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Das europäische Bild Bulgariens aus der Sicht der Bulgaren und der Europäer. Beispiele für kulturelle Kontroversen.

7 Juli, 2009 von · 2 Kommentare

Maria Endreva


Foto: donald judge

In der bulgarischen Kulturgeschichte spricht man im Allgemeinen von drei Wellen der Europäisierung Bulgariens. Die erste Welle beginnt im Jahr 865 mit der Übernahme des Christentums als Staatsreligion und stellt die Integration Bulgariens in das christliche Wertesystem Europas dar. Ende des 9. Jahrhunderts werden die Weichen für die Entwicklung einer selbstständigen bulgarischen schriftlichen Kultur gestellt.

Die zweite Welle setzt vor der Befreiung Bulgariens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an. Man orientiert sich auf die europäischen Ideale der Aufklärung im 18. Jahrhundert, wobei eine eigene bulgarische Aufklärung entsteht, die in die Geschichte als „bulgarische Wiedergeburt“ eingeht. Diese Orientierung Bulgariens dauert praktisch bis zum Zweiten Weltkrieg.

Und die dritte Welle stellt die, in den Verhandlungen für den Beitritt Bulgariens in die Europäische Union, objektivierte Politik der 90er Jahre dar, welche den Willen der Bulgaren an den Tag legt, ein Teil der europäischen Gemeinschaft zu sein.

Es fällt auf, dass diese drei Versuche, Bulgarien an Resteuropa zu nähern, je nach dem Blickwinkel des Betrachters unterschiedlich bewertet werden können. Die drei Wellen bestimmen die hohen Schichten und betreffen kaum die niedrigen kulturellen Schichten, die sich der Anpassung am Fremden wehren. Daraus entstehen die Probleme für die Integration Bulgariens in die EU und die negativ gefärbten Meinungen über die Bulgaren in Europa.

Das Wort „Europäisierung“ wird in den letzten 20 Jahren in Bulgarien häufig in der Öffentlichkeit benutzt. In diesem Vortrag wird der Begriff in der Bedeutung „Modernisierung nach westlichem Vorbild“ gebraucht. Nur die bloße Tatsache, dass man von Europäisierung spricht, bedeutet, dass Bulgarien eigentlich außerhalb Europas steht und europäisch werden soll.

Im Gegensatz zu der öffentlichen Mediensprache, die das Wort „Europäisierung“ benutzt, formulieren die bulgarische Geschichtsschreibung und die Literaturgeschichte ausdrücklich die grundsätzliche These, dass Bulgarien schon immer sowohl in geographischer, als auch in kultureller Hinsicht ein europäisches Land gewesen ist und zu dem europäischen Gedankengut einen großen Beitrag geleistet hat.

Hier kann man nach diesem kulturellen Beitrag fragen. Einen solchen kann man nicht verleugnen, aber andererseits muss man bemerken, das der Umstand, dass die bulgarische Literatur und Kultur einen nicht originären, sondern rezeptiven Charakter haben, nicht abgestritten werden kann. D.h. die bulgarische Kultur bleibt sogar in ihren Blütezeiten ausschließlich eine Translationskultur. Dies gilt mehr oder weniger auch für die restlichen europäischen, nationalen Kulturen, welche auf den geistigen Errungenschaften der griechischen Antike und des Christentums bauten.

Die großen tonangebenden Kulturen wie z. B. die byzantinische im Mittelalter und die französische, englische und deutsche in der Neuzeit aber konnten entweder direkt aus der Quelle schöpfen oder selbst solche Quellkulturen für andere werden, während die bulgarische fast immer fremde Vorlagen und Vorbilder benutzte und nur selten zu solchem Vorbild für andere wurde.

Die komplette Geschichte der repräsentativen bulgarischen Kultur ist eine Art Geschichte der Nachahmung, zuerst der byzantinischen und später der europäischen Vorbilder. So kann man sagen, dass diese an sich hohe bulgarische Kultur nach ihrem Wesen europäische Umrisse hat und des Begriffs „Europäisierung“ eigentlich nicht bedarf. Dass dieses Wort trotzdem verwendet wird, macht eine innere Spannung im Begriff „Bulgarische Kultur“ sichtbar.

