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Krassimir Avramov: Ich mag es geliebt zu werden

14 April, 2009 von · 1 Kommentar

Interview von Tatyana Pedersen mit Krassimir Avramov
Übersetzung: Rossitza Yotkovska


Photo: Vassil Karkelanov

Wir haben viel über die glänzende Laufbahn von Krassimir Avramov und seine Vieroktavenstimme gelesen – über seine Karriere als Mime und Produzent in Bulgarien, über seinen wahrgewordenen amerikanischen Traum, über seine zahlreichen Konzerte und Preise und über sein Leben unter den Stars in Los Angeles.

Seit einem Monat ist Krassi in Sofia, hat ein neues Album sowie sein Lied für den Eurovision Song Contest ´09 vorbereitet.

Ich versuche zu verstehen, was für eine Persönlichkeit Krassi ist, was ihn bewegt und motiviert und warum wir bei diesem Prestigewettbewerb für ihn stimmen müssen.


Концертът в Kodak Theater
Foto: Das Konzert im Kodak Theater

Krassi, du hast Engagements in Los Angeles und Las Vegas. Was hat dich dazu bewegt, nach Bulgarien zurückzukehren?

Ich kam während der letzten Jahre ein paar Mal ins Land zurück, um neue Alben zu präsentieren oder an Konzerten teilzunehmen. Ich habe mir gewünscht, Zeit zu finden und länger – nicht nur als Durchreisender – in meiner Heimat zu bleiben.

Außerdem wollte ich meinen Eltern und Freunden mehr Zeit schenken. Im Sommer, als ich mit meiner Familie in Slanchev Brjag Urlaub machte, kam mir die Idee, mit einem eigenen Lied am Eurovision Song Contest teilzunehmen.

Das Lied, mit dem ich mein Land in Moskau erfolgreich vorstellen will, heißt „Illusion“, Text und Musik sind von mir.


Foto: Das Lied „Illusion“, mit dem Krassimir Avramov Eurovision 2009 Bulgaria gewann.

Das Lied läuft schon auf bulgarischen Rundfunkstationen und ich bekomme ganz gute Kritiken dafür. Auf der CD gibt es auch Club Remixe.

Krassi hat mir Fotos vom Videoclip des Liedes gezeigt, und ich kann den Clip nur auf eine Weise beschreiben – grandios! Darin ist er ein Ritter, aber mein Eindruck ist, dass dies nicht nur eine Rolle, sondern ein Teil seiner Welt ist – er ist bereit, um das, was er liebt und schätzt, zu kämpfen.

Jetzt, wo du schon in Bulgarien bist, hast du mehr Zeit für Verwandte und Freunde?

Ich habe so viele Engagements, dass mir wieder nicht genug Zeit für sie bleibt.

Meine Mutter wohnt in Sofia und wir sehen uns ein paar Mal in der Woche, aber die Zeit reicht nie aus. Wir telefonieren allerdings jeden Tag; genauso wie zu der Zeit, als ich in Los Angeles wohnte.

Ich habe sie mit meinen Anrufen sehr „verwöhnt“, und falls ich einen Tag nicht anrufe, beginnt sie, sich Sorgen zu machen und selbst anzurufen. Meine Mutter ist eine geistig sehr starke Frau, für mich war sie immer Inspiration und Unterstützung.

Meine Oma (seitens seiner Mutter – Anmerkung des Redakteurs), die ich sehr liebe, wohnt in der Stadt Sliven, und ich kann sie leider nicht so oft sehen. Sie ist mein größter Fan, sie glaubte schon an mich und an mein Talent als ich noch klein war, sie hat mich ermutigt und unterstützt.

In ihrer Familie singen alle, meine Mutter war Volkssängerin, ich bin mit dem bulgarischen Volkslied aufgewachsen. Unser Haus war in der Nähe vom Bahnhof in Sliven, dort wo das Romaviertel begann.

