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Kulturtipps aus Berlin

30 Oktober, 2015 von · Keine Kommentare

Berlin war und ist immer eine Reise wert. Die pulsierende Metropole bietet unzählige kulturelle und historische Touren, Events und Erlebnisse.

Bei unserem kurzen Besuch in der Hauptstadt haben wir uns drei Attraktionen raus gepickt: Festival of Lights 2015, Sammlung Boros und die Show THE WYLD im Friedrichstadt-Palast. Unsere Eindrücke schildern wir hier gern für die Leser von Public Republic.

Festival of Lights

Das Festival of Lights findet mittlerweile seit 11 Jahren jedes Jahr im Oktober statt und verwandelt die Hauptstadt in eine Stadt des Lichts und der Lichtkunst. Auch in diesem Jahr wurden 22 Gebäude kunstvoll angeleuchtet und sorgten täglich für magische Stimmung am Abend und in der Nacht.

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Fotos: desenze

Mit über zwei Millionen Festivalbesuchern, über 650.000 zusätzlichen Übernachtungen und über 1 Milliarde Medienkontakten, gehört das Festival of Lights heute neben den Festivals in Lyon, Sydney, Moskau oder Eindhoven zu den bekanntesten Lichtkunstfestivals der Welt. Seit 2005 verantwortet die Agentur Zander & Partner die Ausrichtung des FESTIVAL OF LIGHTS.

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Fotos: desenze

Erstmalig traten für das diesjährige FESTIVAL OF LIGHTS die besten Teams für Videokunst und Projection-Mapping im kreativen Wettstreit in zwei Kategorien miteinander an: Kategorie NEW DIMENSIONS – unterstützt vom FESTIVAL OF LIGHTS und – VISION OF ENERGY – unterstützt von E.ON.

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Foto: desenze

Die Mappings der 6 Finalisten sowie ein Intromapping wurden vom 9. bis 18. Oktober auf dem Brandenburger Tor jede Nacht zwischen 19:00 Uhr und 24:00 Uhr in einer bisher einmaligen ca. 25 minütigen Show gezeigt.

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Foto: desenze

In der Kategorie „New Dimensions“ gewann das Team von MP Studios (Bulgarien, Deutschland) den dritten Platz.

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Fotos: MP Studio

Zudem avancierte die Geschichte von Anna und ihrem Bruder Hans zum Publikumsliebling: Der kleine Hans und seine Schwester Anna sind verloren in Zeit und Raum. Ihr einziger Begleiter ist der Teddybär des kleinen Bruders. Sie wollen unbedingt zurück nach Hause, ins Hier und Jetzt. Um zurückkehren zu können, müssen sie sich an all die schönen Dinge erinnern, die sie am meisten in Berlin vermissen.

MP-STUDIO // FESTIVAL OF LIGHTS 2015 CHAMPION from marin petkov on Vimeo.

Die Finalisten in der Kategorie NEW DIMENSIONS waren: SINOCA aus Spanien, MP-Studio (Deutschland, Bulgarien) und Ample Projects (Australien) und in der Kategorie VISION OF ENERGY: Ad Lib Creations (Frankreich), EPER creative studio (Ungarn) und Clockwork (Polen).

http://festival-of-lights.de/

Sammlung Boros

Der Wuppertaler Kommunikationsdesigner Christian Boros und seine Frau Karen, die Kunsthistorikerin ist, sammeln seit Jahren zeitgenössische Kunst. 2003 kauften sie den „Reichsbahnbunker Friedrichstraße“ und bauten ihn um für ihre Sammlung. Über den Bunker thront ein Loft aus Beton und Glas, in dem sie in Berlin mit und über ihre Kunstwerke wohnen.

Freunde von Freunden – Karen & Christian Boros from Freunde von Freunden on Vimeo.

Der Bunker in Berlin-Mitte hat eine bewegende Geschichte und diente nicht nur als Zufluchtsort für die Menschen während der Bombenangriffe in Berlin, sondern auch für Bananenlagerung und als Partyraum.

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Foto: Sammlung Boros

Seit dem 17. September 2012 präsentiert die zweite Ausstellung Werke aus der Sammlung Boros – Arbeiten der frühen 90er Jahre in Verbindung mit aktuellen Neuerwerbungen. Alle Medien, wie Skulptur, Installation, Malerei, Zeichnung, Video oder Fotografie sind vertreten.

