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Das Porträt von Elena Peteva

27 Februar, 2009 von · Keine Kommentare

Ein Interview von Yassen Vassilev mit der Künstlerin Elena Peteva

Übersetzung: Antina Zlatkova

Elena PetevaElena Peteva wurde 1978 in Sofia geboren. Seit 13 Jahren lebt und arbeitet sie in den USA. Sie studierte an der Interlochen Arts Academy, in den privaten Studios von Odd Nerdrum in Norwegen und Bo Bartlett in Pennsylvania, sowie an der Pennsylvania Academy of the Fine Arts in Philadelphia (1999-2004). Elena erreichte ihren Abschluss in Malerei an der Syracuse University, Sirakyuz, New York im Jahr 2007.

Den internationalen Preis für bildende Kunst von Greenshields Foundation bekam sie drei Mal verliehen – in den Jahren 1997, 2000 und 2005.

Seit 2003 wird ihre Arbeit in der “Artists’ House Gallery” in Philadelphia präsentiert. Ihre Werke wurden im „Schweinfurth Memorial Art Center” und im “Arnot Art Museum” in New York ausgestellt.

Von September bis November 2008 nahm Elena an einer Ausstellung im Fort Wayne Museum of Art, Indiana teil: der Contemporary American Realism: 2008 Biennial. Einer der Top-Kunst Kritiker in den USA, Donald Kuspit, schrieb einen Aufsatz über ihren Katalog.


Elena Peteva

Elena Peteva meint, die besten Ideen kommen, wenn man sie sprachlich entwickelt. Deshalb führte Yassen Vasilev dieses Interview mit ihr während sie sein Porträt malte:

Über die Kunstströmungen:

Die meisten meiner Werke bezeichnet man als Naturalismus. Meiner Meinung nach ist diese Bezeichnung treffender als „Surrealismus“ oder „Abstrakte Kunst“. Die Beziehung des Betrachters zu dem Werk ist das wichtigste. Für ihn ist es einfacher sich mit einem realistischen statt mit einem „fantastischen“ Bild zu identifizieren.

Dies bedeutet nicht, dass die Idee im Hintergrund bleiben soll. Im Naturalismus wird sie noch stärker zum Ausdruck gebracht. Surrealismus ist vielleicht auf den ersten Blick interessanter, allerdings geht dabei die Ehrlichkeit verloren.

Der Surrealismus sichert Freiheit, was aber ist nicht immer das Beste für ein Bild ist. Man braucht die Realität, um sie als Grundlage zur Vertiefung einer Idee zu nutzen. Meine Bilder sind keine Kopie der Realität – ich benutze die Realität für meine eigenen Zwecke.

Elena Peteva
The King

Über die technische Ausführung:

Beim Naturalismus darf man sich nicht ausschließlich auf seine Phantasie verlassen, sondern muss eine gute persönliche Technik entwickeln, was nicht immer einfach ist. Es ist viel leichter, dein Porträt zu malen, wenn ich dein Gesicht sehe. Am besten ist es, die objektive Vision und die subjektive Wahrnehmung zu kombinieren.
Mir gefällt die Arbeit mit menschlichen Figuren und Gesichtern, aber meine Bilder sind keine Porträts. Sie sind der Ausdruck meiner Ideen.

Ich versuche immer die persönliche Geschichte des Menschen zu zeigen.
Es klingt stereotypisch, aber alle Erfahrungen – gute und schlechte – stehen dem Menschen ins Gesicht geschrieben. Man kann diese Lebenserfahrungen „lesen”. Deshalb ist es schwierig mit Jugendlichen zu arbeiten. Auf ihren Gesichter gibt es keine lange Erfahrungsgeschichte, die ich darstellen kann.

Pope
Church and State I

Über den Naturalismus, das Theater und Lieblingsschöpfer

Der Naturalismus ähnelt dem Theater sehr – die Akteure sind echt und verkörpern die Helden. Ähnlich ist es mit realen Dingen, die ich male – sie äußern, was ich sagen will.
Phantasie kann ohne natürliche Elemente keine feste Verbindung mit dem Betrachter herstellen, egal wie stark die Idee ist. Eine Animation z.B. kann eine starke Wirkung haben, voller Phantasie sein, aber niemals die Kraft des Theaters oder eines Films haben.

Eine Animation kann einen nicht zum Weinen bringen. Meine Intention ist, etwas Ähnliches wie das Theater mit meinen Bildern zu machen.
Verstehen sie mich nicht falsch – mir gefällt Phantasie – Hieronymus Bosch z.B. hat wunderbare Ideen, aber sie werden niemals die geistige Kraft und menschliche Tiefe von Rembrand haben; Tiefe, die nur die starken Realisten besitzen – Velázquez, Karavaggio, Tizian – die nehmen das Menschliche gefangen. Das ist für mich das Stärkste.

The Child
The Child

Über Inspiration, die Ideen und die Wirkung

Die Inspiration kommt sehr oft vom Alltagsgeschehen – manchmal etwas, das erlebt wurde, beobachtet wurde oder etwas, dass in der Geschichte gesehen wird. En attendant Godot (Warten auf Godot) von Samuel Becket ist ein solches Werk mit dem ich sehr starke Gefühle verbinde. Oder die Shakespeare-Tragödie Titus Andronicus mit Anthony Hopkins.