Jeden Tag gab es irgendwelche Feiern, abends hörte man Bauchtanzmusik und Romalieder, die den gegenwärtigen bulgarischen Folkliedern ähneln.

Erzähle mir über deinen Vater. Ich habe irgendwo gelesen, dass du die Scheidung deiner Eltern als sehr schwer erlebt hast.

Ja, es war für mich sehr schwer nach ihrer Trennung. Es gab Jahre, in denen ich diese Scheidung nicht verstehen konnte, ich war erst 6, als meine Mutter mit uns nach Sofia ging, und mein Vater in Sliven blieb.

Ich war sehr traurig wegen meines Vaters, er fehlte mir sehr, und ich denke, ich habe ihm die Trennung vorgeworfen.

Am schmerzlichsten empfand ich aber das Misstrauen und die Geringschätzung meines Vaters meinem Talent gegenüber, er wollte, dass ich im Glühlampenbetrieb in Sliven arbeite und wie er zum Chef werde.

Erst viele Jahre später habe ich gelernt, meinen Vater als Freund wahrzunehmen. Ich habe verstanden, dass er mich sehr liebt und dass er alles, was die Presse über mich schreibt, sammelt.

Mein Vater kann nicht singen, aber ihm singt das Herz, er ist ein sehr guter Maler, dieses Talent sowie die Fähigkeit, auch in den schwierigsten Augenblicken zu lächeln habe ich von ihm geerbt.

Das zeigt mir, dass du schon als Kind den Wunsch hattest, populär zu sein?

Ich habe immer gewusst, dass ich eines Tages berühmt werde. Ich erinnere mich, dass ich mich, wenn wir Reisen machten, hinter den Bussen versteckte und als letzter erschien, da ich erwartet und bei meiner Ankunft gesehen werden wollte.

Wann entstand dein Wunsch, dich vor Publikum zu beweisen, wie haben dich deine Mitschüler wahrgenommen?

Schon in der ersten Klasse haben sie mich zum Spaßmacher der Schule erklärt. In der dritten Klasse begann ich, Sketche zu schreiben. Ich erinnere mich an einen, er hieß „Der Bankräuber“. Ich führte ihn auch auf den Stadtfesten auf und hatte großen Erfolg damit, die Leute standen auf und klatschten Beifall.

Was für ein Kind warst du?

Ich mochte es, im Mittelpunkt zu stehen und die Begeisterung der anderen zu genießen.

In der Schule und auf der Straße war ich sogar der Anführer einer Jungenbande, dessen Ziel es war, den alten Menschen Hilfe zu leisten. Wir nutzten die „Organisation” auch dazu, manchen Unfug zu treiben.

Wie verstehst du dich mit deinem Bruder, er ist nur ein Jahr jünger als du?

Mein Bruder und ich standen uns immer sehr nah, wir vertrauen einander alles an. Leider gelang es ihm bisher noch nicht, mich in Los Angeles zu besuchen, aber ich telefoniere jeden Tag mit ihm.


Mit seinem Bruder Dean

Was für Erinnerungen hast du an deine Kinderjahre in Sliven?

Jedes Wochenende ging ich zu den Eltern meiner Mutter. Sie hatten eine Berghütte über Sliven, in der Gegend „Sinite Kamani“. Die Natur dort ist erhaben.

Ich liebte es, mit meinem Opa zu spielen, der leider sein Gehör verloren hatte. Er war wohl der Grund, dass ich begann mir Zeichen und Grimassen auszudenken, so entstand, denke ich, mein Interesse an der Pantomime.

Krassi zeigte mir Fotos aus seiner Kindheit.


Krassi als Kind

Das ist Zheravna, in der ersten Klasse waren wir dort im Ferienlager. Diese Reise ist unvergesslich für mich, hier habe ich mich zum ersten Mal verliebt und zum ersten Mal ein Mädchen geküsst.