Aus der rund 700 Werke umfassenden Sammlung wurden 130 Arbeiten von 22 Künstlern ausgewählt. Wie schon bei der ersten Sammlungspräsentation haben viele Künstler ihre Arbeiten persönlich in den Räumen installiert.

Die Werke der ersten Ausstellung wurden vollständig eingelagert und die 3.000 qm große Ausstellungsfläche in einem dreimonatigen Prozess umgebaut und hergerichtet.

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Foto: desenze

Das Aufeinandertreffen verschiedenster Medien, wie Skulptur, Malerei, Video oder Fotografie ist ein Merkmal der neuen Ausstellung. Viele der Installationen arbeiten mit dem Thema Sound. Auf jeder der fünf Bunkeretagen wird der Besucher mit unterschiedlichen und sich überlagernden Geräuschen konfrontiert. Der Besucher wird auf eine tolle Entdeckungsreise durch fünf Bunkeretagen geführt, wo Kunstwerke und Exponate mit viel Raffinesse und Sinn für Raum und Ordnung wirkungsvoll präsentiert werden.

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Klara Lidén, Foto: Sammlung Boros

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Thomas Ruff, Foto: Sammlung Boros

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Cerith Wyn Evans, Foto: Sammlung Boros

Vielseitige künstlerische Positionen aus der Sammlung Boros gezeigt: unter anderem raumspezifische Werke von Klara Lidén, Sternenbilder von Thomas Ruff, Fotografien des Turnerpreisträgers Wolfgang Tillmans und Ai Weiwei, welcher mit einem sechs Meter hohen Baum aus chinesischen Sumpfholz im Bunker vertreten ist.

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Ai Weiwei, Foto: Sammlung Boros

Der Berliner Künstler Dirk Bell hat eine 35 qm große Zeichnung unter der 3 Meter starken Bunkerdecke angebracht. Ein intimes Universum von Fabelwesen, Schwänen, Körpern und Naturelementen öffnet ein Fenster in eine andere Welt.

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Foto: desenze

Wie ein Spinnennetz spannt Tomás Saraceno die Schnüre seiner Installation durch den Raum.

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Foto: Sammlung Boros

Der in Vietnam und Dänemark aufgewachsene Danh Vo zeigt ein Fragment der in China maßstabsgetreu nachgebauten Freiheitsstatue. Das einzelne Bestandteil der originalen Kupferskulptur thematisiert sowohl Zerbrechlichkeit und als auch Veränderbarkeit von Staaten, in seinem Fall der USA.

Über sechs Räume erstreckt sich die Installation des jungen Berlin Künstlerduos Manon Awst und Benjamin Walther: Ihre bis zu acht Meter langen Metallröhren müssen von den Gästen beim Rundgang überwunden werden.

Alicja Kwade nimmt im Erdgeschoss das Brummen der Leuchtstoffröhren mit Mikrofonen ab und projiziert den Ton auf gewölbte Stahlplatten. Eine andere Arbeit der Künstlerin verstärkt das Geräusch des Tickens einer Uhr und lässt somit den Takt der Zeit durch den Bunker hallen.

Die Arbeiten von Michael Sailstorfer dagegen sind dem alltäglichen Umfeld entnommen: das Rauschen von Laub eines kopfüber auf dem Boden schleifenden Baumes, das permanente Puffen einer Popcornmaschine und das Schleifen eines rotierenden Autorades an der Bunkerwand.

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Fotos: desenze

Folgende Künstler sind in der jetzigen Ausstellung vertreten:

Ai Weiwei, Awst & Walther, Dirk Bell, Cosima von Bonin, Marieta Chirulescu, Thea Djordjadze, Olafur Eliasson, Alicja Kwade, Klara Lidén, Florian Meisenberg, Roman Ondák, Stephen G. Rhodes, Thomas Ruff, Michael Sailstorfer, Tomás Saraceno, Thomas Scheibitz, Wolfgang Tillmans, Rirkrit Tiravanija, Danh Vo, Cerith Wyn Evans und Thomas Zipp.

http://www.sammlung-boros.de/

Die Grand Show im Friedrichstadt-Palast: THE WYLD
Nicht von dieser Welt

THE WYLD (von „the wild“ als Natur oder Wildnis) steht für die Natur des Menschen in all ihren Facetten und die Wildnis der Großstadt.

