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Maria Statulova: „Ich liebe es zu lieben“

23 Juni, 2008 von · Keine Kommentare

Interview mit der Schauspielerin Maria Statulova

Maria Statulova

„Ich verabscheue die Langeweile, im Leben und auf der Bühne.“
Maria Statulova

Dieses mag einer der Gründe sein, warum kaum eine andere bulgarische Schauspielerin so vielseitig in ihrer Charakter – und Rollendarstellung ist wie sie, sei es auf der Theaterbühne oder auf der Kinoleinwand.

Bereits zu Anfang ihrer Schauspielkunst avancierte Maria Statulova zu einer der Lieblingsschauspielerinnen der großen bulgarischen Regisseure wie Georgi Djulgerov, Ivan Andonov und Nikolai Bolev. Großen Eindruck hat sie aber auch auf berühmte italienische Regisseure wie Luigi Perelli und die Brüder Taviani hinterlassen, unter deren Regie sie derzeit vor der Kamera steht. Bekannt und berühmt ist sie sowohl dem bulgarischen, als auch dem internationalen Publikum aus Filmen wie „Avantage“, „Ivan und Alexandra“, „Das Dach“, „Sei gesegnet“, „Eva vom dritten Stock“, „Zwanghafte Liebe“, „Track-Track“ u. v. m..

Maria Statulova

Alles im Leben der Maria Statulova scheint einem inneren Sinn zu folgen: sie ist geboren und aufgewachsen in Burgas und resümiert über ihren Geburtsort: „Ganz sicher ist das eine Stadt, die den Menschen viel geben kann. Vielleicht liegt es am Meer, aber vielleicht ist es auch die großbürgerliche Seele, die dieser Stadt innewohnt…“. Die Tochter eines der größten bulgarischen Maler, Ivan Statulov, und Schülerin von Professor Boyan Danovski in VITIS hat die außergewöhnliche Fähigkeit als großartige Partnerin neben den besten bulgarischen Kino- und Theaterschauspielern zu bestehen. Sie ist mit dem Sohn von Yordan Radickov, dem Regisseur und Schriftsteller Dimitar Ratickov verheiratet.

Maria Statulova

Ich bin immer noch tief beeindruckt von der gestrigen spektakulären One-Woman-Darstellung von Maria Statulova in Hamburg „Nadeschda, Die Blinde“ nach Texten von Boyan Papasov.

Diese war ohne Zweifel eine der kraftvollsten und bewegenden Darstellungen meines Lebens und das nicht zuletzt aufgrund der nostalgischen Darstellung der tiefen und mystischen bulgarischen Seele. Diese Seele ist es, die zwischen Hoffnung und Verzweiflung schwankt und trotzdem eine große verzehrende Sehnsucht empfindet, gefangen zwischen Katharsis und himmlischem Höhenflug.

Es ist nicht nur die großartige Rolle, welche nur auf Maria Statulova konzipiert zu sein scheint, es ist auch nicht der anspruchsvolle und schwierige Text oder dessen virtuose Umsetzung durch die Schauspielerin, noch deren beeindruckende Verkörperung der verschiedenen Charaktere. Es ist vor allem die schauspielerische und künstlerische Aura von Maria, die durch unglaubliches Talent besticht und ihre Fähigkeit in jede ihrer Rollen wahrhaftig zu sein, sei es im Theater oder auf der Kinoleinwand.

In meinem Blitzinterview mit der bulgarischen Star-Aktrice nach ihrer spektakulären One-Women Darstellung in Hamburg ist es mir gelungen ein wenig von ihrer faszinierenden Ausstrahlung und der großen Liebe, die sie zum Leben, den Menschen und zur Theaterbühne empfindet, einzufangen.

„Ich liebe es zu lieben“ ist der Slogan von Maria Statulova, denn allein die Liebe als elementare und einigartige Regung zeichnet uns als Menschen aus ebenso wie jeder Atemzug, den wir zum Leben brauchen.

Natalie und Maria Statulova

Was bedeutet Ihnen das Theater?

Ich stehe seit 1975 auf der Theaterbühne, das bedeutet 33 Jahre Leben für mich, mein bisheriges Leben.

Welche Theater Rollen liegen Ihnen am meisten?

