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Gedichte aus dem Zyklus “Lobeshymnen nach thrakischer Mythologie” von Kristin Yurukova – Teil II

21 Juni, 2009 von · Keine Kommentare


Foto: antmoose

Übersetzung aus dem Bulgarischen: Kristin Yurukova

DIE PEITSCHEN

Der skythische Weise
hat den Skythen
Ratschläge gegeben
/nach Herodotus/:

Geht nicht bewaffnet
auf die Sklaven
zu,
die Peitsche in der Hand
genügt,
die Sprache der Peitsche
ist ihnen eigen,
nur unter ihr
sind ihre Schritte
gehorsam,
ob unter ihrem Schatten
sie groß geworden sind.

Und genau das ist geschehen –
die Sklaven wurden aufständisch
gegen das auf sie gerichtete Eisen,
sie haben aber ihre Rücken
den Ochsensehnen
der Peitschen unterlegt,
damit sie ihnen den Weg wiesen.

KODZIMASES, DER MEISTER

Der Thraker – der Maler
Kodzimases der Meister –
so hat er seinen Namen
in der Gruft von Alexandrovo
geschrieben –
hat seinen Rundgang
auf dem Stadium des Lebens gemalt.

Nicht für die vorläufig Lebendigen
hat er sein Werk geschaffen,
seine Galerie haben sie nie gesehen
auf den Wänden, die die Finsternis
eingemauert haben –
damit sie nicht flieht.

Für die Götter
hat er gemalt,
damit sie auf seinem Festmahl
schmausen,
damit sie ihre Körper erhitzen
mit ihren fliegenden Seelen.

Die Tatsache, dass die Wandmalereien
zu uns gelangt sind,
beweist nur, dass auch die Ewigkeit
ihre Ufer hat,
auf denen man sich
von ihr ausruhen kann.

SAMOTHRAKI

Allein auf Samothraki –
so wie wir sind.
Samothraki fährt durch uns
im System der Spiegel
für die Visionen.

Wir sind leichter erkennbar
als jetzt.
Dort ist alles jetzt.
Der rote Gürtel des Schoßes,
der umgebunden ist,
verführt den Raum
mit einer liebenden Zunge.

Die sonnentragenden Säulen der Körper –
mit den eingereihten Armbändern der Schlange.
Der Zusammenbruch in ekstatische Abgründe –
die Felszacken aus Lippen und Brüsten.

Die unbeständigen, nachgiebigen Schluchten,
die Weiden für das goldene Vlies des Widders
und silberne Pfade der wandernden Schnecken.

Das Wachsen der Flügel,
die zu Stalaktiten erstarren.
Das Decken eines Bettes mit Schauern.

Die Kabiren essen alles
und sie sind immer rein,
sie belohnen ihren Misten
mit der reichen Jagd.

Die Einweihung in die unschuldige Orgie
der aufgeregten Zellen,
die hypnotischen Widmungen
dem Göttlichen.

Der rasende Rhythmus der Abgründe.
Die brennenden Spiegel vermehren sich.
Die gemeinsame Geburt
in den Höhlen der Liebe von Kibla,
in der Formel des Flüsterns
der Grossen Götter von Samothraki.

Eine Geburt von einem Kopf
in dem anderen.
Und das Licht ist eine Strahlung
von einer Dimension in die andere.
Die Wiedergeburten werden
von den Vögeln verkündet.

Ein Geburtstag unter der Arc de Triomphe
der Kunst, die sich selbst auffordert
und befruchtet.

Die Dinge wiederholen sich mondsüchtig,
sie bieten sich als Lippen an,
die zum Küssen reif sind,
immer in Paaren.

Der erste Schritt ist gemacht,
damit man den Weg zurücklegt.
Den ganzen.

DIE MÄNADEN

Aus Blitz und Donner ist ihre Zeitrechnung,
sie gehen aus sich selbst heraus,
aus Hunger und Durst nach Welten.
Sie haben unsere Umarmungen gefunden,
um die Erde zu besuchen
nach so vielen Himmelsphären.

Aus dem Riss des Felsens quillt der Stoff,
der mit dem Nichtsein betäubt.
Von ihm sind diese Funken im dritten Auge,
die Spuren auf allen Ufern hinterlassen.

Von ihm die Gedanken
der Mutter Göttin in den Köpfen.
Die Flegel sind ihre Schenkel –
zwischen ihnen saust der Flug.
Bewegliche Tempel für die Prozessionen der Liebe,
Speicher für die göttliche Gunst.

Die Entsühnung durch die Verschmelzung.
Das Summen eines Bienenschwarmes –
das Gestirn Lyra
zwischen der Lyra der Hüfte.

Der Gaumen trinkt das Himmelsgewölbe aus
bis auf den letzten Tropfen.
Die Welt ist ein feuriger Punkt,
den du zwischen den Augenbrauen trägst.
Die Körper rudern in Ekstase.

Kategorien: Art Café · Frontpage

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