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Claude Monet Teil 2 – eine Ausstellung des Von der Heydt-Museums, Wuppertal

11 Dezember, 2009 von · Keine Kommentare

Dessislava Berndt

11. Oktober 2009 – 28. Februar 2010

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Claude Monet
Die roten Boote, Argenteuil

Normalerweise müsste man Museen in aller Welt besuchen, um sich einen Überblick über die Werke Claude Monets zu verschaffen. Seit dem 11.10.2009 und bis zum 28.02.2010 genügt eine Reise nach Wuppertal. Das Von der Heydt – Museum zeigt fast 100 Gemälde des Impressionisten, darunter nicht nur die grandiosen späten Seerosenbilder, sondern Werke aus allen Schaffensphasen Monets.

Im Teil 2 unserer Serie über die größte Monet-Ausstellung in Deutschland lesen Sie über die bedeutendsten Werke und Stationen des Malers.

Die Karikaturen

1851 bis 1856 besuchte Claude Oscar Monet eine private Schule in Le Havre, wo er u.a. bei François-Charles Ochard lernte. Mit seinen Karikaturen von Hafenarbeitern, Kapitänen, aber auch Literaten wie Champfleury, Premaray, Clairville oder Eugène Scribe erregte er erstes Aufsehen. Mit ihren großen Köpfen erinnern die Karikaturen Monets an die Zeichnungsserie „Représentants Représentés“ von Honoré Daumier. Monet konnte sie im Schaufenster eines Malerbedarfsgeschäfts ausstellen und erhielt dafür bis zu 20 Francs. Später äußerte er dazu: „Hätte ich damit weitergemacht, wäre ich heute Millionär.“

Freunde, Lehrer, Vorbilder

1858 lernte Monet den Maler Eugène Boudin kennen, der ihn in die Methode, mit Ölfarben im Freien zu malen, einführte. Er machte ihn auch mit dem Motiv der See und der Hafenansichten vertraut. 1859 besuchte Monet die Académie Suisse in Paris, wo er Camille Pissarro kennenlernte. Nach seinem Militärdienst in Algerien schrieb er sich 1862 für ein akademisches Kunststudium bei Charles Gleyre ein. Hier lernte er Auguste Renoir, Alfred Sisley und Frédéric Bazille kennen, mit welchen er in den folgenden Jahren oft in Barbizon, im Wald von Fontainebleau malte.

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Claude Monet
Pappeln an der Epte

Das Bild „Waldweg“ von 1865 zeigt, wie intensiv sich Monet mit dem Stil der „Schule von Barbizon“ auseinander setzte. Die Maler der Schule von Barbizon, darunter Corot, Daubigny, Troyon und Diaz de la Peña waren in diesen Jahren seine künstlerischen Vorbilder, daneben aber auch Eugène Delacroix und Gustave Courbet. 1862 machte er die Bekanntschaft des holländischen Malers Johan Barthold Jongkind, der ihn mit Bildern von Sonnenauf- und Sonnenuntergängen sowie nächtlichen Mondscheinszenerien beeindruckte. 1865 teilten Monet und Renoir das Atelier von Bazille in Paris. Einen ersten Erfolg hatte Monet 1866 mit seinem Bild „Camille oder Die Dame im Grünen Kleid“, das er im Salon ausstellen und verkaufen konnte.

Weiteren großen Figurenbildern blieb solcher Erfolg versagt, auch „Das Frühstück“ – Monets letztes großes Figurenbild – wurde 1870 von der Jury des Salon abgelehnt. Einige der frühen Bilder Monets erinnern in ihrem Hell-Dunkel an die Malerei Rembrandts und der alten Niederländer, doch entstanden seit ca. 1870 auch schon die ersten sonnenlichtdurchfluteten, leuchtenden Bilder Monets.

Batignolles und die hohe Zeit des Impressionismus (1870–1879)

Eduard Manet lud 1869 Claude Monet ein, mit ihm allabendlich das Café Guerbois in der Rue des Batignolles zu besuchen, wo Monet auf Cézanne, Degas, Fantin-Latour sowie die Kritiker Duranty und Emile Zola traf. Monet brachte Sisley, Bazille und Renoir mit. Die „Batignolles-Gruppe“ bildete im Wesentlichen den Kern der später so genannten „Impressionisten“.

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Claude Monet
Am Strand von Trouville

Um 1870 begann sich Monets Palette deutlich aufzuhellen, aus den nachgelassenen Schriften von Delacroix lernte er eine neue Art der Schattengestaltung und zum ersten Mal tauchte in einem seiner Bilder das Motiv der Spiegelung von Landschaften im Wasser auf. Monets Pinselstrich diente nicht mehr nur der strikten Gegenstandsbeschreibung, wurde freier, spontaner, der Gegenstand löste sich in zahllose einzelne, voneinander getrennte Farbtupfer, -flecken und -striche auf.