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Für die neue Grand Show schnürte der Intendant Berndt Schmidt aus hauseigenen und Sponsorenmitteln das größte Produktionsbudget in der 95-jährigen Geschichte des Hauses – 1919 als ‚Großes Schauspielhaus‘ unter Max Reinhardt gegründet, im April 1984, vor 30 Jahren, Neueröffnung im neuen Haus an der Friedrichstraße 107.

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Foyer des Palastes | Foto: Soenne

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Der Palast in Berlin | Foto: Soenne

Erstmals wurde die Budgetschwelle von 10 Millionen Euro überschritten, was THE WYLD zur teuersten Showproduktion außerhalb von Las Vegas macht.

Revuetypische Collage großer Showbilder repräsentiert die ganze Energie Berlins, eine ebenso wunderbare wie sonderbare Stadt.

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Diamond Love | Art Direction: Manfred Thierry Mugler | Kostüme: Manfred Thierry Mugler & Stefano Canulli | Foto: Robert Grischek

Buch und Regie

Manfred Thierry Mugler (Regisseur, Designer, Fotograf und Parfum-Créateur), weltweit bekannt durch das Mode- und Parfumlabel ‚Thierry Mugler‘, und Roland Welke, einer der erfolgreichsten europäischen Showmacher, verantworten gemeinsam Buch und Regie.

Mugler über seine Arbeit mit dem Palast: „Berlin ist für mich eines der wichtigsten Zentren freier Kreativität. Ich schätze diese geistige Offenheit in der Stadt sehr. THE WYLD steht für all die Schwingungen der Stadt: Energie, Modernität, Zeitlosigkeit und Kultur. Das ist es, was ich mit dieser Show vermitteln will, die größer ist als das Leben. Der Palast ist der einzige Ort, an dem man etwas so Großes wagen kann. Die größte Theaterbühne der Welt für eine Show nicht von dieser Welt.“

Kostüme und Bühnenbild

Unterstützung erhielt Mugler von dem italienischen Modedesigner und Illustrator Stefano Canulli, der bereits 2003 mit ihm die Kostüme für die Cirque du Soleil Show ‚Zumanity‘ entwarf.

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1000 Hands | Art Direction: Manfred Thierry Mugler | Kostüme: Manfred Thierry Mugler & Stefano Canulli | Foto: Robert Grischek

Für das futuristische Bühnenbild verpflichtete der Palast Jürgen Schmidt-André. Der Berliner war mehrmals für den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie ‚Beste Ausstattung‘ nominiert. Sein architektonisch-konzeptionelles Gespür für große Bühnenmomente zeigte er bereits bei der meist ausverkauften Wintershow ‚berlin ERLEUCHTET‘.

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Le Kick c’est chic | Art Direction: Manfred Thierry Mugler | Kostüme: Manfred Thierry Mugler & Stefano Canulli | Foto: Robert Grischek

Der Pariser Motion Designer Marc Vidal kreierte die Videoinstallationen, die manchmal, durchaus im Wortsinn, unsere Welt auf den Kopf stellen. Zusammen mit der kreativen Lichtgestaltung des französischen Designers Alain Lonchampt entsteht aus Bühnenbild, Video und Licht ein visuell atemberaubendes Gesamtkunstwerk.

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Partygast | Art Direction: Manfred Thierry Mugler | Kostüme: Manfred Thierry Mugler & Stefano Canulli | Foto: Tamás Hári

Ballettensemble, Artisten und Show-Band

Das Ballettensemble des Palastes ist wie immer äußerst professionell und vielseitig. Die 60 Tänzerinnen und Tänzer aus 28 Ländern müssen mit großer Leidenschaft und Disziplin bis zu acht Vorstellungen pro Woche und Proben verteilt auf fünf Tagen meistern. Jeden Morgen treffen sie sich zudem zum klassischen Training im Ballettsaal sowie erarbeiten zusätzlich neue Tanzstile mit namhaften internationalen Choreographen. Ballettdirektorin Alexandra Georgieva ist stolz auf ihre Tänzer, die seit einigen Jahren auch artistische und akrobatische Aufgaben übernehmen.

Alexandra Georgieva verantwortete in der Show u.a. einige spektakuläre Choreographien wie „Magic Stairs“ (Showtreppe mit 50 individuell höhenverstellbaren Stufen), „Le kick c’est chic“ und „La feminite“.

