Zu Favoriten hinzufügen
Public Republic random header image

Der Zigeuner und das Pferd

29 Januar, 2009 von · Keine Kommentare

Autor: Violetta Boncheva

Übersetzung: Rossitza Yotkovska

Zalez
Foto: PUPIL_BCN

ziehen das Leben den Abhang hinauf.
Hufschläge hämmern die steilen Steine
und flucht der Zigeuner auf alles, was ihm einfällt –
alles lebendige, was fliegt, was sich bewegt
und knallt seine Peitsche.
Auch seine Mutter lässt er nicht aus…
Und sie entblößt ihre zwei verbliebenen Zähne.
“Sein Vater hatte stärker geflucht – sagt sie –
deshalb jedes Jahr gebar ich.“
Das Lachen durchrüttelt ihre runzlige Brustfalte,
voller Rauch,
vertrocknet und nutzlos.

Lange rollt sie im Munde den trockenen Happen,
sie ist wie verschmolzen in dem müden Feuer vor der Hütte.
Da gehen an ihr vorbei
Pferde und Bräute,
Trommeln und Bären,
Karawanen von Kindern,
die den Abhang hinab
oder in die Sterne verschwinden …

Und die Nacht steigt herunter.
Erschöpft, aber entschieden,
den Weltkreislauf weiterzuführen,
ihr Sohn verbirgt seinen schwitzenden Kopf
im Gesicht seiner Frau
und er flucht immer wieder
und schlägt ihre zerrissenen Röcke
im Namen des Lebens.

Dieser Text von Violetta Boncheva wurde beim Literatur-Wettbewerb von Public Republic mit dem 3. Platz in der Kategorie “Poesie” ausgezeichnet.

Kategorien: Art Café · Frontpage

Tags: ,

Keine Kommentare bis jetzt ↓

  • Noch hat keiner kommentiert. Machen Sie den Anfang!

Kommentar schreiben