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Identitätsverlust oder multiple Identität im Lande des „Wir sind…“

24 Juni, 2010 von · Keine Kommentare

lego
Foto: jacreative

Wann es mit dem „Wir sind…“ angefangen hat, weiß keiner so genau. Ebenso wenig wann es aufhören wird. Ich kann mich das erste mal bewusst daran erinnern, im Jahr 2005, als der erste deutsche Papst seit fast 500 Jahren gewählt wurde. Sumus papa. Diese Identität ist 5 Jahre später ins Schwanken gekommen.

Immer wieder lösten die Aussagen des Papstes heftige Debatten aus. Erstmal war es ein Zitat aus einer mittelalterlichen Streitschrift über Mohamed kurz vor seinem Besuch in der Türkei. Dann war es die falsch aufgefasste Aussage über die Nutzung von Kondomen und dass sie das AIDS-Problem nicht löst, sondern nur verschärft. Hinzu kamen noch die Williamson-Affäre, ebenso wie die Enthüllungswelle über Missbrauchsopfer in der katholischen Kirche.

Papst sind wir dann also nicht mehr so gerne. Na gut, dann sind wir eben Lena. Lena und Satellite sind also die musikalische Europäische Vision 2010 und Deutschland. Aber was ist Lena? Lena, die den „möglichst breiten Geschmack“ trifft, die „Gebrauchs-Pop“ mit ihren Songs liefert. „Sie hat was“ sagen viele, aber was?

Ist das eine Celine Dion Nachfolgerin? Zu viele Fragezeichen als ein Absatz sie ertragen kann. Lena ist das, was wir auch sind oder besser formuliert: jeder bekommt den Star, den er verdient hat. Am Flughafen wird sie vom Präsidentenkandidaten Christian Wulff persönlich empfangen.

Ah ja, wir sind auch nicht mehr Horst Köhler und am 2. Juli sind wir aber sowohl Wulff als auch Gauck, zumindest auf dem traditionellen Sommerfest im Schloss Bellevue. Und wer wem im politischen Spektrum näher steht wird ebenfalls Ende des Monats klar werden. Seit einer Woche sind wir auch Südafrika und ob wir es noch länger sind, sehen wir dann spätestens am Mittwoch.

Und ich dachte die multiple Identität gäbe es nur bei den Menschen mit Migrationshintergrund. So die Wissenschaft. Man traut sich den Begriff nicht all zu oft zu verwenden, weil er sich wegen der Analogie zur multiplen Sklerose zu negativ und abstoßend anhört. Womöglich fühlt es sich auch so an.

Sonst würde man ja doch auch mal die Aussage machen „Wir sind die Türken“ oder „Wir sind die Italiener“, „Wir sind die Deutsch-Russen“. Es scheint also leichter der Papst, Lena oder Köhler zu sein, aber nicht der Nachbar, obwohl er es doch auch ist. Keine Angst, das ist keine Integrationsmahnschrift, sondern bringt die gute Wir-Nachricht am Ende mit sich:

„Ich bin ich und Du bist Du. Wer ist doof?“
„Wir.“

Kategorien: Frontpage · Lebensfragen · Modern Times

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