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Die Bilder von Mariana Kalatscheva – farbenprächtig, emotional, detailreich

17 Februar, 2009 von · Keine Kommentare

Ein Interview von Galina Dzhendova mit Mariana Kalatscheva

Übersetzung: Silvia Vasileva

Mariana Kalycheva

Ich habe Mariana in der Schlange am Gepäckschalter am Sofioter Flughafen kennengelernt. Ich wusste sofort, dass sie Künstlerin ist, noch bevor sie mir nur ein Wort über sich erzählt hatte.

Es war offensichtlich: In ihrem Lächeln steckte etwas Charismatisches, mit Leben Erfülltes und Geheimnisvolles.

Durch ihre grünen Augen tauchte ich in eine unendlich weite menschliche Seele ein – ein Universum von Gestalten, Details und Farben, das mein Interesse mit seiner Tiefe und Spontanität erweckte.
Kunst ist sehr individuell, daher wirkt sich jede Begegnung mit ihr nicht nur auf unsere Sinne, sondern auf unser ganzes Wesen aus.

Was ist Deiner Meinung nach die Bestimmung der Kunst, Mariana?

Die Bestimmung der Kunst ist, denjenigen Menschen Schönheit und Freude zu schenken, die das Bedürfnis danach haben, sowie denen, die glauben, dieses Bedürfnis nicht zu haben.

Sie ist jener dünne Faden, der die Eintönigkeit bei der Arbeit und im Alltag mit der emotionalen Edelmütigkeit verbindet. Sie ist jene kleine Sache, die einen ergänzt, wenn man lustig oder traurig ist, unter Freunden, oder allein, in der Umarmung des sich immer wiederholenden Tages.

Aromatno
Duftend

Wann und wie hast Du das Malen als Kunst und als einen wichtigen Teil von Dir selbst entdeckt?

Jedes kleine Kind malt. So reagiert es auf die Realität, von der es umgeben ist und gibt sie malend wieder, auch wenn das unbewusst ist. Bis zu einem bestimmten Alter machte ich das auch, dann wuchs ich auf und wurde mir der Tatsache bewusst, dass es mir sehr leicht gelingt, umzusetzen was ich zum Ausdruck bringen möchte.

Mehr noch – es machte mir ungeheuer viel Spaß, besonders in schwierigen Momenten.
Die Kunst ist immer ein Hauptteil meines Lebens gewesen. Ich habe auch andere Jobs gemacht, die ich aber immer schnell gekündigt habe. Wegen des Freiheits- und Zeitmangels zum Malen wäre ich dort sonst „erstickt“. Ich habe begriffen, dass ich mich mein ganzes Leben lang mit Kunst beschäftigen werde. Sie ist mein Schicksal.

Maria
Maria

Was ist das – zu malen?

Malen ist Magie, eine Hexenkunst oder Zauberei, nur dass man statt Kräuter Farben mischt und sie zusammenfügt. Man fertigt eine Zeichnung an, mit der man seine Stimmung, eine Idee, seinen Eindruck von etwas verewigt. Beim Malen drückst du deine ganze Emotionalität aus. Man kann seine Trauer oder Freude nicht verstecken. Künstler sind emotional. Sie sind ein besonderer Menschenschlag. Sie lassen sich von Dingen beeindrucken, die andere überhaupt nicht bemerken. Malerei ist ein Orkan von Genüssen- man muss aufpassen, wie man sie gebraucht!

S dyh na maslini
Mit Olivengeruch

In Deinen Bildern entdecke ich eine Stilähnlichkeit mit dem berühmten österreichischen Künstler des Symbolismus Gustav Klimmt. Mich beeindruckt auch die Menge von bulgarischen Ethnomotiven; die Katzen, die Schönheit der Frauengesichter.

Erzähle mir über Deine Muse und über Dinge und Momente, die Dich inspirieren! Wie wird ein Bild geboren?

Bis vor einiger Zeit konnte der Betrachter meiner Bilder tatsächlich eine Ähnlichkeit mit denen von Gustav Klimmt erkennen. Mittlerweile könnte man darin eher Ähnlichkeiten mit z.B. Modigliani, Picasso oder Gauguin finden… Die Wahrheit ist, dass jeder Maler seine Favoriten in der Kunstgeschichte hat. Das beeinflusst zweifellos seine Kunst. Dann vergeht etwas Zeit und er erwacht „mit anderen Augen“. Er entdeckt sich wieder. Er entscheidet, etwas in seinem Stil zu verändern. Diese Änderung ist ein sehr schöner Moment, der eine gelungene Entwicklung kennzeichnet. Nichts ist langweiliger als ein Künstler, der immer das Gleiche malt.

Ich male Katzen, weil ich sie sehr mag. Die Katze ist ein Sinnbild für Anmut, Geschick, Schlauheit, Behutsamkeit und Weitsicht.

Die Frau, die ich male, besitzt ebenfalls alle diese Eigenschaften. Warum male ich Frauen?! Vielleicht deshalb, weil ich selbst Frau bin – mit all meinen wichtigen, sehr lustigen und ein bißchen traurigen, erlebten Geschichten.