Wenn ich nach Bulgarien zurückkehre, besuche ich immer gerne die Ortschaften aus meinen Erinnerungen. Mein Herz war voller Schmerz, als ich diesen Ort halb zerstört vorfand.
Wahrscheinlich war es während einer solchen Reise, dass ich mich dazu entschieden habe, längerfristig nach Bulgarien zurückzukehren und zu beginnen, auf eigene Weise für mein Land zu arbeiten.

Du warst sehr berühmt in Bulgarien, warum hast du dich dazu entschieden, 1998 nach Amerika zu gehen?

Ich war wirklich populär, ich hatte die Möglichkeit, Konzerte und Vorstellungen zu geben und ich habe eine der ersten Realityshows im Fernsehen produziert.

Ich erinnere mich, wie ich nach einem Gespräch mit einem berühmten Kollegen von mir damit begann nachzudenken. Er sagte mir, dass er die Spitze seiner Karriere erreicht habe, da er ein wunderschönes Haus hatte, viel Geld und da alle ihn kannten.

Für mich waren die materiellen Dinge nie ausschlaggebend, sie kommen mit dem Erfolg. Ich freue mich über den Luxus, aber mein Ziel war es nie, reich zu werden. Ich wollte immer auf der Bühne vor dem Publikum sein, das macht mich glücklich.

In jenen Jahren hielt ich mich oft fern vom Lärm, ich zog mich in einen einfachen Bungalow an einem verlassenen Strand zurück. Ich brauchte nur das Meeresrauschen, die Einsamkeit. Ich suchte meinen Weg im Leben, das echte Glück.

In meiner Arbeit als Mime habe ich Genugtuung gefunden, aber ich fühlte und wusste, dass ich mehr will und mehr kann. Ich träumte von größeren, internationalen Bühnen, wollte auch singen.

Die Pantomime liegt mir im Blut, und die Musik – in meinem Herzen. Dem Weg meines Herzens folgend kam ich nach Amerika und entschied mich, dort zu bleiben.

Wie hat Amerika dich aufgenommen?

Amerika hat mich zum Guten geändert, gab mir die Möglichkeiten, die ich suchte.

Es hat mich mit dem Verhältnis der Menschen, mit ihrem Wohlwollen und positivem Denken erwärmt. In Los Angeles ist es sehr schwer, erfolgreich zu werden, das Leben ist hart, die Konkurrenz ist groß, aber jeder bekommt seine Chance, wenn er ausreichend Geduld und Glück hat.

Trotz aller Schwierigkeiten, wenn du morgens deine Augen aufmachst und auf die Terrasse gehst, wärmt dich die kalifornische Sonne und die Luft von Los Angeles erfüllt dich mit Hoffnung. Das ist eine treibende Energie, sie gibt dir Kraft, dich über das Leben zu freuen und an deinen Erfolg zu glauben. Jeder Tag, den wir mit einem Lächeln beginnen, bringt neue Chancen.


Foto: Malte Möller

Du hast den schweren Anfang und das Glück erwähnt, das dich mit einer berühmten Sängerin aus der Vergangenheit zusammengebracht hat, die dir angeboten hat, in ihrem Haus in Hollywood zu wohnen. Erzähl mir von ihr. Wie hast du deine Managerin Irena Alexandrova kennen gelernt?

Ich bin Joy sehr dankbar, dass sie mir angeboten hat, auf ihrem Anwesen in Hollywood zu wohnen.

Die Möglichkeit, inmitten der Stars des Showbusiness zu wohnen, war der erste entscheidende Schritt zum Erfolg und zu einem ganz anderen sozialen Umfeld. Wenn du in der Stadt als Kellner arbeitest, erscheint dir Hollywood als sehr nahe, aber unerreichbar.

Die Freundschaft zu Joy hat mir geholfen, mich in Hollywood niederzulassen, ohne die Ängste der Emigranten bezüglich Unterkunft und Unterstützung in schwierigen Augenblicken zu haben.

