Dragomira Nikoff

Foto:zoha_n
In der Zwischenmenschlichen Liebe
entdeckt man sich selbst, verändert sich
und erfindet sich immer wieder neu!
Die Liebe, diese existenzielle Zweifellosigkeit, ist etwas so Lebendiges und Veränderliches als Ausdruck, dass man sich durch den Kontakt mit dem Anderen, in der Liebe selbst entdeckt. Jede Persönlichkeit ist von Natur aus widersprüchlich und somit erweist sie sich als problematisch.
Ihre Problematik lehnt aber nicht die Werte des Menschen ab. Doch wie kann man die Werte in sich selbst so verbinden, dass man gleichzeitig auch seine Probleme lösen, sein widersprüchliches
Wesen vereinigen, und mit sich selbst zufrieden und glücklich sein kann?
Man lebt in einer organisierten Gesellschaft, wo man nicht allein für sich selbst existieren kann. Man kann nicht isoliert vom Ganzen leben, denn sonst geht man unter. Man gelangt nur durch die anderen zu sich selbst. Man braucht bestimmte Arten von Beziehungen, durch die man den anderen näher kommen kann, um sie kennen zu lernen und um sich selbst zu enträtseln.
Rein philosophisch gesehen kann man zu sich selbst finden, indem man erkennt, „was man ist“, wobei potentiell das zu erreichen wäre, was man aus sich selbst machen würde. Wir bauen
uns selbst auf, weil wir ursprünglich frei sind. Unsere Freiheit ist aber mit der Welt der anderen, mit Verantwortung verbunden.
Das Ich ist ein Teil von dem Anderssein, aber es ist frei zu wählen, wie es mit den anderen in Verbindung kommen wird, was für eine Beziehung das sein soll. Jede Persönlichkeit besitzt ihre Individualität, die sich durchsetzen und sich zeigen will, deshalb braucht sie die anderen unentbehrlich. Wenn sie das genaue Anderssein nicht findet, das ihr ähnlich ist, bleibt sie unverstanden und entfremdet sich wegen der Verletzung der Verbindung zwischen ihr und dem Anderssein.
Die Einsamkeit ihrerseits ist eine besondere Form der inneren Beziehung mit sich selbst, in der wir uns kennen lernen, aber uns auch vom Anderssein distanzieren, angesichts jedes Anderen. Es ist wahr, dass die Persönlichkeit das Verständnis der anderen braucht, Zuwendung und Anerkennung der eigenen Individualität als Bedeutsamkeit.
Eine Art und Weise, wie sich die Persönlichkeit frei entfaltet und sich behauptet, indem sie Beziehungen schafft und die Bedeutung der anderen anerkennt, das ist die LIEBE.
Die zwischenmenschliche Liebe hat zu viele Aspekte und sie ist so verschiedenartig. Man kann jedoch eindeutig behaupten, dass die Beziehungen zwischen Mann und Frau die größte Quelle für Gegensätzlichkeiten sind. Die Weisheit dieser Beziehungen ist immer in Widersprüchen verflochten, von denen wir uns nur dann befreien können, wenn wir uns einigen: der Begriff über
ein andauerndes einheitliches Dasein.
Diese Widersprüche sind auf die Unterschiede in den Charakteren der beiden Geschlechter zurückzuführen und sind ganz natürlich, wobei das Charakteristische ist die Spezifikation, die in jedem Gedanken, jeder Tat und jedem Gefühlsausdruck zu finden ist. Der Charakter ist nicht etwas, das außerhalb der Gedanken und Gefühle des Individuums liegt, im Gegenteil, er ist das, was man in jedem Gedanken und in jedem Gefühl entdeckt.)
Jedes Individuum besitzt seine Einmaligkeit, die in seinem Charakter steckt, deshalb muss man die Geschlechter erforschen, um eine allgemeine Vorstellung von der Liebe zwischen Mann und Frau herstellen zu können.