Offensichtlich gibt es Kontroversen zwischen der hohen, nach dem europäischen Muster konzipierten Kultur und einer anderen, mit der ersten nicht identischen, nichtrepräsentativen, volkstümlichen Kultur. Diese ist tief in der bulgarischen Bevölkerung verwurzelt und macht das nichteuropäische Bild Bulgariens aus. Die Wechselspiele zwischen diesen zwei Schichten, hier als repräsentative und volkstümliche Kultur bezeichnet, sind kompliziert. Die Beziehung zum Fremden wird von ihnen zum größten Teil bestimmt und sie prägen die unterschiedliche Sichtweise der Europäer und der Bulgaren auf das bulgarische Wesen.

Im Folgenden einige Beispiele wie sich diese zwei verschiedenen Schichten in der bulgarischen Kultur zueinander verhalten.

Zuerst das so genannte repräsentative Kulturbild: Bulgarien, wie jedes andere Land auf dem Balkan hat eine patriotisch orientierte Geschichtsschreibung. Dort akzentuiert man auf die lichtesten Seiten der politischen Geschichte des Landes, wobei an erster Stelle sich das sogenannte „Goldene Zeitalter der bulgarischen Kultur“ hervortut, das mit der Regierung von Simeon dem Großen (893 – 927) zusammenfällt.

Die Akzente in den Lehrbüchern z.B. fallen auf das Werk der ersten Schüler von Kyrill und Method und auf das auf bulgarischem Boden entstandenen Schrifttum, welches eine wichtige Rolle für die Behauptung Bulgariens als selbständigen, kulturell unabhängigen Staat im Rahmen Europas spielte.

Die Übernahme des slawischen Alphabets garantierte einerseits die Unabhängigkeit von den assimilatorischen Einflüssen von Byzanz und Westeuropa und eröffnete andererseits die Möglichkeit für eine kulturelle Expansion in die noch nicht christianisierten slawischen Länder.

Diese relative Selbständigkeit des bulgarischen Kulturbereichs gibt neben dem großen politischen Aufschwung im ersten Viertel des 10. Jahrhunderts, den größten Grund zum nationalen Stolz auch im heutigen Bulgarien und lässt eine unter der bulgarischen Bevölkerung sehr verbreitete These aufkommen, dass die Bulgaren immer vollwertige Europäer waren, die nicht nur ihren Nachbarn in nichts nachstanden, sondern sie sogar in vielem übertrafen.

Dass dies die Zeit war, wo Bulgarien sich zum Vorbild für andere Völker verwandelt hat, ist nicht zu verleugnen. Man muss aber sagen, dass es fast der einzige Fall für so eine, wenn auch aus zweiter Hand, expansive Kulturpolitik in der bulgarischen Geschichte war. Gerade aus diesem Grund dient diese Blütezeit der bulgarischen Kultur im 10. Jahrhundert für unsere Landsleute selbst 10 Jahrhunderte später als Anlass für alle möglichen nationalistischen Botschaften.

Wie groß die Bulgaren waren, kann man heutzutage in Bulgarien ziemlich oft, meistens in nationalistisch gesinnten Sendungen in bulgarienweit ausgestrahlten Fernsehkanälen von Journalisten, Pseudo-Wissenschaftlern oder von populistisch orientierten Politikern hören. Hier führt man fast immer Beispiele nach dem Motto an: „Auch wir haben der Welt etwas gegeben“ oder sogar „Während wir eine hohe Kultur auf die eigene Sprache besaßen, sprachen die Westler noch mit den Pferden auf der ihrigen“.

Diese Periode, der heroischen politischen Taten und kulturellen Größe, bildet im bulgarischen Nationalismus, zusammen mit einigen bulgarischen Erfolgen, auf dem Schlachtfeld das inhaltliche Zentrum für die ideologisch fundierte These, dass die Bulgaren immer die Ersten in der Region waren und weiterhin die Ersten sein werden. Diese These kann dem Werk von Paisij Hilendarski Slawenbulgarische Geschichte, geschrieben 1762, entnommen werden. Nicht zufällig bildet die Geschichte von Paisij die Grundlage für die Entstehung des bulgarischen Nationalismus.

