Zu Favoriten hinzufügen
Public Republic random header image

Joanna Kott : “Die Welt ohne Kunst… wäre eine arme Welt.”

20 März, 2010 von · 6 Kommentare

Joanna Kott

Joanna Kott ist eine Künstlerin mit schlesischen Wurzeln, die als Kunstdozentin in Düsseldort arbeitet. Joanna Kott wurde als Jurymitglied für den Wettbewerb „Licht als Inspiration“ der internationalen Art Association Sunflowers benannt.

Stellen Sie sich kurz vor. Was ist das Wichtigste, was man über Sie wissen sollte?

Mein Name ist Joanna Maria Kott, ich bin mit 8 Jahren aus Polen nach Deutschland gekommen, habe in Dortmund Kunst und Sozialpädagogik studiert und bin schließlich in Düsseldorf gelandet. Als freischaffenden Künstlerin, Kunstdozentin/Kunstpädagogin sowie Dozentin für Deutsch als Zweitsprache (DaZ) leite ich verschiedene Projekte im Bereich Kunst und Sprache.

leinwand_sturm2

Einfacher ist Kunst zu machen oder Kunst zu unterrichten? Mit welcher Tätigkeit identifizieren Sie sich mehr?

Die Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Denn wenn ich Kunst mache, bin ich diejenige, die etwas entstehen lässt, die den Dialog mit dem Werk führt, die Entscheidungen trifft. Wenn ich aber mit Kindern und Jugendlichen arbeite, fungiere ich eher als Beobachter und Begleiter des kreativen Tuns.
Bei allen Projekten ist es mir sehr wichtig, das kreative Potenzial in jedem zu ent-decken. Ich verstehe mich als „Motor“ oder „Katalysator“.

LernFerien08_maries sulptur

Welchen Bezug haben Sie zum Konzept der Internationalen Assoziation für Kunst und kulturellen Austausch Sunflowers?

„Believe in yourself, believe in your art“, ist genau mein Credo, das ich in meinen Projekten Kindern und Jugendlichen beibringen möchte! Ich verstehe mich als Katalysator, Motor: ich treibe die Kinder und Jugendlichen an, selbst etwas zu kreieren und bestärke sie in ihren Ideen.

Was motiviert Sie im Besonderen, Jurymitglied für das Wettbewerb „Light as Inspiration“ der Art Association Sunflowers zu sein? Welchen Wert hat das Licht für Sie?

Als Jury-Mitglied bin ich auf die Umsetzung des Themas, auf die Ideen der Künstler sehr gespannt und freue mich auf die Werke.

orchidee_magenta

Erzählen Sie uns etwas über Ihre kunstpädagogischen Projekte?

Ich biete unterschiedliche Projekte an: da gibt es den Kunstkurs „Picassos Welt“, in dem Kinder den Künstler und sein Werk hautnah erleben. Durch eine Brille sehen wir alles „blau“ und später „rosa“, verkleiden uns und stellen die Bilder nach und gestalten natürlich eigen kleine und große „Kunstwerke“, wobei der Künstler mit seinem unermüdlichem Erfindungsgeist unser Vor-Bild ist, nicht das Bild selbst!

Wir malen also nicht „nach“, sondern er-finden eigene Bilder, die sich Werk des Künstlers orientieren.

Oder das Projekt „Nikis Welt“ für den Grundschulbereich: die Kinder betreten den vorbereiteten Raum durch einen bunten Streifenvorhang und betreten das Reich der farbenfrohen Künstlerin. Sie lernen die Künstlerin und ihre Werke kennen und gestalten abschließend eine eigenen Skulptur, ein großes Herz „a la Niki de Saint Phalle“…

leinwand_sturm3

Oder das Projekt „St.ART – Stark durch meine ART“, das ich für die LernFerien NRW konzipiert habe, in denen sich z.B. versetzungsgefährdete Jugendliche eine künstlerische Herausforderung suchen und diese bewältigen… Ziel des Projekts ist, über die Auseinandersetzung mit dem Material herauszufinden, dass man am Material -ebenso wie an sich selbst – arbeiten muss, um etwas zu erreichen.

Oder das Projekt „InterKuLTour Düsseldorf“ (Inter = zwischen Kunst und Literatur) in der unbegleitete Flüchtlinge ihre neue Heimat (Düsseldorf) durch eine Erkundung der Stadt kennen lernen, interessante Orte für sich entdecken und die Ergebnisse in Schrift und Bild dokumentieren. Entstanden sind bereits ein interkultureller Kalender (2008) sowie ein Comic (2009).

Wie gehen Sie mit jungen Talenten vor? Wodurch fördern Sie die Ausdruckskraft und die Entwicklung des schöpferischen Potenzials von Jungendlichen?