Die Themenwahl ändert sich, aber früher oder später kommen die alten Bilder und Motive wieder zurück. Ich denke, dass es bei allen Schöpfern so ist – die Ideen kommen nicht wie ein Déjá-Vu, sondern fortgeführt wieder.

The Blind
The Blind

Über den Schöpfer und den Betrachter

Ich hatte immer Angst, dass meine Bilder Illustrationen werden. Es gibt viele Gemeinsamkeiten zwischen der Illustration und der Malerei. Vielen Menschen gefällt die Trennung nicht, aber es gibt diese Unterschiede. Ein Bild funktioniert immer mit Text, es gibt alle Antworten und nimmt Schöpfer und Betrachter Freiheiten. Die Malerei gibt ihm genau diese Freiheiten – die Lösungen werden nicht mitgeliefert, sondern der Beobachter muss das Werk interpretieren.

Mit einem Motiv kann man auf verschiedene Weise beeinflussen – man kann Emotionen erwecken, man sollte allerdings keine Assoziationen aufdiktieren, sondern das Publikum führen, so dass es selbst die Idee verstehen kann.

Es ist natürlich wichtig zu wissen, wie viel dem Zuschauer mitgegeben wird. Wird ihm nicht genug gesagt, riskiert der Künstler, dass er nicht verstanden wird. Hier kommt die aktuelle Frage auf, ob der Beobachter bei der Schöpfung eines Kunstwerkes wirklich wichtig ist, oder ob der Künstler für sich selbst schöpft.

Eine richtige Antwort gibt es nicht. Die Bilder werden sowieso betrachtet, man schließt sie nicht in seinem Kleiderschrank ein. Es ist menschlich, sich ausdrücken zu wollen; die Befriedigung kommt, wenn man verstanden wird.

Izlojba na Elena Peteva

Über ihre eigene Werke

- über „Watching Тhem Сome”

Watching
Watching them come

In „Watching Тhem Сome” interessiert mich die Kombination von Naturalismus mit einer gewissen Abstraktion und wie sie zusammen funktionieren.
Folglich möchte ich eine komplette Gestalt erschaffen – nicht nur die äußere reale Welt, sondern auch ein Bild der inneren Welt durch Abstraktion. Deshalb kann man nicht sagen, dass das Bild nur naturalistisch ist. Die Landschaft dient auch als Reflektion von etwas, das außerhalb des Sichtbaren passiert.

- über „То Dirtify”

Dirtify1
To Dirtify I

In meiner Arbeit steckt immer etwas Persönliches oder es gibt Gemeinsamkeiten. In diesem Fall ist es persönlicher. Ich wollte mit diesen Kleidern arbeiten, die ähnlich denen von Velazquez „Las Meninas” sind. Die Epoche, als Frauen solche Kleidung, die sie definierte und als Reflektion ihres Inneren diente, trugen. Genauso wie die diese Frauen ihre Kleider trugen, trägt der Mensch seine Gefühle immer mit sich. Was eigentlich im Leben passiert, zeigt am Ende, was man bekommt.

Dirtify 2
To Dirtify II

In dieser Serie von Gemälden symbolisieren die Kleider die schönen Gefühle, etwas Angenehmes – weiß, klar, unberührt – das man in sich hat. Im Leben passieren aber verschiedene Dinge, die wir nicht kontrollieren können – schlechte Dinge, die man nicht verhindern kann, egal wie sehr man es möchte.

Dirtify 3

Dann versucht man sich sauber zu halten, versucht sich vom Schmutz der äußeren Einflüsse zu schützen (aus dem Englischen: „to dirtify“ bedeutet etwas schmutzig zu machen; das Gegenteil von „to purify“ – saubermachen, aber auch Katharsis). Das funktioniert aber nicht. Egal was wir tun, das Leben geht weiter, die Dinge passieren wieder. Die Ausdrücke und das Erlebte kommen nacheinander wieder und man macht nicht nur seine Hände schmutzig, sondern auch sein Kleid.

Dirtify 3
To Dirtify III

Hier möchte ich zeigen, dass Hände als Äußerungsmerkmal beim Menschen gleich nach dem Gesicht kommen. Manchmal muss das Gesicht fehlen, damit man die Hände sehen kann. Aus diesem Grund hören die Bilder bei den Schultern auf – das Gesicht der Frau sind ihre Hände.

Das sind 4 Gemälde – Kleider mit Händen. Das erste zeigt die Person, wenn sie die Verschmutzung versteht, dann – der Wechsel – wenn man versteht, dass die Verschmutzung nicht verhindert werden kann und man trotzdem weitermachen soll. Man soll seine Hände in der Hilflosigkeit hängen lassen, aber auch verstehen, dass man nichts anderes machen kann, als sein Leben zu genießen. Das ist der Sinn des Lebens.

Dirtify 4
To Dirtify IV

Im Moment arbeitet sie an einer Serie von Bildern, die von ihrem Lieblingstheaterstück – En attendant Godot von Samuel Becket inspiriert wurden. „Waiting for Godot” und „The Wait” kann man auf der Web-Seite von Elena in Artist House Gallery sehen.

2009 wird eine Ausstellung in Bulgarien stattfinden.
Die Bilder sind schon fertig.
Elana – von Yassen und Yassen – von Elena.

Autor aller Fotos der Publikation ist Karen Mauch (Philadelphia)

Kategorien: Frontpage · Modern Times · Szene · Visual Arts

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