Meine Managerin Irena habe ich auf einer Party kennen gelernt, auf die ich zufällig geriet. Schon von Anfang an gab es eine starke emotionelle Verbindung zwischen uns. Irena bewundert meine Stimme und hat an mich geglaubt, sie ist auch heute noch die wichtigste und nahe stehendste Freundin in Los Angeles.

Mit ihr und durch sie gelang es mir, die richtigen Menschen, das starke Team, mit dem ich zurzeit arbeite, zu finden.

Ich habe über das Leben von Irena in der High Society gelesen, ich habe Fotos von ihr mit vielen Hollywoodstars gesehen, darunter Brad Pitt, Sean Penn und viele andere. Besuchst du auch Partys in dieser Gesellschaft?

Ich versuche, gesund und angemessen zu leben. (er lacht)

Mir gefällt das Leben in Los Angeles!

Ich habe mich immer für die Karrieren bekannter Persönlichkeiten interessiert. Ich wollte aus ihren Erfolgen und Fehlern lernen.

In Hollywood ist es schwer, echte Freunde zu finden, ich bin mehr als glücklich, dass ich schon von Anfang an Menschen getroffen habe, auf die ich mich verlassen kann.

Ich bin der Mutter von Sylvester Stallone, Jacqueline, sehr dankbar, die mir mit Kontakten und Engagements hilft.

Ich treffe mich oft mit Sean Penn. Am Abend, vor der Oscar-Zeremonie, waren wir in seinem Haus. Ich war ganz sicher, dass er gewinnen würde, er selbst glaubte nicht, dass er den Oscar bekommen würde.

Ich habe mich oft mit Mila Jovovich getroffen, genauso wie mit Nicole Kidman und Brad Pitt. Es ist mir eine Freude, Kontakt zu Lisa Marie Presley zu haben. Ich habe vor kurzem an einem Film über Elvis Presley teilgenommen, für Lisa war es wirklich nicht leicht, der Name und das Talent können eine ziemlich schwere Last sein, obwohl sie auch Türen öffnen.

Die Hollywoodstars stehen unter ständiger Beobachtung, sie arbeiten viel und wollen, dass der Erfolg ewig ist, genauso wie die Jugend und das Interesse an ihnen. Es ist wirklich schwer, 24 Stunden makellos zu sein.

Der Ruhm hat auch einen brutalen Preis… Sieh dir an was mit dem fantastischen Heath Ledger geschah, schade um sein Talent, ich habe ihn nur paar Wochen vor seinem Tod gesehen!

Es ist ein bisschen seltsam für einen jungen Mann, sich nur mit Freunden zu unterhalten, zu Hause zu bleiben und zu lesen…

Erzähl mir von einer Party.


Krassi auf einer Party mit seiner Managerin Irena Alexandrova

Ich ziehe es wirklich vor zu arbeiten und unter Freunden zu sein, aber jetzt, da du mich fragst, erinnere mich an ein interessantes Erlebnis.

Irena und ich kamen von der Arbeit zurück und sahen, dass bei unseren Nachbaren alles mit Fackeln beleuchtet war, es fuhren glänzende Limousinen vor. Wir waren sicher, dass das etwas Besonderes war und entschieden, uns umzuziehen und ohne Einladungen hinzugehen.

Schon am ersten Portal wurden wir seltsam gemustert, aber das hat uns nicht gestört – wir waren so entschieden, reinzugehen, wir sahen auch hervorragend aus, besonders Irena.

Misstrauisch waren auch die Blicke des Personals, das dann die Autos von denen parkte, die uns auf das Anwesen fuhren. Wir behaupteten aber selbstsicher, dass wir eingeladen seien, es gelang uns sogar, den Vornamen des Geburtstagskindes zu erfahren. Bei den nachfolgenden Aufforderungen, uns auszuziehen, haben wir lediglich unsere Jacken abgelegt.