Bei der Gestaltung des positiven Bildes Bulgariens in der Zeit der Wiedergeburt wurde man zwangsweise auch mit der Zurückgebliebenheit der Bulgaren im Vergleich zu den anderen Europäern und sogar zu den Nachbarnvölkern konfrontiert. So versucht Paisij die bulgarische Zurückgebliebenheit, die mit dem fünfhundertjährigen osmanischen Joch erklärt wird, als eine Tugend darzustellen.

Die Ideologen der bulgarischen Literatur und Geschichte wie Ivan Vazov haben ihre Werke eher auf den biblischen Satz „Die Letzten werden die Ersten sein“ ausgerichtet. Die Bulgaren sind nach Paisij und für die anderen bulgarischen Autoren zwar einfache, ungebildete und unkultivierte Bauern, die aber große Tugenden wie Reinherzigkeit, Ehrlichkeit und Arbeitsamkeit besitzen, und aus diesem Grund Gott lieber sind als alle anderen gebildeten, schlauen und hinterlistigen Völker. Diese Auffassung von der inneren Schönheit der sonst unscheinbaren Bulgaren ist in fast allen Beschreibungen des Bauernlebens bei Autoren wie Ivan Vazov, Jordan Jovkov, Elin Pelin und anderen zu finden.

Andererseits existiert auch das Bewusstsein für die balkanisch, unkultivierte Wesensart des Bulgaren, die einen Ausdruck im literarischen Helden Baj Ganjo findet. Baj Ganjo von Aleko Konstantinov ist ein Held, der die Kehrseite des Bulgarischen präsentiert und die bulgarische Kultur in ihren unteren, nichtrepräsentativen Schichten zeigt.

Die Literatur hat er längst verlassen, um in die Volkskultur der Witze als „der Bulgare“ einzugehen. Er ist arrogant, unerzogen, bald naiv, bald schlau oder hinterlistig, einzig auf den praktischen Nutzen bedacht und fern von hohen Idealen oder romantischen Vorstellungen. Seine Denkweise, Verhaltensweise und Umgangsformen kontrastieren mit denen der Europäer und werden als typisch für den Balkan bezeichnet. Baj Ganjo ist auf keinen Fall der Held, mit dem sich die Bulgaren gerne identifizieren, obwohl in den verschiedenen Epochen der bulgarischen Literatur seine Gestalt unterschiedlich gedeutet wurde.

Tatsache ist, dass bei dem Durchschnittsbulgaren sowohl die Lehrsätze der offiziellen, nationalen Doktrin als auch die Gestalt vom unerzogenen und arroganten, balkanischen Typ tief verwurzelt sind. In jedem Bulgaren besteht meines Erachtens ein unversöhnlicher Widerstreit zwischen diesen beiden Bildern des Bulgarischen. Aber wo ist das eigentliche Problem?

Ein Konflikt entsteht meistens bei dem Zusammenstoß mit dem Fremden und zwar, weil die Bulgaren nach außen hin nur dieses verschönerte, nach europäischem Muster geschneiderte Bild zeigen und das andere nichteuropäische in ihrem Inneren, für sich behalten möchten. Das heißt, dass die Bulgaren sich selbst nicht ganz als Europäer empfinden, aber sehr darauf bestehen, dass die Anderen sie als Europäer anerkennen. Um diese These zu unterstützen, möchte ich einige Beispiele anführen.

Der dänische Abgeordnete im Europa-Parlament Mogens Kamre hat seine Unzufriedenheit mit dem Umstand bekundet, dass Länder wie Bulgarien und Rumänien mehr Stimmen als Dänemark und die skandinavischen Länder im Europa-Parlament haben.

Eine Ungerechtigkeit sieht der Däne darin, dass die Menschen in diesen nordeuropäischen Ländern eigentlich intelligenter und klüger seien als Bulgaren und Rumänen. Für ihn ist es nicht in Ordnung, dass Völker, die keine gesunden Gesellschaften gegründet haben und dermaßen rückschrittlich und antireformistisch sind, einen so großen Einfluss in Europa haben*.

