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Gedichte aus dem Zyklus “Lobeshymnen nach thrakischerMythologie” von Kristin Yurukova – Teil III

26 Juni, 2009 von · Keine Kommentare

Übersetzung aus dem Bulgarischen: Kristin Yurukova


Foto: andypowe11

BACCHANTIN I

Der Arm mit der Fackel zieht den Schweif des Lichtes,
malt die Rundung der Sonnenwende.
Unter ihr – die sich bewegenden Tierchen
der Brüste und der Schöße,
bis zum Sonnenaufgang hören sie nicht auf
zu beißen.

Unter der Maske küsst
die Bacchantin die Großen Götter
von Samothraki,
alle und keinen.

Der Bogen sind die Oberschenkel mit der Solar-Mündung,
die wie das Zeichen auf dem Stirn des Stieres wirbelt.
Die Bacchanalien der Götter.

DAS FESTMAHL VON PLATON

Die Zungen der Philosophen
schaffen die Gebärden,
probieren den Eros zu verführen.

Nur die Priesterin Diotima weiß,
wo die Wurzeln ihrer Flügel schwingen,
wo sie das Blau von Schwertlilien schöpfen
und die Geschmeidigkeit der Schöße zusammenbringen –
in den Riffen ihres prophetischen Körpers.

DIE BOXER VON SANTORINI

Die Verführungen und die Vergnügungen,
die Annäherungen wie ein Abstoß.
Die Liebe ist wie Boxen.
/Sie sind Brüder, möglicherweise Zwillinge/.

Die Zöpfe des einen kriechen
auf den Rücken des anderen.
Die Vertiefungen der Bäuche
beobachten sich wie Gesichter.

Das Heben eines Armes bestimmt
die Bewegung des gegenüberstehenden Armes.
Das Publikum wird nie gemalt –
der Vulkan wird es
auf eine brennende Bühne bringen.

EIN ORPHEUS, EINE EURYDIKE

Keiner hat den anderen verloren.
Die beiden sind füreinander da –
ein Himmel neben einer Erde.

Das Bodenlose – der Boden
unter den Füßen,
die Erhebung der Winde –
der Regen steigt zu den Wolken,
das Gras bewächst die Sonne.

Die Heiterkeit der Irrlichter.
Der Hornstoß auf der Arena der Zeit.
Der Mondglanz – auf den Herzen.
Der Atem holt den Atem.
Der Sauerstoff der Namen auf den Lippen.
Schleier aus Baumrauch.

Zugeworfene Blicke über die Abgründe
wie Blumensträuße aus wilden Pfingstrosen,
die Berge im Sturz mitreißen.
Küsse wie Inschriften auf der Luft.

Die Falten des Bewusstseins berühren sich
wie die Falten der Kleider.
Ihre Hand auf seiner Schulter,
seine – auf ihrer Hand,
die beiden bilden
den Schnabel eines Vogels.

Die anderen Vögel – die Brüste –
sind nach ihm gerichtet,
sie singen ihm ein Lob.
Sie ziehen und verflechten
Harmonien aus dem Leib von Kibela,
in dem alle Embryonen schlafen.

So sehr braucht er ihren Körper –
die Quellen, die Heiligen,
die zu Stein erstarrten, zu befreien,
damit sie sich in die Meeresengen
der Seelen ergießen.

Im Wahnsinn der Löwenaugen,
im Strom, der durch die Flöte saust,
im Grollen des Schweigens,
überall lauert der große Jäger – die Liebe,
nur in ihr umarmt das Opfer den Mörder.

Das Feuerlied des Begehrens.
Die Sehnsucht ersticht die Seelen
nicht leichter im Hades als auf der Erde.
Und Orpheus, der Wundermacher,
hofft auf Wunder.

Kategorien: Art Café · Frontpage

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