Die dramatischen und die komischen. Ich liebe das lachende und weinende Auge, d. h. wenn die Komödie ein wenig Traurigkeit und die Tragödie ein wenig Komik in sich trägt.

Welche war Ihre größte Herausforderung als Schauspielerin?

Ich hatte die unglaubliche Chance und das große Glück mit Schauspielern wie Georgi Slabakov, Grischa Wackov, Stojanka Mutafova, Georgi Kaloyancev und Nevena Kokanova zusammenzuarbeiten.

Gibt es eine Rolle, die Sie besonders lieben?

Ja, Aglaja aus „Der Idiot“ von Dostojewski, Rumyana aus dem Kinofilm „Avantage“ unter der Regie von Georgi Djulgerov und die Heldin aus „Das Dach“ von Ivan Andonov. Aber grundsätzlich liebe ich alle meine Rollen.

Bevorzugen Sie das Theater oder das Kino?

Ich bin verliebt in das Kino und ich lebe im Theater auf. Das Vergnügen beides spielen zu können ist unbeschreiblich schön. Ich hatte das große Glück auch in den italienischen Filmproduktionen „Der Mädchenmord“ von Luigi Perelli (1997) und in „ Das Haus der Lerchen„ (2007) der Brüder Taviani mitzuwirken. In italienschen Filmen mitzuspielen ist eine unglaubliche Freude für mich, ich gehe darin regelrecht auf.

Gibt es eine Traumrolle für Sie, die Sie noch unbedingt spielen möchten?

Ja, ich würde gern die Rolle der Seherin Kassandra aus den Illjas verkörpern, allerdings warte ich solange bis der nächste Professor Danovski geboren wird.

Erzählen Sie uns noch ein wenig über das One-Woman-Stück „Nadeschda, Die Blinde“.

In dieser Aufführung steckt mein ganzes Herzblut. Bereits vor 30 Jahren schrieb mir Papasov „Meine liebe Mara, diese Rolle ist Dir auf den Leib geschrieben.“

Es macht mich unglaublich stolz und glücklich so ein persönliches Geschenk in Form eines eigens auf mich zugeschnittenen Theaterstückes bekommen zu haben und das bereits vor 30 Jahren.

Diese Aufführung stellt für mich eine echte Herausforderung dar, aufgrund des sehr anspruchsvollen Textes und der ca. 1 ½ Stunden langen Dauer der Vorstellung. Doch manchmal ist sehr viel menschliches und vor allem weibliches Selbstbewusstsein nötig, um die Herausforderung der Darstellung einer solchen Rolle anzunehmen. In dieser Rolle stecken 30 Jahre meines Lebens.

Was ist das Wichtigste für Sie, damit Sie einen Charakter auf der Bühne verkörpern können?

Ich muss mit meiner Arbeit hadern, ich muss dabei echt und authentisch sein. Nur so kann ich meine Zuschauer damit beeindrucken und mir ihr Vertrauen und ihre Zuneigung erspielen.

Welche Rolle würden Sie in nächster Zukunft gern spielen?

Ich stelle stets mich selbst dar mit der Prämisse größter Ehrlichkeit. Vielleicht würde ich einmal gern eine komische Figur darstellen.

Welches Kompromiss werden Sie niemals eingehen, sei es künstlerisch oder persönlich?

Ich musste in der Vergangenheit keine Kompromisse machen, wie z. B. mit jemandem schauspielern zu müssen, den ich nicht mag. So eine Art Kompromiss könnte und werde ich auch in Zukunft nicht eingehen.

Glauben Sie, dass das bulgarische Publikum auch in Zukunft gern ins Theater geht?

Ja, das Publikum strömt zurück in die Theatersäle. Dem Theater als Vergnügen und Zeitvertreib wird immer öfter der Vorzug gegeben.

Beeinflusst die Tatsache, dass Sie mit dem Regisseur und Schriftsteller Dimitar Radickov, dem Sohn des berühmten Yordan Radickov, verheiratet sind, Ihr persönliches künstlerisches Schaffen?

Dimitar ist sehr kritisch und ich versuche mit jeder neuen Rolle immer besser zu werden. Ich möchte weder ihn noch mich selbst enttäuschen.

Womit möchten Sie im Gedächnis Ihrer Zuschauer bleiben?

Ich möchte, dass mein Lachen in Erinnerung bleibt. Ich liebe es zu lieben und ich weiß, dass meine Zuschauer dieses an mir besonders schätzen und lieben.