Als sich vor uns die Tür zum Garten öffnete, schauten sich alle Gäste zu uns um. Ich wünschte mir, vor Scham im Boden zu versinken!

Vor uns gab es ungefähr 150-200 Menschen, die nur mit Palmblättern bedeckt waren oder Badebekleidung trugen – das Motto der Party war Hawaii, es war mehr als offensichtlich, dass wir nicht eingeladen, sondern dass wir ganz einfache „crusher“ oder Eindringlinge waren.

Wir begannen, jedem zum Geburtstag zu gratulieren, der uns ansprach, wir wussten nicht einmal, wie das Geburtstagskind aussah. Wir überlegten, was wir machen könnten, um aus der peinlichen Situation herauszukommen. In diesem Augenblick kam ein Herr zu uns, der sich als der Hausherr erwies und flüsterte nur: “Ich weiß nicht wer Sie sind, aber verhalten Sie sich anständig”.

Es gelang uns, ihn davon zu überzeugen, dass wir Nachbaren sind und dass ich Sänger bin. Von Ohr zu Ohr verbreitete sich die Nachricht, dass ich wunderschön singen könne, in weniger als einer halben Stunde zog mich das Gedränge ins Wohnzimmer und forderte mich auf: „Sing!“

Ich erinnere mich nicht mehr, wie ich vom leichten Schock, dass ich im Smoking vor halbnackten Menschen stand, wieder zu mir gekommen bin, aber ich begann den Refrain von „Romeo und Julia” zu singen. Das Publikum war begeistert.

Nach meiner Aufführung kamen Menschen zu mir, und begrüßten mich. Es stellte sich heraus, dass der Hausherr der Eigentümer des Champagners „Corbel“ ist und dass er die Creme de la creme der Hollywood-Gesellschaft auf die Party eingeladen hatte.

Durch ihn hab ich auch kurze Zeit später Herrn Kim kennengelernt, den Produzenten des Albums „Popera“.


Foto: Malte Möller

Wie viel Zeit hat es dich gekostet, den Produzenten davon zu überzeugen, das Album zu machen?

Es war nicht leicht, Herrn Kim zu überzeugen, das Album zu finanzieren. Er bewunderte meine Stimme, versprach, mir zu helfen, aber nach zwei Jahren Warten entschied ich, selbst etwas zu unternehmen. Es war schrecklich, in Hollywood zu sein und fast zu verzweifeln.

Ich fand Arbeit auf einem Fischereischiff in Alaska – ich berechnete, dass ich so in nur ein paar Monaten genug Geld für das Album sammeln könnte. Die schwere Arbeit konnte mich nicht erschrecken, ich war auf alles gefasst. Ich wollte „Popera“ herausgeben!

Mit dem Ticket in der Hand und gepacktem Koffer durchquerte ich das Büro des Produzenten und erklärte, dass ich abreisen würde.

In diesem Augenblick begann Herr Kim etwas zu schreiben und reichte mir einen Scheck!

Ich verstummte, und er teilte mir mit, dass er jetzt nicht nur an mein Talent glaube – meine Entschiedenheit habe ihn überzeugt, dass ich den Erfolg wirklich will. Er habe viele Menschen produziert, die aber nur ihr Album herausgeben wollten, ohne der Musik gewidmet zu sein.

Meine Ausdauer und meine Gewissheit seien der Beweis, dass ich wirklich erfolgreich sein wolle und dass ich für die Musik lebe.

Es folgen Konzerte, verdiente Preise und Erfolge…

Ja, so kam es bis zu meinem Konzert im Kodak Theater, nur wenige Tage vor der Zeremonie zur Oscarverleihung.

Du hast mir gegenüber etwas von Anastacia erwähnt. Wie habt ihr euch kennen gelernt?