Der Däne gibt keine Argumente für seine Aussagen, er geht mit stereotypen Vorstellungen von den beiden Völkern um, die in Westeuropa offenbar weit verbreitet sind. Diese Aussage kontrastiert mit den in der bulgarischen Gesellschaft sehr populären Thesen, dass die Bulgaren unter den klügsten Völkern in der Welt einzureihen sind. In meiner Kindheit hörte ich immer wieder die Aussage, dass das bulgarische Volk nach den Juden das intelligenteste auf der Welt ist.

Dass die Bulgaren primitiver als die anderen europäischen Völker sind, hörte man von auswärts auch 2004-2005, als eine öffentliche Diskussion wegen einer durch die EU erforderten Änderung in der bulgarischen Verfassung ausgelöst wurde. Es handelte sich um den Erwerb von bulgarischem Land durch Ausländer. Diese Änderung in der Verfassung, nach der Ausländer Eigentümer von Immobilien in Bulgarien ab 2014 werden können, löste heftige Debatten in der Gesellschaft aus, die vor allem eines zeigten: Das eigene Land ist das einzige, was wir mit Sicherheit haben, was uns mit unseren Vorfahren und mit unseren Nachkommen verbindet.

Bei einer genaueren Beobachtung kann man die Entstehung einer ganzen Mythologie in der bulgarischen Kultur verfolgen, welche das Land sakralisiert. Das heilige Land unserer Väter ist nicht zu verkaufen, das würde unsere Identität, Sicherheit und sogar unseren Staat gefährden – das waren ein Teil der Slogans in der Presse. Diese Gebundenheit an der Erdscholle, die in den modernen westlichen Gesellschaften längst als primitiv und obsolet betrachtet wird, ist in Bulgarien immer noch ein Teil der nationalen Ideologie.

Natürlich gab es auch Aussagen in diesen Debatten, welche für die Änderung des Gesetzes waren (sie wurden meistens von Intellektuellen oder von Vertretern der Wirtschaft geäußert), aber solche Äußerungen können in der nahen Zukunft kaum mit der nationalen Ideologie in Einklang gebracht werden.

Sehr typisch für den Zwiespalt der bulgarischen Einstellung zum Eigenen waren die Reaktionen auf die Ausstellung in Brüssel, die Bulgarien als türkische Toilette dargestellt zeigte. Wie schon weiter oben ausgeführt wurde, ist die bulgarische Kultur im Großen und Ganzen eine rezeptive Kultur. Die besten Werke der repräsentativen bulgarischen Kultur sind also für die Westeuropäer als Repliken von ihrer Kultur nicht besonders attraktiv. Sie betrachten die bulgarische Kunst und Literatur als eine Art Nachahmung und in vielen Fällen sogar als eine schlecht ausgeführte Verwirklichung von westlichen Ideen und sind durch diese „hohe“ Kultur nicht zu beeindrucken.

Was sie als original bulgarisch finden oder empfinden, stimmt mit der niedrigen, volkstümlichen Kultur überein. Und wenn es ein Problem im kulturellen Dialog zwischen Bulgarien und Europa gibt, dann hängt es mit dem Umstand zusammen, dass die Bulgaren ihre europäisch geprägte Vorzeigekultur zeigen wollen, die Europäer dagegen das balkanesische Bild als viel authentischer wahrnehmen und dieses viel mehr als bulgarisch anerkennen.

Wenn der tschechische Künstler David Cerny eine Provokation mit seinem Werk „Entropa“ erzielte, indem er sich mit den negativen Bildern einer jeden Nation auseinandersetzte, so hatte diese Provokation nirgendwo in Europa solche Reaktionen veranlasst wie in Bulgarien. In Bulgarien gab es einen Aufschrei, dass die Darstellung so beleidigend und ungerecht sei.

