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Kukeri – Teil des lebendigen Erbes Bulgariens

24 September, 2009 von · 1 Kommentar

Autor: Hristina Slavova
Übersetzung aus dem Bulgarischen: Dessislava Berndt


Foto: Klearchos Kapoutsis

Viele sind diese, die Reiseberichte über fremde Länder und Erzählungen über unbekannte Natur lieben. Aber nicht weniger spannend ist eine Reise zurück in die Zeit zum lebendigen Menschenerbe. Jedes Volk hat seine Traditionen und Rituale, geschaffen von den Menschen als Erbe für die kommenden Generationen. Bulgarien hat auch sein lebendiges Erbe.

Einer der buntesten, typischsten und interessantesten Momente im bulgarischen traditionellen Kalender sind die Kukeri. Sie sind in Ost-Thrakien, in bestimmten Gebieten in Dobrudscha, in Srednogorie und in den Rhodopen bekannt. Nach altem Brauch werden sie zwischen Mesni i Sirni Sagovesni (Sirnitsa) in Ost-Bulgarien und zwischen Weihnachten und Bogojavlenie (Heilige Drei Könige) in West-Bulgarien praktiziert.


Foto: Klearchos Kapoutsis

Mit dem kommenden Frühling, wenn die Zeit für die Saat kommt, trifft man die Kukeri in Bulgarien. Das sind Männer – angezogen mit wundersamen Kleidern – die durch das Dorf laufen und die Bauern auf die Felder rufen. Und wenn ein Mensch auf dem Platz am Kukerovden (Kukeri-Tag) erscheint, drehen sich tanzende Masken und außergewöhnliche Gugli (Hüte), grausame und lustige Figuren um ihn wie im Karussell.


Foto: Klearchos Kapoutsis

Die Rituale entstehen am Anfang der menschlichen Kultur als sich der Mensch die Welt als einen ständigen Kampf zwischen dem Guten, Kreativen und Weltschaffenden und dem Bösen, die zerstörerische Kraft die zum Chaos strebt, vorstellte.

Die Rituale sind ein herausragendes Kulturphänomen mit kollektivem Charakter und vereinen die Schaffensaktivität der „Schauspieler“ und der „Zuschauer“ in einer Symbiose. Sie sind begleitet von einem hochemotionalen Zustand, womit der Alltag vom Fest getrennt wird.


Foto: Klearchos Kapoutsis

Die Rituale in Bulgarien teilen sich in familiäre Rituale, folgend die Lebenszyklen: Geburt, Hochzeit, Tod und in Kalenderrituale, bei denen der Übergang vom Winter zum Frühling und Sommer sowie vom Sommer zum Herbst und Winter erfolgt.


Foto: Klearchos Kapoutsis

Die Karnevalspiele der Kukeri sollen durch die speziellen magischen Tänze und schreckeinjagenden Masken die bösen Geister abschrecken und für immer vertreiben, so dass die Ernte im nächsten Jahr üppig ausfällt.


Foto: Klearchos Kapoutsis

Viele der Masken haben eine Holzkonstruktion. Darauf werden bunte Fäden, Stückchen bunter Stoffe, Spiegel, Pailletten und andere Elemente geklebt.

Als älteste Masken werden die Masken mit Aussehen eines Widders, eines Ziegenbocks und eines Stiers angesehen. Der ständige Einsatz dieser Masken beweist die These, dass die Herkunft der Kukeri-Spiele eine Verbindung mit den alten Dionysius-Festen hat.


Foto: saint_sparrow

Die Wirkung der maskierten Kukeri wird zusätzlich durch den Klang der angehängten Kupfer- und Bronzeglocken verstärkt. Jeder Kuker hat zwei vordere und zwischen zwei bis vier hintere Glocken, wobei jede der Glocken zwischen 800 und 2000 Gramm wiegt.

Die Hauptfiguren in der Kukeri-Gemeinschaft sind der Kuker, die Bulka (Braut), der Zet (Schwiegersohn) und der Hadschi. Deren Zahl bewegt sich zwischen 10 bis 30-40 Personen.

Der Kuker ist der Wichtigste bei den Spielen im Südosten Bulgariens. Sein Hauptattribut ist der Falos (ein Stock aus Holz), mit dem er kinderlose Frauen berühren darf. Es wird geglaubt, dass sie auf diese Art und Weise ein Kind bekommen werden.


Foto: Hyaground

Das Kukeri-Ritual besteht aus zwei wichtigen Teilen.
Der erste Teil besteht aus dem Besuch aller Häuser begleitet von Wünschen für Gesundheit und Wohlstand. In jedem Haus führen die Kukeri unterschiedliche häusliche und lustige Szenen vor. Die Braut „beschenkt“ den Gastgeber indem sie ein Tuch über seine Schulter legt und seine Hand küsst. Sie kann auch zu Hause „aufräumen“, indem sie das Feuer im Kamin „herrichtet“ oder indem sie woanders Gerste oder Weizen „sät“. Der Gastgeber gibt ihr das mit Geld gewickelte Tuch zurück, wofür sie ihm wieder die Hand küsst.