Das ist eine etwas komische Geschichte. Ich suchte jemanden, der mein Konzert eröffnen konnte. Ich hatte einige ihrer Demoaufnahmen gehört und ihre Stimme gefiel mir sehr, ich wollte einem begabten Mädchen helfen und entschied mich, sie zu engagieren.

Ich hatte keine Ahnung, dass sie in Europa so berühmt ist. Ich war sehr erstaunt, als sie sagte, dass sie der Star ist. Wir haben uns damals verpasst, aber ich hoffe, dass wir einmal gemeinsam an einem Konzert teilnehmen oder ein Duett machen werden.


Foto: Malte Möller

Ich sehe, dass du dich in Los Angeles heimisch fühlst. Fehlt es dir?

Mir fehlt die Sonne, was ich schon erwähnt habe, und mir fehlt meine Katze, die sehr launisch ist. Jemand hat ihr beigebracht, Bier zu trinken und sie quält mich, bis ich ihr die Flasche öffne! Stell dir mal vor, ich kaufe Bier für sie!

Meine Schüler fehlen mir sehr. Ich unterrichte sie nicht nur in Pantomime, wir reden miteinander auch über die Lebenshindernisse auf dem Weg zum Ruhm, überhaupt über das Leben.

Meine Schüler, die zwischen 7 und 14 Jahre alt sind, und ich stehen uns sehr nahe, ich bin mir der großen Verantwortung, die ich als Lehrer und Mentor nicht nur für ihre Karrieren, sondern auch für den Aufbau ihrer Persönlichkeiten trage, bewusst.

Möchtest du Kinder haben?

Ja, möchte ich. Meiner Meinung nach gibt es keinen richtigen Augenblick, Kinder zu haben, wichtiger ist es, den richtigen Menschen zu treffen, mit dem du Kinder haben kannst.

Bedeutet das, dass du noch nicht die Frau deiner Träume getroffen hast, falls es die überhaupt gibt?

Wahrscheinlich habe ich das noch nicht. Die Liebe ist etwas Herrliches, die Frauen sind meine Inspiration.

In diesem Augenblick der Aufrichtigkeit zeigt mir Krassi Fotos seiner Ex-Freundinnen.
Als ich vor dem Interview Informationen über Krassi sammelte, konnte ich nirgendwo etwas über die Frauen in seiner Nähe lesen. Nur Vermutungen über seine Beziehungen mit einer oder zwei populären bulgarischen Sängerin, aber nichts Konkretes…

Krassi zeigt mir Fotos von Frauen – natürliche, ganz normale, bezaubernd, und überhaupt nicht a la Hollywood.


Krassi und Lisa Marie Presley

Er sieht mein Erstaunen und antwortet mir noch bevor ich meine Frage gestellt habe…

Mir gefällt das Glänzende nicht, sondern eher das Echte – wenn es sich um mein Herz handelt. Für mich ist die Liebe ein chemischer Moment, bei mir werden die Gefühle im Laufe einer Beziehung stärker. Ich mag es, meine Freundinnen zu verwöhnen, aber ich mag es auch geliebt zu werden.

Wenn du berühmt bist, ist es schwierig zu unterscheiden, welche Frau sich wirklich für dich interessiert. Vielleicht lasse ich auch deshalb schwer jemanden in mein Herz, ich brauche Zeit, um einen Menschen kennen zu lernen.


Auf einem Wohltätigkeitsereignis in Hollywood mit Sabrina Parisi

Gab es Dramen und Tragödien bei den Abschieden?

Ich liebe leidenschaftlich und bin sehr treu und der Beziehung hingegeben. Jeder Abschied tut weh und hat einen bitteren Beigeschmack. Zum Glück gelang es mir bis jetzt, Freund oder zumindesten in guter Beziehung mit meinen Ex-Freundinnen zu bleiben. Ich telefoniere gerne mit ihnen, wir sehen uns sogar.

Gibt es eine offene Geschichten, eine Frau, zu der du zurück möchtest?

