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Das östliche Europa

16 April, 2013 von · Keine Kommentare

(Fremd-?)Bilder im Diskurs des 18. Jahrhunderts

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Foto: Fastmind

Im Rahmen der Konferenz „Das östliche Europa: (Fremd-?)Bilder im Diskurs des 18. Jahrhunderts“ sollen angesichts der vielfachen „turns“ in den historisch ausgerichteten Kulturwissenschaften während der letzten Jahr(zehnt)e zwei in näheren Augenschein genommen werden: Der postkoloniale und der piktorale, anhand derer die Idee des von der Aufklärung „erfundenen Osteuropa“ nach Larry Wolff überprüft werden soll.

(Bild-)Sprache und Ort bzw. ihre Konnotation zueinander sind dabei im polylingualen und -konfessionellen Kontext des östlichen Europa zentral; Ort und örtliche Unangebrachtheit werden auch hier zu zentralen Bestimmungsmerkmalen (post)kolonialer Narrative.

Jedenfalls liegt dem sprachlichen und bildlichen Verhältnis zwischen Zentrum und Peripherie in Bezug auf das östliche Europa eine grundlegende definitorische Grundlage zugrunde, nämlich die der Differenz, die ihrerseits Identität konstituiert.

Fremdes wurde stereotyp disqualifiziert, das Eigene überhöht und so als System bestätigt. Derartige durch Machtstrukturen verkappte Differenzen sollen im Rahmen der Konferenz aufgespürt – und weiterführend dekonstruiert – werden.

Die internationale Zusammensetzung der Konferenz bildet eine wichtige Grundlage für Austausch und kritische Hinterfragung von Forschungsansätzen der verschiedenen europäischen Länder und Wissenschaftsinstitutionen. Gleichzeitig ist damit die Reflexion etablierter Schemata möglich, die durch die Interdisziplinarität der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und ihrer Profile verstärkt wird.

Es wurde bewusst aus einer großen Bandbreite an akademischen Generationen von Doktorandinnen und Doktoranden bis hin zu Habilitierten geschöpft, denn mit der projektierten Konferenz soll Nachwuchsförderung ebenso betrieben werden wie thematische und disziplinäre Neuvernetzung. Alle Beiträge werden vor allem folgende beide Forschungsfragen verfolgen:

– Gibt es ein standardisiertes, kanonisiertes Repertoire von Bildern im weiteren Sinne zur Darstellung der West-Ost-Dichotomie? Wie sieht dieses aus, mit welchen Mitteln wird es wie effizient eingesetzt?

– Sind die verwendeten Bilder einem kolonialen Muster von Zentrum und Peripherie einzuschreiben? Welche Phasenverschiebungen und Langzeitwirkungen sind in diesem Sinn feststellbar?

Eine Veröffentlichung der Konferenz-Ergebnisse in Form eines Sammelbandes ist geplant.

Veranstalter: Prof. Christoph, Augustynowicz Universität Wien; Dr. Agnieszka Pufelska, Universität Potsdam
Datum, Ort: 16.05.2013-18.05.2013, Wien


Programm

Donnerstag, 16. Mai (Institut für Osteuropäische Geschichte)
19.00: Begrüßung (Christoph Augustynowicz, Agnieszka Pufelska)
19.30: Wolfgang Schmale (Wien): Das östliche Europa: (Fremd-?)Bilder im Diskurs des 18. Jahrhunderts. Eine Keynote
Anschließend Buffet

Freitag, 17. Mai (Alte Kapelle)
Panel I: Bewegen – Kommunizieren – Bewahren: Praktiken und Medien der Bildproduktion (Chair Marija Wakounig)
9.00: Klemens Kaps (Sevilla): Die Habsburgermonarchie im kapitalistischen Weltsystem: Bild- und Imageproduktion(en) zwischen den Wendejahren 1718 und 1789
9.20: Hagen Schaub (Wien): „Was soll der vernünftige Ausländer von unserer Ausrottung der Vorurtheile, von unserer Verbesserung des Religionswesens halten?“ Die ‘Schau’ um den 1786 in Wien ausgestellten unverwesten Leichnam der Magdalena von Walterskirchen – ‘östliche’ Bildungsmisere oder Beleg für eine europäische Mumifizierungstradition?
9.40: Bernhard Struck (St. Andrews): Einblicke in die Provinz oder ‘Osteuropa’ zwischen Riga und Bordeaux. Wahrnehmungsmuster, ‘mental maps’ und das ‘Andere’ in europäischer Reiseliteratur des späten 18. Jahrhunderts
10.00: Diskussion

10.20: Kaffeepause

Panel II: „Preußische“ Blicke auf das östliche Europa (Chair Christoph Augustynowicz)
10.40: Agnieszka Pufelska (Potsdam): Bilder, die nicht vergehen wollen: Preußens Blick auf Osteuropa im 18. Jahrhundert
11.00: Tilman Plath (Greifswald): „Die Vermessung der Neva“ – Deutsche Gelehrte und der Beginn der statistischen Erfassung des russländischen Außenhandels zum Ende des 18. Jahrhunderts
11.20: Amelia-Liliana Vaidean (Cluj): Preussische Wahrnehmungsmodelle im Hinblick auf das Fürstentum Moldau und seine Bewohner (1774-1812)
11.40 Diskussion

12.00: Mittagspause

Panel III: Bildproduktion und Raumprojektion: Ungarisches und russländisches Paradigma (Chair Agnieszka Pufelska)
14.00: Meinolf Arens (München/Wien): Die Moldauer Katholiken und Ungarn im 18. Jahrhundert aus westlicher Wahrnehmung
14.20: Robert Born (Leipzig): Siebenbürgische Kostümbücher: Ethnologie oder Politik?
14.40: Marija Wakounig (Wien): Sigismund von Herbersteins Moscovia im 18. Jahrhundert: Brüche und Kontinuitäten in der Perzeption
15.00: Kerstin Jobst (Wien): Die Krim: Subjekt oder Objekt russländisch-imperialer Image-Produktion im 18. Jahrhundert
15.20: Diskussion

19.00: Abendessen

Samstag, 18. Mai (Alte Kapelle)
Panel IV: Verkörperer von Wende und Hybridität: Beispiele von individuellen Akteuren (Chair Kerstin Jobst)
10.00: Iskra Schwarcz (Wien): Das Bild Peters des Großen im Westen
10.20: Magdalena Andrae (Wien): Kultureller Abstand und die Petrinische Wende
10.40: Agnieszka Dudek (Wien): Das Leben und Werk Johann Leopold Scherschniks als ein Beispiel der Teschener Hybridität
11.00: Diskussion

11.20: Kaffeepause

Panel V: Das Fremde im Eigenen. Polen-Litauen und sein Bildtransfer (Chair Iskra Schwarcz)
11.40: Christoph Augustynowicz (Wien): Bildproduktionen an der Peripherie. Der Fall der kleinpolnischen Stadt Sandomierz
12.00: Dariusz Dolański (Zielona Góra): Das Russlandbild in Polen – eine Rezeption auf westlichen Umwegen
12.20: Róisín Healy (Galway): Polen als Vorbild im Irland des späten 18. Jahrhunderts
12.40: Diskussion

13.00: Mittagspause

14.30: Zusammenfassung (Augustynowicz, Pufelska) und Abschlussdiskussion

19.00: Heurigen

Sonntag, 19. Mai
Abreise

Kontakt:
Agnieszka Pufelska
Universität Potsdam
Am Neuen Palais 10
pufelska(at)uni-potsdam.de

Quelle: “JOE” (Junge Osteuropa Experten)

Kategorien: Frontpage · Nachrichten

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