Meine Muse kommt und geht, ohne dass ich es merke. Für meine 13 Jahre berufliche Kunsterfahrung habe ich bisher einen großen Zusammenhang entdeckt: Je mehr ich reise und mit Leuten kommuniziere, desto mehr Eindrücke sammle ich. Im Anschluss werden meistens die Ideen geboren, schließlich kommt das Bild. Es kann ein verschlüsseltes Bild in meinem Bewusstsein sein, aber auch ein Sammelbild von einer konsequenten Ideenanhäufung das mit längerer Arbeit verbunden ist.

Eine Idee kann in 10 Sekunden, 10 Stunden, 10 Monaten, sogar in 10 Jahren umgesetzt werden. So brauchte ich zum Beispiel drei Jahre für eines meiner Bilder. Ich fing an, schmiss es in eine Zimmerecke, entdeckte es wieder und konnte es beenden. Das Bild heißt „Die Katze Vasko“.Ich habe auch das Gegenteil erlebt – ein Bild am Stück gemalt, in ein paar Stunden.

Koteto Vasko
Der Kater Vasko

Wo malst Du?

Ich male in meinem Atelier, wo ich auch zur Miete wohne, in meiner Heimatstadt Plovdiv. Die Aussicht nach Süden auf den Fluss Maritza ist eine sehr angenehme Ergänzung zur warmen Landschaft. Ich lebe alleine und nichts kann mich stören. Ich male soviel und wann ich will.

Was sagst Du zu dir selbst, wenn Deine Muse Dich für eine Weile verlassen hat?

Ich sage mir, dass alles gut wird. Ich hatte Momente, als die einzige Rettung ein schönes Buch, Sport oder ein Spaziergang mit Freunden war.

Damata s grozdeto
Die Dame mit den Weintrauben

Welches Deiner Bilder magst du am meisten und warum?

Es fällt mir sehr schwer, ein Bild mein liebstes zu nennen. Ich würde gerne ein paar nennen.
Der Baum der Wünsche – diesem Bild schenke ich spezielle Aufmerksamkeit: Ich habe es für mich selbst gemacht. Ich sehe mir die Äpfel an und stelle mir vor, dass jeder von ihnen, der vom Baum fällt, ein erfüllter Wunsch von mir ist. Und unter dem Schatten des fruchtbaren Baums hat die Liebe ein Obdach gefunden.

Andere Bilder, die ich erwähnen würde, sind: Mit einem Olivengeruch, Maria, Die schlafende Stadt, Stadtorange, Duftend, Die Dame mit den Trauben…Sie alle beinhalten viele meiner Hoffnungen und erfüllte oder neue Träume.

Spiastiat grad
Die schlafende Stadt

Was bedeutet eine Ausstellung für Dich und ist es schwierig sie in Bulgarien zu realisieren?

Eine Ausstellung bedeutet für mich monatelange Arbeit. In der Vorbereitungszeit verzichte ich auf viele Dinge, besonders wenn die Zeit knapp wird. Ich verzichte auf das Ausgehen, darauf Freunde in der Bar zu treffen, auf Reisen. Es ist schwierig, eine Ausstellung zu realisieren, besonders am Anfang seiner Karriere. Ich bin zwar keine angehende, allerdings eine junge Künstlerin. Manchmal ist die Welt sehr grausam! Und zu pragmatisch.

Was schätzen Deine Freunde an Dir ?

Meine Freunde mögen mich so, wie ich bin. Meinen Frohsinn, die lustigen Geschichten, meine Aufrichtigkeit, meinen seltsamen Charakter. Sie mögen mein Lächeln, das ich aus einem großen Spaßkorb verschenke.

Wovon träumst Du?

Ich träume von Lavendelfeldern, von einem Atelier an der Meeresküste in einer ruhigen italienischen Stadt, von vielen Freunden, die mich besuchen. Ich träume davon, durch die Welt zu reisen und viele Ausstellungen zu machen. Ich träume davon, eines Tages meinen Kindern und meinen Freunden einen reichen Kulturnachlass zu vererben.

Дървото на желанията
Der Baum der Wünsche

Ich bedanke mich bei Dir, Mariana! Ich wünsche Dir Erfüllung, sowohl künstlerisch als auch menschlich!

Die wunderschönen Bilder von Mariana können Sie genießen unter:

http://www.artplusbg.com/galery/kalacheva.htm

Mariana Kalycheva snimka

Mariana Kalatscheva wurde am 9.6.1977 in Plovdiv geboren.Sie promovierte 2003 im Fach Grafik bei Dozent Vladimir Genadiev an der Akademie für bildende Kunst, Musik- und Tanzkünste in der Stadt Plovdiv.

Selbstständige Ausstellungen in Bulgarien, Plovdiv, 1998 und 2004.

Teilnahme an 15 Ausstellungen in Bulgarien wie „Triennale der Grafik Sofia“ und „Biennale des Humors“ und der „Satire in der Stadt Gabrowo“.

2003 wurde sie für den Preis „Jungautor“ des Malervereins in Plovdiv nominiert.

Ihre Werke sind in Besitz von Sammlern in Bulgarien und im Ausland.

Kategorien: Frontpage · Szene

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