Nein, Vergangenheit ist Vergangenheit, ich will nicht in alten Gefühlen graben. Ich habe die guten Erinnerungen erhalten und sehe nach vorne.

Weiß du, was den Frauen an dir gefällt?

Nein, aber mir gefällt es, gemocht zu werden… möglicherweise gefällt ihnen meine Rätselhaftigkeit… oder, dass ich sehr gut kochen kann… meine „Mussaka“ ist die beste, sogar meine Oma gab das zu…

In diesem Augenblick ging mir durch den Kopf wie sehr sich Krassi dem idealen Traumbild eines Mannes nähert.

Das teile ich ihm nicht mit, natürlich nicht, sondern ich sehe mir die Fotos weiter an, ich suche etwas von seiner “dunklen Seite“, etwas, das ihn nicht so perfekt macht.

Ich kann nichts finden und wechsle das Gesprächsthema von Mussaka-Rezepten zu Shopping – Leidenschaft für die Frauen und Grauen für die meisten Männer.

Gehst du gern einkaufen? Hast du jemanden, der für dich einkauft?

Ich verfolge die Werbung, ich will alles kaufen, tue es aber nicht, damit ich nicht dieselben Sachen trage, wie die anderen um mich herum.

Ich bin sehr unschlüssig, wenn ich einkaufe, oft berate ich mich mit Freunden. Für die Bühnenbekleidung habe ich Designer, die diese nach meinen Wünschen anfertigen.

Lange Zeit haben sie mich mit Roberto Cavalli ausgestattet, man hat eine Promotion für mich gemacht, indem man beim Einkauf in den Geschäften in Los Angeles eine meiner CDs verschenkte.


Vor der Boutique Just Cavalli in L.A.

Zurzeit trage ich gerne sportlich-elegante Sachen, ich mag schwarz, suche aber interessante Elemente in der Bekleidung, ich mag keine ganz einfach gestalteten Sachen.

Qualitätsmaterialien und -produkte sind mir wichtig, ich mag Italien, die italienische Mode und die italienische Küche.

Wir beginnen irgendwie über Torten und Schokolade zu sprechen, und es stellt sich heraus, dass genau das sie süße Versuchung für Herrn Avramov ist! Er erzählt mir aber gleich, dass ihm diese Leidenschaft keine Angst macht, da er regelmäßig trainiert, in Los Angeles hat er einen persönlichen Trainer.


Mit seinem eigenen Trainer in L.A.

Es wundert mich, wie konnte ein so interessanter und romantischer Mann so lange allein gelassen werden…

Existiert Evita, über die du in „Illusion“ singst?

Hm, wer ist Evita… Nein, es gibt keine solche Frau. Evita hat etwas von allen Frauen, die ich geliebt habe und lieben will…

Zurzeit sind die Arbeit und die Musik meine Leidenschaft. Ich wünsche mir sehr, unser Land beim Eurovision Song Contest vorzustellen.

Wie stellst du dir die perfekte Frau vor?

Ich möchte, dass die Frau neben mir zart ist, aber auch ein bisschen dominant, beharrlich, aber nicht starrsinnig. Es ist schwer, eine Frau mit Worten zu beschreiben.

Ich sehe die Frauen in Farben, Melodien und Düften. Wie der Maler vor seinem Bild, wie der Komponist vor seiner Partitur und wie der Parfümschöpfer, der die richtigen Kräuter und Blumen sucht…


Krassi mit “Miss Korea”

Ist Krassi, Sternzeichen Skorpion mit Aszendent Schütze, eifersüchtig?

Ja, ich bin eifersüchtig, aber angemessen. Eine Beziehung braucht sowohl Leidenschaft und Liebe als auch Luft und Rätselhaftigkeit…

Wovon träumst du? Wünschst du dir etwas für 2009?

Ich will mit „Illusion“ beim Eurovision Song Contest auftreten, wir haben eine unglaubliche Show vorbereitet.

