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Frohes Osterfest!

8 April, 2012 von · Keine Kommentare

Happy Easter
Foto: Skley

Wir wünschen allen unseren Lesern und Leserinnen, nah und fern, frohe und gesegnete Ostern!

Der Osterhase von Public Repubic – eurem liebsten Literatur- und Kulturbegleiter – will euch auf die Jagd nach den langlebigsten Ostereiern der Welt – den Gedichten inspiriert durch den Geist von Ostern – mitnehmen. Viel Spaß beim Lesen!

Happy Easter
Foto: jbelluch

Vor-Ostern

von Rainer Maria Rilke
(1875-1926)

Morgen wird in diesen tiefgekerbten
Gassen, die sich durch getürmtes Wohnen
unten dunkel nach dem Hafen drängen,
hell das Gold der Prozessionen rollen;
statt der Fetzen werden die ererbten
Bettbezüge, welche wehen wollen,
von den immer höheren Balkonen
(wie in Fließendem gespiegelt) hängen.

Aber heute hämmert an den Klopfern
jeden Augenblick ein voll Bepackter,
und sie schleppen immer neue Käufe;
dennoch stehen strotzend noch die Stände.
An der Ecke zeigt ein aufgehackter
Ochse seine frischen Innenwände,
und in Fähnchen enden alle Läufe.
Und ein Vorrat wie von tausend Opfern

drängt auf Bänken, hängt sich rings um Pflöcke,
zwängt sich, wölbt sich, wälzt sich aus dem Dämmer
aller Türen, und vor dem Gegähne
der Melonen strecken sich die Brote.
Voller Gier und Handlung ist das Tote;
doch viel stiller sind die jungen Hähne
und die abgehängten Ziegenböcke
und am allerleisesten die Lämmer,

die die Knaben um die Schultern nehmen
und die willig von den Schritten nicken;
wahrend in der Mauer der verglasten
spanischen Madonna die Agraffe
und das Silber in den Diademen
von dem Lichter-Vorgefühl beglänzter
schimmert. Aber drüber in dem Fenster
zeigt sich blickverschwenderisch ein Affe
und führt rasch in einer angemaßten
Haltung Gesten aus, die sich nicht schicken.

Easter
Foto: jamieanne

Vor dem Tor

von Johann Wolfgang von Goethe
(1749-1832)

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurück zu sehen!
Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden:
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluß in Breit und Länge
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen,
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!

SLV's Easter
Foto: SLV’s

Ostern 1916

von William Butler Yeats
(1865-1939)

Eine Übersetzung von Mirko Bonné

… Nicht endender Verzicht
Kann Stein aus Herzen machen.
O reicht es denn noch nicht?
Himmels Sache. Unsere Sache,
Zu murmeln Name auf Name
Wie die Mutter fürs Kind,
Das doch Schlaf überkam,
Rannte es noch so wild.
Ist es nicht Nachtbeginn?
Nein, Nacht nicht – sondern Tod.
War’s letztlich ein Tod ohne Sinn?
Vielleicht hält England Wort
Nach all dem Hin und Her.
Ihr Traum ist bekannt – es genüge,
Sie träumten und sind nicht mehr.
Und was wenn Zuviel der Liebe
Sie in den Tod trieb seinerzeit?
Ich schreib es in einen Vers:
MacDonagh und MacBride
Und Connolly und Pearse,
Jetzt und auch zukünftig
Vereint im grünen Band,
Veränderten sich vollständig:
Furchtbare Schönheit entstand.

Easter
Foto: SixTwo Point of View

Kategorien: Frontpage · Modern Times

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