Die Duisburger Filmwoche DOXS! hat unter der Leitung von Frau Gudrun Sommer ein hervorragendes Programm zusammen gestellt, in der immer menschliche und existentielle Themen von Kindern den Hauptschwerpunkt gesetzt haben. Die Diskussionsrunde wurde moderiert von dem Autor und Journalisten Klaus-Dieter Felsmann, der sehr sensibel auf die Fragen der Kinder eingegangen ist. Durch die Fragen der Kinder konnte ich meinen Film auch durch ihre Augen sehen. Es hat mir sehr geholfen.
Wurde Dein Film auch im Iran vorgeführt?
Nein, leider noch nicht.
Die Kunst ist immer auch ein Kommunikationsmittel. Welche Botschaft beinhaltet Deine Kunst?
Ich möchte meinem Publikum mit meinen Filmen Hoffnung, Zuversicht und Auswege aus schwierigen Situationen zeigen. Das ist der Grund für mich warum ich Filme mache.
Was sind Deine zukünftige Projekte?
Zur Zeit befinde ich in der Recherche-Phase für mein nächstes Dokumentarfilm-Projekt, dass meine Kamerafrau und Co-Autorin Jana Richter und ich für Anfang nächstes Jahres vorbereiten.
















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