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Heute aus Dubai

7 Juli, 2014 von · Keine Kommentare

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In unserer Serie „Heute aus …“ berichten wir regelmäßig über das Leben, das Engagement und die Bürgerinitiativen in verschiedenen Städten und Ländern.

Heute stellen wir Ihnen das Sheikh Mohammed Centre for Cultural Understanding (SMCCU) in Dubai vor. Unsere Fragen beantwortete netterweise der Leiter des Centrums Herr Nasif Kayed.

Wann wurde das SMCCU gegründet und welche Ziele verfolgt es?

Das Sheikh Mohammed Centre for Cultural Understanding (SMCCU) ist eine gemeinnützige Gesellschaft, die unter der Schirmherrschaft von S.H. Sheikh Mohammed bin Rashid Al Maktoum im Jahr 1998 gegründet wurde. Das Centre hat seinen Hauptsitz im traditionellen Bastakiya Viertel von Bur Dubai und arbeitet unter dem Motto „Open Doors, Open Minds“.

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Bastakiya Viertel, Foto: SMCCU

Seine Aufgabe besteht darin, Barrieren zwischen Menschen verschiedener Nationalitäten abzubauen und ein Bewusstsein für die lokale Kultur, Bräuche und die Religion der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) zu schaffen.

Mit dem übergeordneten Ziel der Verbesserung der interkulturellen Verständigung, Integration und Kommunikation zwischen Einheimischen und Ausländern in den VAE organisiert das SMCCU kulturelle Programme, Moscheebesuche, historische Touren in Bastakiya und entlang des Creek-Ufers, Arabischkurse und andere Initiativen, die speziell auf Organisationen aus dem öffentlichen und privaten Sektor zugeschnitten sind.

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Moscheebesuch, Foto:SMCCU

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Gemeinsames Mittagessen, Foto:SMCCU

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Traditionelle Gerichte werden von den Mitgliedern des Centrums für das gemeinsame Mittagessen bereitgestellt, Foto:desenze

Wie war das Leben für die Emiratis bevor Öl gefunden wurde und die Industrialisierung begann?

Die Emiratis haben ein sehr einfaches, nomadisches Leben geführt. Sie waren permanent in Bewegung und auf der Suche nach Nahrung und – viel wichtiger – einer verlässlichen Wasserquelle. Archäologische Funde im Jumeirah-Viertel von Dubai gehen bis ins 1.Jahrhundert zurück. Die frühen Bewohner waren wohl im Kupferhandel aktiv.

Im 19. Jahrhundert waren Deira und Bur Dubai eigenständige Siedlungen auf je einer Seite des Dubai Creek, der gleichzeitig der Hauptverkehrsweg zum Handel im Landesinneren war. Dubai ist ein Teil der „Gewürzstraße“ und der Handel mit Perlen, Datteln, Gewürzen und Fisch war damals und ist bis heute eine wichtige Einnahmequelle.

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Dubai Museum, Foto: desenze

In der Region werden mehr als 120 verschiedene Dattelarten angebaut. Der Dattelbaum ist auch als „Baum des Lebens“ bekannt, weil er Schutz und Nahrung für die Beduinen bietet.

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Datteln im Supermarkt, Foto: desenze

Wer sind die Beduinen und welchen Zusammenhang gibt es zwischen ihrer und der emiratischen Kultur?

Die Beduinenstämme der Bani Yas machen die meisten der großen Stämme in Südarabien aus. The Herrscherfamilien in den Emiraten kommen aus diesen Stämmen und der beduinische Lebensstil ist Teil des kulturellen Mix in Dubai. Beduinen sind bekannt für ihre Gastfreundschaft, Großzügigkeit und ihre enge Familienbindung. Ihre Religion ist der Islam.

Welche Rolle spielen diese Traditionen und die Wüstenkultur im Leben der Emiratis heute?

Traditionelle Aktivitäten der Wüstenkultur sind auch heute noch im Leben der Emiratis präsent. Dazu gehören die Kamel- und Pferdezucht, Kamel- und Pferderennen, die traditionelle Jagd, die Falknerei und traditionelles Handwerk.

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Dubai Museum, Foto: desenze

Welche Arten von traditionellem Tanz oder Musik gibt es hier in den Emiraten? Wo werden sie aufgeführt?

Es gibt traditionelle Tänze wie den Yola (das In-die-Luft-Werfen von Gewehren) und den Ayala (Stocktanz), den Männer bei Festivals und Feierlichkeiten wie Hochzeiten oder religiösen Feiertagen (Opferfest, Ende des Ramadan) aufführen. Es gibt außerdem dem Naeeshat (Haartanz), bei dem die Frauen ihr Haar von links nach rechts schleudern. Traditionelle Musik wird auf Dudelsäcken aus Ziegenhaut und einer Trommel namens Tubla gemacht.

Was hat es mit der traditionellen emiratischen Kleidung auf sich?

