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Der bulgarische Wein – ein noch nicht entdecktes touristisches Abenteuer

23 Januar, 2010 von · Keine Kommentare

Autor: Lubo Dobrev
Übersetzung aus dem Bulgarischen: Dessislava Bernd

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Foto: Kamen Ferdinandov

Der Anbau von Wein und die Weinherstellung sind in Bulgarien seit der Antike bekannt. Die Thraker, die das Land vor der Gründung des Bulgarischen Staates bevölkerten, waren außerordentlich gute Landwirte und der Weinanbau war Teil Ihres Lebens. Der Wein war nicht nur ein wesentlicher Teil deren Esskultur, sondern auch aller Rituale verbunden mit der Ehrung der Götter.

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Foto: Mira Dimova

In Bulgarien gibt es sehr günstige Bedingungen für den Weinanbau. Die Sommer sind lang und warm, die Niederschlagsmenge bewegt sich in den optimalen Grenzen und die Vielfältigkeit des Erdreiches ist eine Voraussetzung für die Züchtung diverser Rebsorten.

Jahrzehntelang war der Anbau von Wein eine Familientradition und fast jede Familie machte Hauswein. Ende der 40er und Anfang der 50er Jahre wurden staatliche Organisationen gegründet und die Produktion von Wein wurde verstaatlicht.

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Foto: Mira Dimova

Mit der Demokratisierung des Landes wurden die großen staatlichen Weinbetriebe aber auch die Weinberge privatisiert. Die bulgarischen Weine sind mittlerweile auch auf dem europäischen Markt bekannt.

Was die Qualität und den Preis betrifft, sind bulgarische Weine nicht schlechter als die in letzter Zeit so populären Weine aus Chile, Argentinien und anderen Ländern. Eine nicht unwichtige Rolle für die Popularisierung der südamerikanischen Weine haben einige der großen Weinhersteller aus Kalifornien, die dort große Weinberge und Weinkeller besitzen. Auch französische Hersteller, die dort Eigentum haben, sind an der Wein-Werbung interessiert. Möglicherweise kann man wegen dieser massiven Werbung auf der ganzen Welt viel einfacher Weine aus Chile kaufen. Wenn man Wein aus Bulgarien außerhalb der Europäischen Union kaufen möchte, muss man auf eine große Portion Glück hoffen.

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Foto: Mira Dimova

In den letzten 10-15 Jahren beobachtet man einen richtigen Vorwärtstrend in der Weinherstellung in Bulgarien. Die Qualität wächst ständig, die Anforderungen der Hersteller und Verbraucher an den Wein wachsen. Es werden neue Gebiete angebaut, es wird mit neuen Rebsorten experimentiert, es werden neue und moderne Methoden der Weintechnik verwendet.

Seit 1962 ist Bulgarien in fünf Weinregionen unterteilt. Das sind die Donauebene, die Schwarzmeerregion, das Rosental, die Thrakische Tiefebene und das Struma-Tal.

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Foto: Mira Dimova

Die Donauebene

Diese Region zeichnet sich durch das kontinentale Klima mit heißem und langem Sommer und auch genauso langem und kaltem Winter aus. Die Hauptsorten, die dort angebaut werden, sind Muskat Ottonel, Chardonnay, Aligoté von den Weißweinen und Cabernet Sauvignon, Gamza und Merlot von den Rotweinen. Hier werden trockene Weißweine, Schaumweine nach klassischer Technologie und Qualitätsrotweine hergestellt, die fruchtig, aromatisch und frisch schmecken.

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Foto: Mira Dimova

Die Schwarzmeerregion

Das Klima in diesem Gebiet wird durch den starken Meereseinfluss beeinflusst. Der Sommer ist kühler, der Winter ist mild und der Herbst ist ziemlich lang mit zahlreichen Sonnentagen, was eine Weinernte mit hohem Zuckergehalt ermöglicht. Hier werden Weißweine wie Dimiat, Muskat Ottonel, Traminer, Ugni Blanc und Riesling bevorzugt. Hier werden auch die besten bulgarischen Trocken- und Halbtrockenweine hergestellt, die ein angenehmes Fruchtaroma, kräftigen Geschmack und elegante Frische aufweisen.

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Foto: Mira Dimova

Das Rosental

Diese Region umfasst die südlichen Hänge des Balkangebirges, das als natürliche Barriere für die kalten nördlichen Wetterfronten dient, so dass die durchschnittliche Jahrestemperatur relativ hoch ist. Für den Anbau sind am besten folgende Sorten geeignet: Rkaziteli, Cabernet Sauvignon, Roter Misket, Merlot und andere. Die Weine haben ein angenehmes Fruchtaroma sowie einen frischen und harmonischen Geschmack. Der Rote Misket ist einer der besten Vertreter der bulgarischen Weißweine, die sich durch Fruchtaroma, eleganten und zarten bleibenden Geschmack auszeichnen.

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Foto: Mira Dimova

Das Trakiatal

Diese Region hat gute Bedingungen für den Anbau von roten Weinsorten wie Cabernet Sauvignon, Merlot, Mavrud und andere. Die Rotweine aus diesen Sorten haben eine hohe Dichte und einen aromatischen Geschmack. Die guten Weine der heimischen Rebsorte „Mavrud“ werden sehr geschätzt, da diese das Aroma und den Geschmack der kleinen roten Früchte, Gewürze und Gräser verbinden.

Das Struma-Tal

Hier werden Weine der Rebsorten Cabernet Sauvignon, Merlot und der heimischen Sorte „Breitblättrige Melniker Rebe“ angebaut. Sehr populär sind die Weine aus den Regionen von Sandanski, Pertich, Melnik und Harsovo. Das Gebiet ist nicht sehr groß, weist aber sehr spezielle Klimabesonderheiten – ähnlich wie am Mittelmeer – auf.

Französische Experte haben laut der bulgarischen Tourismusagentur acht Routen für Weintourismus erarbeitet.

Die Routen verbinden den Besuch der besten Weinkeller im Land mit der Besichtigung von kulturellen und historischen Sehenswürdigkeiten. Eine der längsten Routen (9 Tage) beispielsweise umfasst den Besuch der Weinkeller in Melnik und im Rilakloster, die Besichtigung des thrakischen Grabmals in Starosel und des dortigen Weinkellers, die Besichtigung der Altstadt von Plovdiv und eine Weinverkostung im Weinkeller „Rosental“, die Besichtigung von Nesebar und den Weinkellern „Schwarzmeegold“ und „Medovo“ sowie dem Palast „Evksinograd“ samt Weinkeller.

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Foto: Mira Dimova

Der bulgarische Weintourismus ist am Anfang seines Entstehens. Dies verleiht ihm aber besonderen Charme und Authentizität und wird ein echtes Abenteuer für den Touristen, der Herausforderungen liebt.

Kategorien: Frontpage · Um die Welt

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