Vor dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 floh Monet an die normannische Küste nach Trouville, dann nach London. Dort begegnete er der Malerei Turners, Constables und Whistlers; in Paul Durand-Ruel fand er hier im Exil seinen langjährigen Galeristen. Wegen des Commune-Aufstandes kehrte Monet nach Kriegsende zunächst nicht nach Paris zurück; mit seiner Frau Camille Doncieux und seinem Sohn Jean ließ er sich vorübergehend im holländischen Zaandam nieder.

Im Dezember 1871 mietete Monet ein Haus in Argenteuil. Hier entstanden eine Fülle sommerlicher Bilder mit Badenden und Segelbooten. In seiner Malerei ging es Monet jetzt darum, den unmittelbaren Natureindruck eines flüchtigen Augenblicks festzuhalten. „Impression“ und „effet“ wurden die Schlagworte für diese neue Malerei und tauchten oft in den Bildtiteln auf; Monets Bild „Impression – Soleil levant“ veranlasste Kritiker bei einer Gruppenausstellung, in der das Bild 1874 gezeigt wurde, die ganze Gruppe als „Impressionisten“ zu verspotten.

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Claude Monet
Spaziergang bei Argenteuil

Die Serien

Das Interesse an den wechselnden, von Wetter und Licht abhängigen, Erscheinungsformen der Landschaft veranlasste Monet zu einer neuartigen Malweise, dem Malen in Bildserien. „La nature ne s’arrête pas“ [Die Natur steht nie still] war einer seiner Lieblingssätze und dementsprechend suchte Monet eine Möglichkeit, die Vielfältigkeit der Naturerscheinungen in kurzen Zeitabständen und rasch zu erfassen.

Deshalb malte er vor demselben Motiv an einem Tag gleichzeitig an mehreren Leinwänden und wiederholte diese Prozedur über Wochen, bis in den so entstandenen Bildern der „effet“ [Eindruck], den eine Landschaft zu den verschiedenen Tages- und Jahreszeiten und unter wechselnden Wetter- und Lichtbedingungen hervorruft, exakt wiedergegeben und in dieser Bildserie – mehr oder weniger – erschöpfend abgehandelt war. Diese an naturwissenschaftliche Untersuchungsmethoden erinnernde Vorgehensweise hatte vor Monet vor allem der englische Maler John Constable in zahllosen Wolkenskizzen erprobt, allerdings nicht zu großformatigen Gemälden ausformuliert.

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Claude Monet
Getreideschober im Spätsommer, Morgenstimmung

In den 80er und 90er Jahren entstanden die berühmtesten Serien Monets, die Bilder von der Belle-Île, die Ansichten des Flüsschens Creuse, die Reihe der „Meules“ [Heu- oder Getreideschober], die Serie der „Fassade der Kathedrale von Rouen“, die Bilder der Pappelreihen am Flüsschen Epte, nahe Giverny, wo Monet sich seit 1883 niedergelassen hatte. Einen Höhepunkt in diesen Serien markiert das Motiv der Brücke über den Seerosenteich, den Monet in den Jahren 1893-97 auf seinem Grundstück in Giverny hatte anlegen lassen.

Die Zeichnungen zum Seerosenteich

Dass Monet in der Lage war, sehr präzise zu zeichnen und dass es ihm gelang, in diesem Medium auch Licht und Schatten „Stimmungen“ im akademischen Sinn festzuhalten, zeigen seine Zeichnungen aus den Jugend- und Studentenjahren. Um die Ideen für seine Seerosenbilder festzuhalten und zu erläutern, reichten ihm dagegen einfache, lineare, kleinformatige Skizzen, in welchen die Verteilung der Farbfelder, heller und dunkler Partien umrisshaft festgelegt ist.

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Claude Monet
Brücke über den Seerosenteich

Gleichwohl sind die Seerosenbilder, wie alle anderen Bilder Monets, Ergebnis sorgfältiger Planung und eines Blickes auf das Sujet, die Perspektive, Massengestaltung, Flächenverteilung, Rhythmus und auch geometrische Grundmuster zu einer Komposition von unglaublicher Dichte und zwangsläufiger Logik vereinen.

Für die Seerosenbilder ließ Monet ab 1915 ein spezielles Atelier errichten, in welchem er die Riesenformate auch in ihrem Zusammenklang überprüfen konnte. Zeitweise beschäftigte Monet bis zu zehn Gärtner, die genaue Anweisung erhielten, wo die Seerosen im Teich platziert sein sollten und welche Pflanzen vom Ufer aus über den Wasserspiegel ragen durften.

Von der Heydt-Museum
Turmhof 8
D – 42103 Wuppertal
Information / Führungen:
Telefon 0202 – 563 6231
www.von-der-heydt-museum.de

Öffnungszeiten der Monet-Ausstellung:
Di + Mi: 11 – 18 Uhr
Do + Fr: 11 – 20 Uhr
Sa + So: 10 – 18 Uhr
Mo geschlossen
www.monet-ausstellung.de

Kategorien: Frontpage · Nachrichten · Visual Arts

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