Im geistlich-körperlichen Bild des Mannes und der Frau bestehen
selbstverständlich sowohl Ähnlichkeiten, als auch Unterschiede, die in jedem einzelnen Individuum in verschiedener Art und Weise kombiniert sind. Gerade in der Liebe finden die beiden Geschlechter trotz ihrer Widersprüche ihre einmalige Vereinbarkeit.
Die Liebe zwischen Mann und Frau ist außerordentlich innert, sie nährt sich durch Bewegung und Aktivität. Sie verlangt Überwindung von Hindernissen und Widerständen. Ihr Motiv ist es, die Gegensätze zusammenzubringen. Die Liebe ist auch innerlich mit dem Willen verbunden; sie setzt Ziele, motiviert unsere Wünsche, reißt unsere Kräfte zusammen und führt das Subjekt zur Verwirklichung der Liebe. Angesichts des Mannes und der Frau sieht diese Einheit der Gegensätze
paradox aus, aber so ist die tatsächliche Situation.
Eine uralte Legende aus Indien beweist es. Darin heißt es: Gott Twaschtri schuf zuerst den Mann und ließ ihn auf der Erde unter Vögeln und Tieren leben. Dieser erste Mensch litt unter der Einsamkeit und bat seinen Herrn ein anderes Lebewesen zu ihm zu schicken, das ihn verstehen
und trösten würde.
Gott Twaschtri, wie es aussieht, hat ein gutes und edles Herz gehabt. Er schuf aus verschiedenen Materialien, die Ihm zur Verfügung standen, die Frau. Sie machte den ersten Mann glücklich. Die Freude dauerte jedoch nicht lang, denn kurz darauf kam die Katastrophe.
Der enttäuschte Mann ging nach acht Tagen zum mächtigen Gott Twaschtri und sagte ihm bekümmert: „Mein Herr, was für ein Lebewesen hast du mir gegeben, es nörgelt ununterbrochen herum und ich kann nicht arbeiten. Es regt mich jede Minute auf und macht mir das Leben zur Hölle. Nimm es zu dir zurück!“
Gott Twaschtri empfand Mitleid mit dem armen Mann, war tief von seiner Bitte gerührt. Er nahm die ausgelassene Frau. Sie ließ sich geschwind am Rande der Erde nieder. Nach acht Tagen ging der Mann erneut zu seinem Herrn.
Mit bitteren Tränen in den Augen begann er zu flehen: „Mein Herr, ich weiß nicht, was mit mir los ist, aber seitdem dieses Wesen nicht mehr bei mir ist, fühle ich mich einsam. Die Freude ist weg. Es ist ständig dunkel vor meinen Augen.
Ich erinnere mich daran, wie dieses Geschöpf um mich herum spielte und sang. Das Leben war sehr angenehm und lustig. Gib mir wieder dieses Lebewesen zurück, sonst ist alles schwarz.” Gott Twaschtri erbarmte sich seiner, gab dem einsamen Mann die Frau zurück und die Freude kam wieder in sein Haus. Doch nach ein paar Tagen musste er die Frau wieder loswerden.
So wie zuvor bat er Gott Twaschtri sie ihm zurückzugeben. Die Geschichte wiederholte sich. Zum Schluss ging der Mann zu seinem Gott-Schöpfer und sagte zu ihm: „Mein Herr, ich bin unglücklich! Ich habe begriffen, dass ich weder mit der Frau, noch ohne sie leben kann.“
Es wird klar, dass die Notwendigkeit von Annährung und Einigung unumgänglich ist. Als ob die Menschen ungestüm nach Nährung und Mitteilung eines gemeinsamen Lebens, nach gemeinsamen Interessen, Zielen, Erlebnissen strebten. Der allerschönste Widerspruch, der die
ganze Welt in Gang setzt, und die reale Magie nach der ein Jeder sich strebt, ist die Liebe!
















Keine Kommentare bis jetzt ↓
Noch hat keiner kommentiert. Machen Sie den Anfang!
Kommentar schreiben