Zehn Choreographen arbeiteten für die Show mit der weltweit größten stehenden Showballett-Compagnie. Unter den Choreographen sind internationale Spitzenstars wie Brian Friedman und Itzik Galili. Brian Friedman choreographiert für Weltstars wie Beyoncé, Mariah Carey, Cher und Britney Spears. Itzik Galili wurde 2006 in den Niederlanden für seine außerordentlichen Verdienste im Bereich Tanz durch Königin Beatrix geehrt. Die Choreographien des gebürtigen Israelis werden von renommierten Compagnien in aller Welt getanzt, etwa beim Stuttgarter Ballett, der Companhia Cisne Negro in São Paulo, den Grands Ballets Canadiens sowie beim Ballet Gulbenkian in Lissabon.

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Urban Tribe | Art Direction: Manfred Thierry Mugler | Kostüme: Manfred Thierry Mugler & Stefano Canulli | Foto: Robert Grischek

White-Gothik, vier junge Männer aus der professionellen Zirkusschule in der Ukraine, verbinden anmutende Ästhetik mit Kraft und sorgen für ausdrucksstarke Equilibristik. Die Luftakrobaten Duo Markov aus dem russischen Krasnoturinks bieten mit ihrem Aerial Bamboo (Luft-Perche) Bilder voller Eleganz und Präzision.

Für THE WYLD wurde ausschließlich für die Show komponierte Originalmusik von neun Komponisten verwendet. Vielleicht deswegen beeindruckte das Ergebnis nicht wirklich. Olivier Erie St. Louis hilft mit gefühlvoller Stimme über diese Enttäuschung hinweg.

Für ein besonderes Musikerlebnis sorgt die 17-köpfige Band, die eine große Musikvielfalt beherrscht und abdeckt: von modernem Pop und Rock über Jazz, Big Band bis hin zu Elektromusik. Die Rhythmusgruppe nimmt abends im hinteren Bereich der Bühne in ihrem „Show-Band-Graben“ Platz. Die Bläser und Streicher spielen in schallgeschützen Kabinen rechts und links der imposanten Bühne. Am Abend wendet, blättert und schiebt die Show-Band ca. 2.000 Mal die Notenblätter.

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Fotos: desenze

Bühnentechnik

Die großartige Bühnentechnik konnte leider nur einen Teil ihres Könnens zeigen. Es fehlten die Wasser- und Eiseffekte mit dem ausfahrbaren 2 Meter hohen Wasserbecken mit 160.000 Liter Fassungsvermögen früherer Shows und nur der Amazing Curtain am Anfang der Show, der mit seinen fünf Schichten, 30 Meter Breite und 12 Meter Länge binnen Sekunden wie von Geisterhand verschwand, sorgte für einen Hauch an Technikmagie.

Schwerpunkt wurde eher auf kreativer Lichtgestaltung (leider zu oft in die Augen des Publikums gerichtet und durch die pulsartig gesendeten Lichtstrahler sehr störend) und Videoinstallationen gelegt. Dennoch stellt die Bühne mit ihrer einzigartigen Technik und Möglichkeiten die enorme Unterscheidungskraft und Stärke des Friedrichstadtpalastes dar.

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Foto: desenze

Die traurige Entwicklung, die Menschheit des 21. Jahrhunderts mit möglichst viel Show-Superlativen zu überschütten, um das „immer höher und immer weiter“ – Tempo zu halten, findet sich in dieser Superproduktion leider wieder.

Abgesehen vom Zeitgeist formen Kulturhäuser wesentlich den Publikumsgeschmack und könnten daher entgegen dem „Super“-Trend eine andere Richtung geprägt von Raffinesse, Gefühl und Witz und begleitet von wunderbarer Technik und höchstprofessionellen Ballettensemble einschlagen. Eine Inspiration dafür bieten sicherlich die Werke der weltbekannten Choreografin Pina Bausch.

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Blick von der größten Theaterbühne der Welt | Foto: Soenne

Die Grand Show des Palastes feierte ihre Welturaufführung am 23. Oktober 2014 und läuft bis Mitte 2016.

Weitere Informationen finden Sie unter
www.palast.berlin/de/shows/the-wyld/

Kategorien: Frontpage · Modern Times · Szene · Um die Welt

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