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Bulgarische Küche Teil 2 – Weihnachtliche Traditionen

18 Dezember, 2009 von · Keine Kommentare

Dessislava Berndt

Fortsetzung

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Foto:Dessislava Berndt

Wie auch in anderen Ländern wird in Bulgarien Weihnachten kulinarisch besonders üppig gefeiert. Das Weihnachtsfest dauert dabei drei Tage.

Das Weihnachtsfest (Koleda) beginnt in Bulgarien am 24. Dezember, also am Heiligabend (Badni vetscher). An diesem Abend versammelt sich die ganze Familie zum festlichen Abendessen. Der festliche Tisch wird mit einer ungeraden Zahl an fleisch- und milchlosen Gerichten – z.B. 7, 9, 11 – angerichtet. In vielen Familien sollen es genau 13 Speisen sein. Angeblich geht dieser Brauch auf das Abendmahl der 12 Apostel und Jesus zurück.

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Foto: Mira Dimova

Am Heiligabend wird auch ein Ritualbrot (bogoviza) zubereitet. Die Töchter in der Familie bereiten auch kleine Brötchen zu, die sie später den Koledari (Weihnachtsjungen) schenken.

Am 25. Dezember ist Christi Geburt. Nach der langen Fastenzeit isst man zu Mittag nach der Messe in der Kirche zum ersten Mal Fleisch und Tierprodukte. Am zweiten Weihnachtstag haben die Leute, die den Namen Christi tragen – z.B. Christo, Christina – Namenstag. Am dritten Weihnachtstag, dem Stefanstag, feiern alle, die den Namen des Hl. Stefan tragen – Stefan, Stefanka, Stanjo, Stoil, Stojan, Stanimir.

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Foto:Dessislava Berndt

Typische Weihnachtsgerichte sind z.B. Bohnensuppe, Sauerkrautrouladen, Banitza – ein mit Käse gefüllter Blätterteig – und das Oschaf, ein Kompott aus Pflaumen, Birnen und Äpfeln. Meistens gibt es auch Pitka, ein hausgemachtes Brot, in das man eine Münze eingebacken hat.

Das älteste Familienmitglied verteilt die Pitka unter den anderen, wobei eines der Stücke für das Haus bestimmt ist. Derjenige, der die Münze in seinem Brot findet, wird im nächsten Jahr sehr erfolgreich sein. Wenn die Münze im Brotstück des Hauses bleibt, bedeutet dies im nächsten Jahr Erfolg für die ganze Familie.

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Foto: Mira Dimova

Bei einer bulgarischen Tradition ziehen junge Männer und Unverheiratete von Haus zu Haus und wünschen dessen Bewohnern mit ihren Liedern Gesundheit und Reichtum. Als kleine Aufmerksamkeit gibt es Geld oder sonstige kleine Geschenke und “kravai”; das ist ein rundes Brot mit einem Loch in der Mitte. Für den Transport wird dieses Brot auf extra mitgeführten langen Holzstangen “aufgespießt”.

Für die Kinder bringt Djado Koleda, der Weihnachtsgroßvater, die Geschenke. Snejanka, das Schneeflöckchen, hilft ihm beim Verteilen der Geschenke.

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Foto:Dessislava Berndt

In vielen Regionen Bulgariens werden an den Weihnachtstagen alte Volksbräuche zelebriert, die häufig sowohl christliche als auch heidnische Wurzeln haben. In den Bergdörfern, aber auch in vielen Städten, verkleiden sich am Morgen des 25. Dezembers die Kinder als Koledari, als “Weihnachtsjungen”. Sie klingeln bei den Nachbarn, um ihnen Lieder vorzusingen und Wünsche auszusprechen.

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Foto: Vanya Kovacheva

Dabei haben sie die Survatschki mit; das sind Kirschzweige, die mit bunten Fäden und Popcorn geschmückt sind. Mit den Survatschki schlagen die Kinder den Erwachsenen leicht auf den Rücken, um ihnen so Gesundheit, Erfolg und Glück zu wünschen. Hierfür bekommen die Kinder Süßigkeiten oder ein paar Münzen.

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Foto: Mira Dimova

Ein anderer Brauch, der zwischen Weihnachten und Silvester gepflegt wird, ist das Backen der Banitza s kasmeti (“Banitza mit Glücksbringern”). Beim Zubereiten dieses Blätterteiggebäcks werden kleine Zettel mit Glückwünschen geschrieben, die in die Banitza eingebacken werden. Beim gemeinsamen Essen sucht jeder die Zettel aus seiner Portion heraus und liest den anderen die Wünsche vor.
In einigen Gegenden feiert man nach altem Kalender auch den Jordanovden, den 6. Januar.

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Foto: Mira Dimova

Die Menschen versammeln sich an einem Fluss, in den der Dorfpriester ein Kreuz hinein wirft. Die jungen Männer der Dorfes springen dann in das eiskalte Wasser, um nach dem Kreuz zu tauchen. Wem es gelingt, das Kreuz zu holen, den werden Glück, Wohlstand und Reichtum das ganze Jahr über begleiten. Der Sieger ist der Held des Dorfes, und er besucht alle Nachbarn, um auch ihnen Glück für das neue Jahr zu wünschen.

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Foto: Mira Dimova

Rezept für Pitka

500 g Weizenmehl
1 Prise Backpulver
15 g Hefe
1/2 l lauwarmer Joghurt ( 3,5 % Fettgeh.)
1 Prise Zucker
2 Eier
100 g geschmolzene Butter
1 TL Salz
zum Bestreichen: 1 Eigelb
1 EL Wasser

Das Mehl wird in eine Schüssel gegeben und mit dem Backpulver vermischt. Dann wird eine Mulde geformt. Die Hefe wird in 1/8 l Joghurt mit dem Zucker aufgelöst und in die Mulde zugegeben. Dann wird alles mit etwas Mehl zum Teig verrührt. Den Teig lässt man 15 Minuten gehen. Der restliche Joghurt wird mit den Eiern, der geschmolzenen Butter und Salz hinzugefügt, alles wird gut vermischt und zu einem geschmeidigen Teig verarbeitet. Dann wird der Teig zugedeckt an einem warmen Ort ca. 45 Minuten gestellt.

Auf einer mit Mehl bestreuten Arbeitsfläche wird der Teig nochmals geknetet. Daraus werden 4 kleine Laibe geformt, auf ein gefettetes Backblech gelegt und mit einem Tuch bedeckt; so lässt man ihn nochmals 15 Minuten gehen. Die vier Brote werden anschließend mit dem Eigelb bestrichen. Im vorgeheizten Backofen werden die Brote ca. 25 Minuten gebacken.

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Foto:Dessislava Berndt

Kategorien: Frontpage · Um die Welt

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