Ein Interview von Mariyana Velichkova mit dem Modefotografen Christian Leitner
Übersetzung aus dem Bulgarischen: Aleksandra Ingilizova

Wie wurde die Fotografie zu einem wichtigen Teil deines Lebens?
Einer der Vorteile, an einer Universität zu arbeiten, ist die Möglichkeit an viele Orte zu reisen, die man als Tourist normalerweise nicht besucht. So fing ich an, überall wo ich hin ging, Fotos zu machen. Aber der eigentliche Wendepunkt in meinem Leben war, als ich von einer Freundin, die nebenberuflich als Model arbeitet, eingeladen wurde, um auf einer Modenschau, an der sie teilnahm, zu fotografieren. Vom ersten Moment an, war ich von der Atmosphäre dort verzaubert. Von da an begann ich regelmäßig Modenschauen zu fotografieren. Glücklicherweise gibt es in Wien viele Möglichkeiten für Modefotografen.


Neben der Tätigkeit als Modefotograf, bist du auch Universitätsassistent der Biotechnologie. Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Wissenschaft und der Mode?
Ja den gibt es! Bei beiden, Wissenschaft und Mode, ist es notwendig die Grundlagen zu kennen. Aber um aufzufallen, musst du kreativ sein und so denken, wie keiner zuvor. Nur so kannst du Kleider entwerfen, die noch keiner entworfen hat oder einen wissenschaftlichen Durchbruch schaffen, der für unmöglich gehalten wurde.


Worin liegt die „Schönheit“ der Wissenschaft?
In der Biochemie versucht man die Geheimnisse des Lebens zu entschlüsseln. Kann es eine schönere Arbeit geben?

Was gefällt dir in der Modewelt am meisten: die Designer, die Models, die Modenschauen oder ist es etwas anderes?
Die Designer! Mein Lieblingsmoment jeder Modenschau ist das Ende, wenn der Designer, vom einem Model gezogen und vom Applaus des Publikums überwältigt, schüchtern hinter dem Vorhang hervortritt. Es ist wirklich traurig, dass nur wenige Designer von ihrer Kunst leben können.


Folgst du den Modetrends?
Als Modefotograf ist das ein Berufsrisiko Aber ich wähle sorgfältig aus, welchem Trend ich folge und welchen ich ignoriere. Nachdem ich in den 80ern aufgewachsen bin, werde ich Neonfarben nie mehr tragen! Natürlich besitze ich einige Designerklamotten, die ich sehr schätze. Die meisten davon habe ich gegen Fotografien eingetauscht.

Würdest du uns etwas Interessantes über die Mode in deiner Heimatstadt Wien erzählen?
In den letzten Jahren beobachte ich in Wien ein wachsendes Interesse an der Mode. Es gibt viele junge Designer und Boutiquen, meistens im 7. Bezirk (Neubau) und um das Museumsviertel herum. Vor fünf Jahren fand die jährliche Modenschau von „Hetzendorf“ (Modeschule in Wien) in einem kleinen Zelt im Park der Schule statt und dieses Jahr in einem schönen Veranstaltungssaal des Rathauses. Die erste „Wiener Modewoche“ in diesem Herbst war sehr gut besucht, was ein weiteres Zeichen für das wachsende öffentliche Interesse an der Mode ist.


Wie würdest du den Begriff „Modestil“ definieren?
Ich denke nicht, dass es nur ein Modestil gibt. Jeder sollte einen Stil entwickeln, der seine Gefühle und Denkweise widerspiegelt. Natürlich ist das im Alltag nicht immer möglich, aber sehr wohl bei besonderen Anlässen. Die Mode sollte als Kunst betrachtet werden und nicht nur als etwas, das uns in den Wintertagen warm hält.


Gibt es Orte, die du gerne fotografieren würdest, aber noch nicht besucht hast?
Natürlich gibt es welche! Besonders gerne würde ich während einer der großen Modewochen in Paris, London und Mailand fotografieren.

Welche Eigenschaften sollte der Modefotograf mit sich bringen, um wirklich gute Fotos zu machen?
Geduld! Die Modenschauen fangen nie rechtzeitig an und um einen guten Platz zum Fotografieren zu bekommen, muss man sehr früh da sein. Das Gute daran ist, dass man diese Zeit dazu nutzen kann, sich mit anderen Fotografen zu unterhalten. Die meisten von ihnen lieben es, über ihre Arbeit zu sprechen und können dir wertvolle Ratschläge geben. Deshalb ist es auch wichtig, ein kommunikativer Mensch zu sein.


Wer sind deine Lieblingsmodels?
Das sind wahrscheinlich die Models von dem jährlichen „World Bodypainting Festival“ in Seeboden, Österreich. Die meisten arbeiten ehrenamtlich. Das Malen an sich dauert fünf Stunden, wird im Freien und bei fast jedem Wetter - außer bei Regen - durchgeführt und wird von Tausenden von Besuchern fotografiert.

Danach folgt ein großes Fotoshooting mit mehr als 200 Fotografen und anschließend eine Bühnenaufführung. Nach all dem bleiben die meisten Modelle die ganze Nacht bemalt, posieren, lachen und haben Spaß. Ich bewundere ihre Ausdauer wirklich.


Welche Modenschau hast du als letztes besucht?
Das war eine Schau von drei jungen österreichischen Designern im „Mon Ami“. Früher ein Salon für Hunde- & Katzenpflege und heute eine Mischung aus Café, Boutique und Musikshop. Du kannst dort essen, trinken, dich amüsieren und Musik kaufen während du dir die Kollektionen von achtzehn jungen österreichischen Designern anschaust. Ich genieße die familiäre Atmosphäre dieser kleinen Modenschauen sehr!
Ich bedanke mich für die Antworten und deine Mitarbeit!


Biografie:
Christian Leitner lebt in Wien, Österreich und arbeitet als Universitätsassistent der Biotechnologie. Ein positiver Nebeneffekt seiner Arbeit an der Universität ist das viele Reisen. Es war also naheliegend, dass er mit der Fotografie anfing. Vor sechs Jahren wurde er von einer Freundin gebeten, Fotos auf einer kleinen Modenschau zu machen, an der sie als Model teilnahm.
Von diesem Moment an, fühlte er sich von der Kreativität der Designern und der Atmosphäre der Modenschauen angezogen. Danach begann er vermehrt bei Modenschauen zu fotografieren, als künstlerischer Ausgleich zu seinem wissenschaftlichen Leben. Glücklicherweise gibt es eine sehr aktive Szene junger Designer in Wien, was zu vielen kleinen Modenschauen und zu der ersten Wiener Modewoche im Herbst 2009 führte.








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