Die primitive Toilette als Sinnbild des orientalisch wirkenden Bulgariens wird als ein ungerechtes Bild des Bulgarischen wahrgenommen, weil dies der, von der hohen Kultur etablierten, europäischen Gestalt widerspricht. Und zwar nicht, weil es diese Toiletten nicht gibt, sondern weil wir auch etwas anderes, wertvolleres geschaffen haben, was nicht bemerkt wurde. Diese sind zusammenfassend die Schlüsse, wenn man die Internetforen über das Thema liest. Der Künstler musste sich in den bulgarischen Medien entschuldigen, aber seine Fassungslosigkeit wegen der bulgarischen Reaktionen, konnte dem Leser oder Zuschauer dieser Entschuldigung nicht entgehen.

Ob diese künstlerische Darstellung gerecht oder ungerecht ist, kann ich hier nicht entscheiden, aber ich bin sicher, dass die mangelnde Fähigkeit der Bulgaren zur Selbstkritik und Selbstironie, die aus der steifen, nationalen Ideologie kommt, welche ihrerseits auf längst vergangenen Zeiten basiert und mit nicht immer eigenen Bildern umgeht, zu weiteren Skandalen dieser Art führen wird. Eines steht für mich fest, man wird von der Europäisierung Bulgariens reden, bis diese zwei verschiedenen Bilder des Bulgarischen nicht versöhnt werden, bis der Bulgare aufhört, das eine Bild heimlich bei sich zu behalten, während er das andere den Europäern aufdrängt.

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*Vgl. News.bg 14. 05. 2009 http://news.ibox.bg/news/id_647334786


Foto: Nicolai Bangsgaard

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Verwendete Literatur:

Пелева, Инна: Идеологът на нацията. Думи за Вазов. Пловдив 1996
01. 12. 2004 Вълканов, В. Долу ръцете от земята на България! http://www.bas-bg.org/zemia.html
3.11.2006 Вестник Атака, http://www.vestnikataka.com/?module=displaystory&story_id=21721&edition_id=331&format=html
09.12.2006, Вестник Атака, Продажбата на земя на чужденци застрашава целостта на територията http://www.vestnikataka.com/?module=displaystory&story_id=23744&edition_id=365&format=html
15. 01. 2009 Провокаторът Давид Черни http://www.monitor.bg/article?id=184413

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2 Kommentare bis jetzt ↓

  • Sofka Slavova // 12 Jan, 2012 //

    Мария, прочетох статията ти. Харесва ми. А дали са я прочели хора, които биха могли да въздействат върху глупаво-умните, мързеливо-работните и т.н., според мене овчомислещи, българи и върху онези, които са безкрайно заблудени за интелектуалното си ниво /живеещи в къщи без канализация и на кокоши крака, върху дървени трупи селяни напр. в специална Швейцария; или пък безумно умните и способни западняци, които много умеят да държат вестник в ръце, с покачени с обувки крака върху масата във всекидневната с блуждаещ поглед между страниците и тв шоуто/…

  • Sylvia // 16 Nov, 2012 //

    Da ich nun 12 Jahre in Bulgarien lebe, als Westdeutsche, kann ich sicher etwas über diesen Artikel sagen.

    Zu 100% richtig!

    Bulgaren halten sich für sehr talentiert, gebildet und intelligent.

    Sitzen im Jogginganzug in dem auch geschlafen wurde am Tisch, beim dritten Wasserglas Raki und erklären einem Ausländer, wie die Welt funktioniert.

    Ich spreche inzwischen recht gut Bulgarisch und werde sogar des öfteren für eine Bulgarin gehalten. Bulgaren die in Deutschland leben oder lebten, 10 oder gar 20 Jahre, sind der Ansicht, alles über mein Heimatland zu wissen. Sprechen aber ein eher schlechtes Deutsch. Was einen Bulgaren in keinster Weise daran hindert zu verkünden, wie perfekt er Deutsch kann.
    Wer es wagt dies anzuzweifeln oder etwas zu korrigieren, erntet böses Blut. Umgekehrt jedoch, wird man als Ausländer, bei einem Versprecher, umgehend zurecht gewiesen oder sogar herzlich ausgelacht. Andererseits, erklären einem Bulgaren immer wieder, dass Ihre Sprache die schwerste der Welt wäre. :D Was ich innerlich bestreite :D

    Ein guter Freund, der nun seit 7 Jahren in Deutschland lebt und keine 10 Sätze zusammen bekommt, kritisiert mich jedesmal am Telefon und meint, inzwischen musst Du doch so sprechen können wie wir. Wenn ich dann sage, wir können auch auf Deutsch sprechen, sagt er, “Nein, ich kann nicht so gut Deutsch” den Widerspruch bemerkt er nicht.