Foto: Klearchos Kapoutsis

Oft, während die Braut „aufräumt“, sammeln die Tokmachii Geld für „den kranken Ivancho“, der Kadi „schreibt“ und der Geiger „verkauft Pesnopoiki“. Oft soll die Braut ein kleines Kind „für Gesundheit“ halten, besonders wenn es krank ist. Der Hadschi „schießt“ mit Krosno und bestreut alle mit Asche. Der Schwiegersohn begleitet die Braut und achtet darauf, dass sie nicht entführt wird.

Geführt von der Braut spielen die Kukeri ein Horo (Volkstanz) im Hof. Der Horo ist mit unbestimmten Schritten, wild, mit Sprüngen und Zittern, bei dem die Glocken der Kukeri nicht aufhören zu klingen. Der Horo wird von der Braut unterbrochen, in dem sie die Kukeri mit der Hurka (Spindel) berührt, dann fallen sie auf den Boden, wo sie von ihr übersprungen werden.

Der Brauch ist begleitet von einigen Deutungen. Die Braut bewegt z.B. ein Sieb mit Mehl und Krina vom gesäten Weizen und nach der Art und Weise wie sie fallen wird auf die Fruchtbarkeit des Jahres gedeutet.


Foto: Klearchos Kapoutsis

Der zweite Teil des Brauchs sind das Pflügen und das Säen. Es findet abends vor dem Abendessen statt. Auf dem Platz werden zwei der Kukeri im Joch eingespannt und die Braut führt den Pflug und danach wird Weizen „gesät“. So werden eine oder drei Furchen gemacht, danach erhebt sich die Braut und „verteilt Meze (Vorspeise)“ /schreit laut verschiedene Nennungen mit ziemlich zynischem Inhalt/.

Die das Ritual begleitende Segnung wird als Wortmagie verstanden: „Gott soll Wohlstand und üppige Ernte geben! Es soll viel Weizen geben und noch mehr Kinder!“


Foto: El Pel Crew

Am Ende, tanzen die Kukeri wild, in dem sie mit den angehängten Glocken klingeln. Nach dem Fest lassen sie die Gugli (die Hüte) auf dem Stahl und meinen, dass somit die Lämmer vor schlechten Augen geschützt werden.

Die Anziehungskraft des Festes steckt in der kollektiven Freude.


Foto: El Pel Crew

Die Kukeri-Spiele beeindrucken besonders durch die Kleidung der Teilnehmer und der speziellen Ritualgegenstände.

Die Kukeri-Braut trägt eine Tracht, die von einer kinderlosen oder kränkenden Frau stammt. In den Händen trägt sie ein aus Lumpen gemachtes Kind.


Foto: El Pel Crew

Der Schwiegersohn trägt seine alltägliche Kleidung und eine Feder auf dem Kopf. Er trägt Krosno statt einer Flinte oder einen Säbel.

Als Hadschi wird ein älterer Mann gewählt, der ein Spaßmacher ist. Er wird in zerrissene Kleider gekleidet, bedeckt mit Pferdedecke und einer Matte.

Alle Kukeri tragen Gugli (Hüte) auf dem Kopf, wobei man Unterschiede in den Materialien, in der Form und dem Schmuck entdeckt. Die meisten Hüte sind aus Lammfell. Der Schmuck der Gugli wird durch im oberen, vorderen Teil eingenähte Spiegel, Perlen und Quasten ergänzt.

Im Reichtum der Kleider und Farben spiegelt sich der große volkstümliche Maler, Schönheit formend, wider. Die Gugli und die Kleider der Kukeri sind ein Schatz des Volksreichtums, weil sie einmalig sind und die tiefe Bestrebung nach dem Schönen, das unser Volk auszeichnet, darstellen.


Foto: nipemi

Als Ganzes sind die Kukeri-Tänze hauptsächlich mit Fruchtbarkeitssymbolik und Magie ausgefüllt und zeigen die alltäglichen Sorgen der Menschen über die Gesundheit und den Wohlstand der Familie, der Ernte und der Tiere.


Foto: nipemi

Auf seinem langen Weg hat das Kukeri-Fest das Schönste, das die Fantasie des Volkes schaffen konnte gesammelt- die Feuerfarben, die wilden Rhythmen und die unglaubliche Symbolik. Und auch heute sind die Spiele, verbunden mit dieser Tradition, ein Lieblingsvolksfest, erwartet mit Lächeln und Ungeduld.

Eingehüllt in Mysterium und Romantik sind die Kukeri ein besonders spannender Teil des lebendigen Erbes Bulgariens.


Foto: El Pel Crew

Kategorien: Frontpage · Um die Welt

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