Eigentlich mag ich die Wettbewerbe nicht, da es dort immer Sieger und Verlierer gibt.
Meiner Meinung nach ist jeder Darsteller einzigartig, jeder meiner Kollegen verdient den Sieg.

Wenn Bulgarien mich wählt, werde ich unendlich glücklich sein, unser Land würdig in Moskau zu vertreten.

Ich habe immer für meine Träume gelebt. Für mich sind die Ziele wichtig und ich glaube, dass, wenn man alles von Herzen macht, die Dinge funktionieren, manchmal sogar wie von selbst.

Heute bekam ich die Nachricht, dass mein Lied „Memories“ ins Album „The best Pop Opera 2009“, das in der Türkei herausgegeben wurde, aufgenommen wurde. Ich bin sehr zufrieden, dass meine Komposition als erste gewählt wurde und dass ich auf einem Album mit José Carreras, mit den “Goldenen Tenören“ und anderen berühmten Kollegen bin.

Ich freue mich auf jeden Tag und sehe mit offenen Augen und offenem Herzen vorwärts.

Für mich sind die echten Juwelen des Lebens die Familie und die Freunde, ich lebe für mein Publikum und für meinen Beruf.

krasi avramov
Krassimir Avramov in seinem Haus in Beverley Hills

Wir verabschieden uns von Krassi Avramov mit der Hoffnung, dass wir, die Bulgaren, unsere echten Talente, die Leute, die den Namen unseres Landes weltweit rühmen, endlich respektieren und schätzen werden.

Krassi Avramov ist eine Inspiration für alle jungen Menschen, die keine Angst haben, an sich selbst zu glauben und ihre kühnsten Träume zu verfolgen.

Krassimir Avramov ist in Sliven geboren. Er schließt die Nationale Akademie für Theater und Filmkünste „Krastyo Sarafov“, Bulgarien, in der Klasse von Prof. Vassil Indzhev, ab. Ein Künstler mit Seele und Ausbildung, der auch mit einer phänomenalen Stimme gesegnet ist. Krassimir macht eine Karriere als Tenor-Altino – die höchste männliche Stimme, die selten vorkommt. Seine Neigung zur Synthese der musikalischen Genren und zu Experimenten führt ihn in eine andere Richtung. In Bulgarien erscheint sein Album „Schweigsame Stimmen“ (1997), das ihn in die Hitliste der Schlager in Bulgarien bringt.

Im Jahr 1998 reist er in die USA aus und lässt sich in Los Angeles nieder. Für 10 Jahre auf amerikanischer Erde macht er eine beeindruckende Karriere.

Nach vielen Konzerten weltweit gewinnt Krassimir den Preis „Superstar des Jahres“ 2005 bei den Musikpreisen in Los Angeles.

Krassimir ist der erste Bulgare, der ein eigenes Konzert im berühmten Kodak Theater gegeben hat – der Ort, wo die Oscars verliehen werden.

Sein letztes Album „POPERA“ bringt Krassimir Avramov die Anerkennung als Begründer eines neuen Musikstils –eine Mischung zwischen Pop und Oper.

Krassimir Avramov arbeitet fast zwei Monate an den Aufnahmen des Lieds „Illusion“. Es ist ein origineller Mix aus zeitgenössischen Klängen, für seine Stimme charakteristische Solovocals im Stil von “Popera”, aus bulgarischen Volksinstrumenten und Folklorestücken.

Im Dezember 2008 erschien auf dem türkischen Musikmarkt das Album „The Best Pop-Opera 2009, Volume 2″, mit Liedern der größten Darsteller der Pop-Opera wie José Carreras, Mario Frangulis und anderen. Das Stück von Krassimir Avramov “Memories“ eröffnet den Sampler.

Fotos: Privatarchiv von Krassimir Avramov

Die erste Veröffentlichung des Interviews von Tatyana Pedersen mit Krassimir Avramov ist in der Zeitschrift „Mode“

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