Hier in den VAE tragen die Männer traditionell eine Robe mit dem Namen Kandura. Normalerweise ist die Kandura weiß oder sandfarben. In den letzten Jahren sind aber vor allem bei jüngeren Leuten auch Blau- und Gelbtöne beliebt geworden. Die Kandura wird mit der traditionellen Kopfbedeckung, genannt Ghutra, getragen. Diese kann weiß sein, oder mit einem weiß-roten Karomuster, theoretisch auch jede andere Farbe. Früher war das Karomuster ein Hinweis auf Armeezugehörigkeit. Oft sieht man S.H. Sheikh Mohammed Bin Rashid Al Maktoum mit Ghutra und Kandura in derselben Farbe.

Dazu wird normalerweise der Igal getragen, ein schwarzer, gewobener, seilartiger Reifen, der auf dem Kopf platziert wird um die Ghutra am Platz zu halten. Der ursprüngliche Zweck des Igal lag darin, mit ihm – zu einem Achter gelegt – die Kamele an ihren Vorderbeinen anzubinden, um eine Flucht zu verhindern.

Im Laufe der Jahre wurde er praktischerweise auf den Kopf gelegt um die Ghutra zu fixieren, und fand so Eingang in die Männermode.

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Herr Kayed erklärt die traditionelle Kleidung, Foto: desenze

Bei Frauen kann man beobachten, dass sie etwas tragen, was man Abaya nennt, eine lange, schwarze, fließende Robe, die außerhalb des Hauses getragen wird. Sie wird über der Hauskleidung getragen. Die Unterbekleidung ist traditionell eine Kandora für Frauen, im Allgemeinen reich geschmückt und farbig. Auch westlichere Kleidung wie Jeans und T-Shirt sind möglich.

SMCCU Cultural Meals and Tours from Culture Centre on Vimeo.

Die Abaya ist praktisch, modisch, so einzigartig wie jede emiratische Frau, und genügt dabei den Ansprüchen an sittsame Kleidung. Die Abaya wird normalerweise in Kombination mit der Sheyla getragen, die normalerweise schwarz ist, obwohl auch andere Farben nicht unüblich sind. Frauen können ihre Haare am Hinterkopf zusammenbinden und mit einer großen Spange befestigen. Andere machen genau das, und wickeln dann die Sheyla um sicherzugehen, dass die Haare komplett bedeckt sind und sichern die Konstruktion mit einer Haarnadel. Die Abaya ist aber kein Spezifikum der Emirate.

Diese Arten von äußerer Verhüllung können im gesamten Mittleren Osten beobachtet werden wegen ihrer Praktikalität, Undurchsichtigkeit und der Tatsache, dass sie den Vorgaben sittsamer Kleidung gerecht wird. Es gibt außerdem einige zusätzliche Kleidungsstücke wie das Niqab, das wie ein schwarzer Vorhang vor dem Gesicht getragen wird und nur die Augen unbedeckt lässt, die Ghushwa, die nichts anderes ist als eine Sheyla, die über das Gesicht gezogen wird und die traditionelle Burgha, ein ledernes Schild mit eingenähten Metallfäden, das den Nasenrücken und den Mund bedeckt und einen offenen Raum für die Augen lässt. All diese traditionellen Gesichtsbedeckungen können in den Emiraten gesehen werden und stellen sowohl kulturelle Normen als auch Sittsamkeit dar.

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modernes Dubai, Foto:desenze

Welche Unterschiede muss man bei Business Meetings mit Emiratis beachten? Was ist anders als im Westen?

Abhängig von der Person, die man trifft, kann das Treffen sehr formell oder informell ablaufen. Das sollte man beachten: es wird erwartet, ein wenig Small Talk zu betreiben bevor man zum Geschäft kommt, ein Treffen sollte zwischen Gebetszeiten liegen oder es sollten Pausen dafür vorgesehen sein. Wenn man eingeladen wird, die Angelegenheit bei einem Essen zu besprechen, sollte man auf jeden Fall annehmen.

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modernes Dubai, Foto:desenze

Welche Tipps können sie Westlern geben um peinliche / komische Situationen bei Treffen mit Emiratis zu vermeiden?

Man sollte auf jeden Fall versuchen, die Person kennenzulernen, die man trifft. Es ist völlig in Ordnung Fragen zu stellen und besser als spezifische Erwartungen an Verhalten oder Bräuche zu haben.

Es erscheint schwierig, Emiratis persönlich und jenseits der geschäftlichen Ebene kennenzulernen. Gibt es Strategien oder bestimmte Anlässe, bei denen man sich persönlich kennenlernen kann?

Am besten ist es, einem Club beizutreten oder einer Business Association, in der man einheimische Geschäftsleute kennenlernen kann. Man kann auch gesellschaftliche Ehrenämter übernehmen oder an Angeboten wie denen des SMCCU teilnehmen, um die lokale Kultur persönlich und aus nächster Nähe kennenzulernen.

Wir danken Public Republic für das Interview!

Mehr Informationen unter: www.cultures.ae

Kategorien: Frontpage · Lifestyle · Szene · Um die Welt

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