Ich versuche, das Beste aus dem Kind/Jugendlichen rauszuholen, heraus zu kitzeln, Freude am Gestalten, am Umgang mit dem Material, am Experimentieren zu erreichen. Viele lehnen das Gestalten ab, weil sie sich nicht genügend zutrauen, oder in der Schule im Kunstunterricht schlechte Noten haben. Dabei steckt in jedem ein kleiner „Künstler“.

meer_quer2_bearb2

Während die jüngeren Kinder noch sehr offen und neugierig sind und sich auf Kunst einlassen, sind Jugendliche sehr kritisch und trauen sich kaum etwas zu. Das Problem der Diskrepanz zwischen dem “darstellen wollen und darstellen können” ist bei dieser Altersgruppe in der Kunstpädagogik bekannt. Ich versuche jedem klarzumachen, dass jeder in der Lage ist, etwas zu er-schaffen und biete alternative Ausdrucksmöglichkeiten an. Man muss sich auf das Material einlassen, sich mit diesem auseinander setzen, es beobachten und damit experimentieren. Die Jugendlichen suchen sich eine Herausforderung – und am Ende des Projektes sind alle sehr stolz auf ihre Ergebnisse und präsentieren diese in einer Galerie den interessierten Müttern, Vätern und Lehrern.

Was motiviert Sie?

Der Erfolg! D.h. zu sehen, dass es sich immer wieder lohnt, jeden einzelnen persönlich anzusprechen und zu ermutigen, etwas darzustellen, verbunden mit dem Wissen, dass jeder einzelne etwas schaffen kann und somit Selbstvertrauen gewinnt, das ihm vielleicht bei der Bewältigung anderen Aufgaben hilft.

orchidee_aquarell2

Sie befassen sich mit mehreren Kunstgattungen – Graphik, Skulptur, Malerei. Was bedeutet die Kunst für Sie?

„Kunst ist nicht alles – aber ohne Kunst ist alles nichts“. Die Welt wäre eine langweilige Welt ohne Kunst. Kunst ist eine Bild-Sprache, die es jedem ermöglicht, etwas darzustellen, von sich zu geben oder über sich zu erfahren. In meiner Kunst „malt die Situation mit“. Das bedeutet, dass ich mich nur und erst dann auf mein Tun einlassen und konzentrieren kann, wenn meine Gedanken nicht um etwas anderes kreisen. Wenn mich etwas anderes beschäftigt, bin ich „nicht bei der Sache“, sondern wo anders….

Erst nach der Klärung kann ich mich auf den Malprozess einlassen und Werke entstehen lassen. Sie resultieren aus dem reflektierten Gedankenprozess. Somit kann ich mich voll und ganz auf das Bild einlassen, den Dialog zwischen mir und dem Bild führen, Entscheidungen treffen… Die Titel meiner Bilder entstehen dabei spontan, sie sind lediglich MEINE Eindrücke. Das Bild muss der Betrachter aber für sich selbst „vollenden“.

Im Rahmen meiner Staatsarbeit habe ich mich mit dem Thema „Heimat“ auseiandergesetzt. Da ich als Kind meine Heimat verlassen musste, war das Wort für mich eine „Tabula rasa“.

Ich wollte herausfinden, was diese Heimat ausmacht, hatte ich doch nur bruchstückhafte Erinnerungen an sie. Ich fuhr also nach Polen an die Orte meiner Kindheit und setzte mich dort mit diese auseiander. Entstanden sind serielle Arbeiten am Gegenstand, sei es eine Schaukel, eine alter Küchenhocker oder die alte Gartenbank… Die Erinnerungen kehrten zurück, ich konnte die „Tabula rasa“ mit Zeichen füllen. Ich war zufrieden, erfahren zu haben, woher ich eigentlich komme.

strum9

Das Licht ist… lebensnotwendig, ist die Basis des Lebens. Licht spendet Kraft, Power, Lebensenergie. Wir brauchen das Licht, die Sonne, um glücklich zu sein. Das Thema eröffnet den Künstlern sehr viele Möglichkeiten der Ideenfindung und – umsetzung.

Die Welt ohne Kunst… wäre eine arme Welt!

Ich wünsche mir… gute Kunstlehrer!

Ich träume von… einer gerechten Welt.

Kategorien: Art Café · Frontpage · Visual Arts

Tags: ,

6 Kommentare bis jetzt ↓

  • Maveroux // 21 Mrz, 2010 //

    Glückwünsche für das tolle Interview und Alles Bestens für das super interessante Projekt Sunflowers!

  • Vanya Nikolaeva // 21 Mrz, 2010 //

    Vielen Dank für den Kommentar, Maveroux, und danke an Paulina Tsvetanova, mit der wir das Interview durchgeführt haben.

  • Joanna Kott // 22 Mrz, 2010 //

    Liebe Frau Nikolaeva!
    Ich danke Ihnen für diesen Artikel! Aber das Interview haben Sie doch mit mir geführt ?!? ;-)

  • Vanya Nikolaeva // 22 Mrz, 2010 //

    Paulina Tsvetanova und ich – zusammen ;) :)
    Pozdrawiam serdecznie!

  • Teresa Kozacka -Pietryga // 30 Mai, 2010 //

    Hallo Joanna ich bin stolz auf Dich .Super dass Du so viel erreich hast Herzlichen Glückwunsch.Mach weite so. Teresa .
    p.s. serdeczne pozdrowienia dla Mamy Pa !

  • Joanna Maria Kott // 21 Jun, 2010 //

    Endlich habe ich diesen Kommentar gefunden! Ich danke euch von Herzen und hoffe, es geht euch allen auch so gut, wie mir!
    Mehr über mich und meine Arbeit unter www. joannakott.de, email an info@joannakott.de. Bin auf euch gespannt!
    liebe Grüße an alle! Asia ;-)

Kommentar schreiben