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Künstlergruppe Phaostasia – Kunst aus dem Ruhrgebiet

6 Dezember, 2009 von · Keine Kommentare

Interview von Dessislava Berndt mit der Künstlergruppe Phaostasia

Kinstlergruppe_Phaostasia

Was oder wer genau ist „Phaostasia“?

Wir sind ein Zusammenschluss der drei Künstler Jörg Dubelaar (37 Jahre, Malerei, Fotografie, Crossover), Sandra Duvancic (33 Jahre, Malerei), Judith Hoekema (32 Jahre, Malerei, Graphik, Plastik) aus dem Ruhrgebiet, die bemerkt haben, dass sie thematische Interessen teilen, die ansonsten in der Gegenwartskunst nur eine marginale Rolle spielen.

Wir sind der Kunst durch Studium und Berufstätigkeit verbunden. Dabei beabsichtigen wir von den wechselhaften Strömungen des kommerziellen Kunstmarktes im Schaffensprozess unabhängig zu sein.

J_rg_Dubelaar

Wie und warum ist „Phaostasia“ entstanden?

Wir kannten uns bereits vor dem Zusammenschluss zur Künstlergruppe und im Laufe der Zeit haben wir festgestellt, dass wir gewisse inhaltliche und thematische Überschneidungen und eine ähnliche Auffassung von Kunst haben. Dazu zählt auch die Präferenz für eine ernste, teils mystische und metaphorische Bildsprache, wie sie beispielsweise im Symbolismus von Bedeutung war. Um dieses gemeinsame Verständnis auch gemeinsam nach außen zu vertreten, gründeten wir also diesen Zusammenschluss.

Für dieses Vorhaben suchten wir einen Namen, der dieses Grundverständnis auf einen Punkt bringen konnte. In Gesprächen wurden wir auf den Begriff „phaostasia“ aufmerksam, der in Teilen des Neuplatonismus als Wortspiel für „phantasia“ stehen kann, nämlich als Bezeichnung des Vorstellungsvermögens als desjenigen, welches seine Gegenstände ins Licht stellt.

Judith_Hoekema

Wir sehen uns dabei durch die Möglichkeiten dieses Wortspiels repräsentiert, unabhängig von seiner philosophiehistorisch präzisen Verortung. Wir denken, dass es Aufgabe der Kunst ist, in der materiell gebundenen Fixierung von Vorstellungsinhalten im weitesten Sinne ins Licht zu stellen, was anders nicht zu sehen ist. Als Gruppe haben wir die Möglichkeit, uns gegenseitig im Schaffensprozess zu unterstützen und zu inspirieren, auch in praktischen Belangen, wie z. B. dem Organisieren und Durchführen von gemeinsamen Ausstellungen.

Wie sehen die einzelnen/gemeinsamen Zukunftspläne der Künstler/Gruppe aus?

Wir wollen unsere Kunst und unser Kunstverständnis bekannt und somit Interessierten zugänglich machen. Ein ganz praktisches Ziel ist es dabei, weitere Ausstellungen – auch im öffentlichen Raum – durchzuführen.

Auch künstlerisch wollen wir uns weiterentwickeln, da wir uns trotz intensiver Arbeit und Studium noch am Beginn unserer Laufbahn als Künstler sehen.

Leidenschaft_-_Judith_Hoekema

Ein großes Problem ist, dass es zwar heutzutage eine Vielzahl von Möglichkeiten gibt, Kunst zu zeigen, aber genauso viel sind diejenigen, die es ebenso anstreben wie wir: Es ist nicht einfach unter der ganzen Fülle von möglichen Ausstellungsorten die richtigen zu finden und dort auch angenommen zu werden.

Wen möchten Sie mit Ihren Werken ansprechen?

Grundsätzlich ist jeder dazu eingeladen, unsere Bilder/Plastiken anzusehen, gleich, was er darin sieht. Um zu ihnen jedoch als Ganzes einen Zugang zu finden, sollte der Betrachter bereit sein, nicht nur vordergründige oder rein dekorative Kunst konsumieren zu wollen, und sich Zeit nehmen, sich mit unserer Symbolik auseinander zusetzen und selbst den Raum für eigene Assoziationen zu geben.

Wo kann man Ihre Werke sehen bzw. erwerben?

Einen Teil unserer Werke kann man auf unserer Website www.phaostasia.de sehen. Dort findet man ebenso unsere Kontaktdaten und weitere Informationen zu aktuellen Ausstellungen.

Ortus_I_-_J_rg_Dubelaar

Wie lautet Ihre Botschaft?

Eines zunächst vorweg: Wir wollen die Kunstwelt nicht revolutionieren. Alles ist bereits in irgendeiner Form da gewesen, sei es abstrakt, expressiv, naturalistisch, minimalistisch, modern, klassisch etc. Man könnte aber sagen, dass wir Aspekte bestimmter Themen, Techniken, Symbole und Motive vergangener Zeiten weiterentwickeln oder lediglich nur noch einmal neu aufgreifen.

Thematische Bilder möchten wir genauso zu unserem Thema machen, wie auch Malerei aus einem bestimmten Moment oder Gefühlszustand heraus; es gibt also durchaus Bilder oder Skulpturen, die ohne vorheriges Konzept oder Thema entstehen, genauso wie es solche mit zuvor fertig durchdachten Themen gibt.

Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft, in welcher der einzelne trotz einer Vielfalt an Angeboten und Möglichkeiten in vielen Bereichen sich selbst verliert bzw. sich gar nicht erst finden kann. Ein Zuviel von allem umgibt den Menschen heute. Themen wie Vergänglichkeit, Tod, Einsamkeit, Hoffnung, Stille, Erleuchtung, Demut etc. finden in dieser schnellen, hektischen Zeit, in welcher der einzelne Mensch oft nach Produktivität und Gewinnmaximierung beurteilt wird, immer weniger an Bedeutung. Es bleibt kaum Zeit für die stillen Momente im Leben. Man kann manche unserer Werke als Abbildungen der Momente innerer Einkehr sehen. Manche vielleicht als Visualisierung von Seelenzuständen. Jedoch nichts davon ausschließlich.

ohne_Titel_-_Sandra_Duvancic

Was, wie wir bemerkt haben, vielen unserer Werke gemeinsam ist, ist die Darstellung der Wirksamkeit von Leidenschaften, Vorstellungen und Ideen, die sich – durchaus ihrer Zeit angepasst – als Konstanten durch die menschliche Geschichte ziehen und auch heute noch unverändert ihren Einfluss ausstrahlen, wenn auch bisweilen aus dem Verborgenen heraus. Dies führte uns zu dem Titel unserer Ausstellung „Archetypen“. Wir wollten diesen Titel im übrigen selbst auch in seiner gesamten möglichen Bedeutungsweite verstanden wissen.

Es liegt uns indessen fern, modische Trends zu verfolgen. Die ästhetische Aussagekraft eines Werkes erschöpft sich nicht alleine im Dekorativen, ebenso wenig in der rein strategisch geplanten Darstellung von Sätzen, die man besser als Aufsatz verfasst hätte oder gar durch eine beigefügte Erklärung erst aus dem Gefängnis der rein subjektiven Befindlichkeit befreien muss.

Sch_pfung_-_Sandra_Duvancic

All diese Zugänge degradieren nach unserer Überzeugung entweder die Kunst zum Werkzeug des Menschen oder den Menschen zu ihrem Diener: Wir wollen dem Menschen ein seiner und ihrer Würde angemessenes Verhältnis zur Kunst zurückgeben, indem wir als Reaktion auf die immer unpersönlicheren Wege heutiger Lebensweisen auf Themen und Symbole verweisen, die dem Betrachter Raum für den kontemplativen Moment geben sollen.

Jörg Dubelaar wurde am 09.07.1972 in Höxter geboren.
1994-1999 studierte er an der Universität in Dortmund mit Schwerpunkt: Fotografie bei Frau Dr. Ursula Tjaden.
Seit 2001 arbeitet er als Kunstlehrer in Hagen. Viele seiner Fotos beinhalten im weitesten Sinne das Zeitvergehen, die Vergänglichkeit, da die Fotografie, noch deutlicher als andere Gattungen der Kunst, die stärkste Form der Vergänglichkeit für ihn verkörpert.
Künstlerische Aktivitäten (Auswahl)
1997 – 1999 Beteiligung an Gemeinschaftsausstellungen in öffentlichen Gebäuden wie die St. Adalbertskirche in Ústí nad Labem (Tschechische Republik, Nähe Prag) und ZB der Universität Dortmund
1996 – 1998 Veröffentlichungen in Musikmagazinen (Layout, Postkarte, Poster / Gewinner des Amateur-Fotowettbewerbs „Außergewöhnliches Portrait“)
02/2008 Gründungsmitglied der Künstlergruppe „Phaostasia“
04/2008 – 06/2008 Ausstellung in der Galerie Bonna, Gelsenkirchen
04/2009 – 06/2009 Gruppen-Ausstellung unserer Künstlergruppe bei GEA Happel, Herne unter dem Titel „Archetypen“.
Kontakt: dubelaar@phaostasia.de
www.phaostasia.de

Sandra Duvancic wurde am 5.08.1976 in Herne-Wanne geboren.
1997 bis 2004 studierte sie Kunst und Deutsch an der Universität Essen. 2004 absolvierte sie Kurse in Aktmalerei und Druckgraphik bei Ortrud Kabus im Musischen Zentrum der Ruhr-Universität Bochum.
2004 bis 2006 machte sie eine Ausbildung zur Vergolderin (Arbeiten mit Blattgold, Restauration historischer (Bilder-)Rahmen, Bilderrahmendesign) im Atelier Mohrig in Marl. Nach dem Abschluss der Berufsausbildung zur Vergolderin und bis heute arbeitet sie im Atelier Mohrig, Marl.
Künstlerische Aktivitäten (Auswahl)
04/2008 – 06/2008 Gruppen-Ausstellung in der Galerie Bonna, Gelsenkirchen
04/2009 – 06/2009 Gruppen-Ausstellung unserer Künstlergruppe bei GEA Happel, Herne
02/2008 Gründungsmitglied der Künstlergruppe „Phaostasia“

Kontakt: duvancic@phaostasia.de
www.phaostasia.de

Judith Hoekema wurde am 6.05.1977 in Goch geboren.
2001 – 2005 studierte sie Kunsttherapie „Creatieve Therapie Beeldend“ an der „Hogeschool van Arnhem en Nijmegen“ in den Niederlanden.
In 2005 und 2006 leitete sie verschiedene Workshops für Kinder im Museum Kurhaus Kleve.
Seit 2005 arbeitet sie als Kunsttherapeutin in einer psychiatrischen Tagesklinik in Wesel.
Künstlerische Aktivitäten (Auswahl)
2003 Expo Pater brugmanstraat, NL
2005 Hogeschool van Arnhem en Nijmegen, NL
2008 Kunstgalerie Bonna, Gelsenkirchen
2008 Gründungsmitglied der Künstlergruppe Phaostasia
2009 Gruppenausstellung der Künstlergruppe bei GEA in Herne.

Kontakt: hoekema@phaostasia.de
www.phaostasia.de.

Kategorien: Frontpage · Szene

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