    Eine Freundin ” Bulgarin” seit 20 Jahren mit einem Deutschen verheiratet und lebte 16 Jahre in Deutschland. Ihr Deutsch ist nach wie vor nicht korrekt und Sie kritisiert permanent Ihren Mann, dass er mit seinen 60 Jahren nun seit 2 Jahren in Bulgarien lebend mit Ihr un dem Sohn, gefälligst besser Bulgarisch können sollte. Schließlich sei er ja schon 2 Jahre hier.

    Der gemeinsame Sohn 17 Jahre alt, spricht gebrochen Deutsch und kennt viele Worte gar nicht erst. Wuchs aber in Deutschland auf.
    Warum? Weil die Mutter der Ansicht ist, der Sohn spricht perfekt, ebenso wie ja auch Sie gutes Deutsch!!

    Das er aber “Die Auto” sagt und “Die Mond” “Die Tisch” um nur ein kleines Beispiel zu nennen. Wird nicht mal zugegeben, wenn man es Ihr sagt.

    Aber wehe ich vertue mich mit einem “Der” “Die” “Das” bzw. ein-einer-eine

    Warum “Die” weil dies im bulgarischen, weibliche Artikel sind.
    Exakt mit diesem tue ich mich umgekehrt auch manchmal noch schwer. Mich kritisiert meine Freundin dafür wo es geht und vor jedem Menschen, sogar lautstark in der Öffentlichkeit.

    In den täglichen Nachrichten ist Propaganda nach wie vor dominant. Auch die Werbung ist davon noch geprägt. Die Geschichte des Landes und die schöne Natur Bulgariens wird in allen Tönen gelobt.

    Auf das “Heute” kaum geachtet. Man schaut vor allem gerne zurück und da nur auf goldene Geschichten. Lobt sich selbst als Person gleich mit, für Dinge die 2000 Jahre zurückliegen.

    Die Gastfreundschaft der Bulgaren: Ja es stimmt, Bulgaren feiern gerne und sitzen oft und lange zusammen. Der Tisch mit Essen und Getränken beladen. Feiern können die Bulgaren.

    Doch macht dies ein Volk tatsächlich großzügig? Sicher kommt es da auf den Blickwinkel an.

    Denn ein Bulgare gibt meist nur solange wie er kalkulieren kann, dass er auch in etwas dies was er gibt, wieder erhält.

    Selbstlos sind Bulgaren nicht.
    Wen Sie in einem Restaurant zum Essen einladen, bestellt der Gastgeber gerne für die Gäste oder zumindest beginnt er massiv Vorschläge zu machen. Meist sind das Salate und Köfte ” Frikadellen” Brot und klar an viel zu Trinken mangelt es nie.

    Ich erlebe oft, dass Bulgaren sich am Nachbartisch streiten, wer wen einladen will. Klingt eigentlich sehr nett. Doch wer dann verfolgt warum, muss lachen.

    Ab dem Moment wo klar ist, wer die Rechnung bezahlt, werden dem, der eingeladen ist, aus der Speisekarte Vorschläge gemacht. So ist der “Eingeladene” in seiner Entscheidung immer ein wenig eingeschränkt. Klar will da im Grunde dann jeder doch lieber seine Rechnung zahlen, um frei auswählen können, was er isst und trinkt. :D

    Da ich Ausländer bin kann ich dies nur aus meiner Sicht sagen, doch kommt es immer wieder vor, dass man fragt. “Brauchst Du das noch” Hast Du Dies oder Das!” Man nimmt gerne!! Ein kleiner Gefallen eines Bulgaren, wird jedoch sehr hochgespielt. Selbst wenn man es bezahlt, oder zum Dank etwas schenkt.