Wovon träumen Sie ganz persönlich?

Von großen Abenteuern.

Maria Statulova

Maria Statulova wurde am 13.09.1953 in Burgas geboren.

Sie absolvierte ihre Meister Schauspielausbildung im VITIS “Krastyo Sarafov” (1975) beim Brecht Schüler Professor Boyan Danovski.

Sie arbeitete an den Theatern in Kardjali und Yambol und danach im Satirischen Theater in Sofia.

Sie ist Mitglied der Union der Bulgarischen Filmschaffenden.

1976 erhielt sie den Preis der Union Bulgarischer Schauspieler als Beste Nachwuchsschauspielerin.

Sie ist mit dem sehr bekannten Regisseur Dimitar Radickov verheiratet.

Die Schauspielerin war zuletzt in der Komödie „Der großzügige Spanier“ von Somerset Moham unter der Regie von Velko Kanev am Theater „Lachen und Weinen“ und in der Gastrolle „Die Marschrute“ von Elin Rachnev am Satirischen Theater.

Filmografie:

Goodby Hello (2005), Gestohlene Augen (2005), Keine Familienähnlichkeit (2004), Außerhalb der Linie (2003), Sanduhr (1999), Donau Brücke (1999), Track-Track (1996), Kopf oder Zahl (1993), Ich, die Gräfin (1989), Ivan und Alexandra (1989), …… (1988), Eva vom Dritten Stock (1987), Liebe mit Zwang (1986), Manöver am fünften Stock (1985), Der goldene Fluss (1983), Schwarzweiß (1982), Adaptierung (1981), Heimsuchung (1981), Der Ball der einsamen Herzen (1981), Damenwahl (1980), Blutbande (1980), Kirschgarten (1979), Das Dach (1978), Sei gesegnet (1978), Avantage (1977), Das letzte Wort (1973), Das Warten (1975).

Theaterrollen:

Vela in „Der Vampir“ von Anton Straschimirov, Aglaja Epancina in „Der Idiot“ von Dostojewski, das Mädchen in „Der Brief“ von Panco Pancev ; am Dramatischen Theater Kardjali Maria in „Flacher Niederschlag“ von Rada Alexandrova; am Dramatischen Theater Yambol das Mädchen in „Der Bus“ von Stanislav Stratiev, das Mädchen in „Der Büffel“ von Ivan Radoev, Maschenka in „Auch der Weiseste ist manchmal ein wenig blöd“ von Alexander Ostrowski, die Jeannette in „Odisseus reist nach Ithaka“ von Konstantin Ilijev, die Gouvernante in „Leonce und Lena“ von Georg Büchner, die Daphne „Wer einen Fuss stielt, hat Glück in der Liebe“ von Dario Fo, die Tochter in „Familie Tóth“ von Istvan Örkenyi; am Satirischen Theater, die Nevena in „Odisseus reist nach Ithaka“ von Konstantin Ilijev; am Dramatischen Theater in Lovetc die Studentin, die Ehefrau und die Mutter in „Die babylonische Schüssel“ von Ivan Golev – Theater 199 die Karen in „Essen mit Freunden“ von Donald Margoulias eine Co-Produktion des Dramatischen Theaters Haskovo und des Satirischen Theaters. Ab 2001 gehört sie zum festen Ensemble des Volkstheaters „Ivan Vasov“ wo sie u. a. in folgenden Hauptrollen zu sehen war: als Kontrolleurin in „Das fliehende Flieger“ von Kamen Donev, als Nadeschda in „Nadeschda, Die Blinde“ von Boyan Papasov und als Elena in „Die Wärme im November“ von Yana Dobreva.

Sie ist Trägerin einer Vielzahl Theater- und Filmpreise u. a. für folgende Rollen: Preis des SAB als beste Nachwuchsschauspielerin für die Filmrolle in „Der Brief“, „Askeer 1996“ für die Rolle in „Die Babylonische Schüssel“, der Preis „Vraca 1996“ des Festivals für Theater Kleinkunst in Vraca für die beste weibliche Hauptrolle.

Das Interview führte Natalia Nikolaeva

Copyright für die Fotos: Vladimir Gussev und persönliches Archiv von Maria Statulova

Kategorien: Frontpage · Szene

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