    Oft habe ich den Eindruck, dass Bulgaren einen Gefallen zwar gerne erledigen, aber im Gegenzug stets lebenslange Dankbarkeit erwarten.

    Bei handwerklichen Tätigkeiten, muss man darauf achten, dass einem die Dinge nicht “versehentlich” vom Helfenden eingepackt werden. Oder man merkt irgendwann, dass die neue teure Zange die man hatte, plötzlich sehr gealtert ist und nicht wieder zu erkennen. Sprich “ausgetauscht” wurde. Versehentlich!! :D

    Wir haben in all den Jahren viel geholfen, gegeben und verschenkt. Doch bis heute erwartet man das auch von uns. Innere Freude darüber kann man nicht erwarten. Im Gegenteil, Bulgaren betonen zu jedem möglichen Anlass, was Sie alles für einen getan hätten.

    Ein Beispiel: Ich hatte mein Anlasserkabel verliehen, brauchte im Winter Starthilfe, rief den Bulgaren an und bat um mein Kabel. Er kam auch sofort!! Wagen sprang an, mein Kabel wurde wieder eingepackt in seinen Wagen!! Ein paar Wochen später wird man auch angerufen um zu helfen. Kein Problem, man hat sich verkalkuliert und es ist das gas im Tank des PKW ausgegangen. Auch wir sind dann sofort zu Stelle und schleppen ab. Unser Abschleppkabel landet dann im anderen PKW! :D Zufällig versteht sich.

    Wenn man Bulgaren dann anspricht und um Rückgabe bittet, dann hat man den Salat. Es wird so getan, als hätte man unterstellt, dass Sie etwas hätten stehlen wollen. Man ist also beleidigt.

    Lange beleidigt sind Bulgaren aber nie. Außer man würde es nun noch wagen, nach der Zange und dem Starterkabel auch zu fragen. :D

    Man mag uns Deutsche und achtet uns. Wundert sich aber in Bulgarien bis heute darüber, wie man als Deutscher freiwillig in Bulgarien lebt. Das Bulgaren damit Ihr eigenes Land schlecht machen, merken Sie nicht. Überhaupt finden Bulgaren in Bulgarien vieles schlecht und nicht lebenswert. Diese Kritik und Jammern ist etwas was zum Leben gehört. Doch als Ausländer sollte man sich hüten, so etwas auch zu machen. Wehe man sagt über Bulgaren oder Bulgarien als Land ein schlechtes Wort. Dann bekommt man schnell zu hören, dann hau doch ab, wir brauchen Euch hier nicht.

    Ja Bulgaren sind zwiegespalten. Aber welche Mutter möchte schon Kritik zum eigenen Kind hören, aus einem fremden Mund. Sich beklagen ist eben was anderes.

    Als vor kurzen der Fallschirmsprung aus 39km Höhe alle Rekorde brach, gab es im TV tagelang Berichte.
    Berichte darüber, wer die Idee zuerst hatte. Wer? Klar! Die Bulgaren!! Es wurde verkündet, dass die Idee einem Bulgaren gestohlen wurde. Es wurde in Berichten im TV stundenlang gezeigt, wer die ersten Fallschrimspringer und BESTEN der Welt waren. Natürlich waren das die Bulgaren.

    Auch ohne Bulgaren hätten wir keinen Computer, den hat ein Bulgare erfunden und wurde ermordet, um seine Idee zu klauen. Ich höre diese Geschichte seit ich hier lebe mindestens 2 mal die Woche, auch von Kleinkindern. Die Kinder schon erklären, wie ungerecht die Welt mit den Bulgaren ist, dem intelligentesten Volk der Welt.

    Eines muss ich aber sagen, Bulgaren sind nicht streitsüchtig und eher nachgiebig. Trotz all diesen Unterschieden mag ich das Land.
    Doch wie in jedem Land der Welt, hat auch dieses Land eben seine Eigenheiten. Solange man damit klar kommt lebt man hier sogar sehr gut.

    LG
    Sylvia

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