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Mein Beitrag zu der bürgerlichen Gesellschaft in Bulgarien

30 Juni, 2010 von · Keine Kommentare

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Die Beurteilung einer bürgerlichen oder einfach einer Gesellschaft ist deswegen subjektiv, weil die Kriterien von jedem von uns unterschiedlich sind. Die allgemeine Charakteristik einer guten Gesellschaft kann man so schildern: Personen mit guter Erziehung und Bildung unabhängig vom Rang und Stand, die einen gesunden und aufgeklärten Verstand haben, mit Grundsätzen über Gerechtigkeit und Wohlstand ihre Sitten-vorstellungen verbinden.

Das habe ich vor zwei Jahren in einem Aufsatz geschrieben, obwohl ich mir damals noch keine Gedanken über solche Begriffe wie Bürgertum, Menschenrechte, Freiheit, Demokratie oder über die politischen Hintergründe gamacht habe. Dem Geschriebenen stimme ich immer noch zu und ich kann noch hinzufügen, dass meiner Ansicht nach fordert diese Gesellschaft eine neue Generation mit Vorbildern, Idealen, hochgesetzten Zielen und, die immer wieder nach Neuentdeckung der Welt und der Menschlichkeit strebt.

Die Mitglieder dieser Gesellschaft setzen sich nicht nur nach Selbstentwicklung, sondern auch nach gesellschaftlichem Fortschritt und ihrer Prosperität. Von dieser Gesellschaft träume ich, weil die alte Maxime, die lautet, die schlechte Gesellschaft verderbe den guten Charakter, sich als immer sinnvoll und aufrecht in unserer Zeit erweist.

Der Gegensatz der von mir gewünschten Gesellschaft wäre eine Gesellschaft ohne Prinzipien, Moral und Selbstkritik, die kein gutes Vorbild der Jugendlichen abgibt. Das letztere halte ich für sehr wichtig, weil die Jugendlichen und vor allem die Kinder besonders dem schlechten gesellschftlichen Einfluss ausgesetzt sind.

Es wäre sehr schön, wenn unsere Kinder in einer Gesellschaft mit klar definierten Werten, Normen und bürgerlichem Gefühl aufwüchsten. Leider lässt sich das für die bulgarische Gesellschaft nicht sagen. Sogar könnte ich behaupten, dass es in Bulgarien keine echte bürgerliche Gesellschaft gibt, die die Ideen der Aufklärung über einen Mittelstand und gleiche Menschenrechte für alle Sozialschichten vertrit.

Wenn man an die bürgerliche Gesellschaft denkt, sollte man wissen, was eigentlich Bürger bedeutet. Das heißt nicht in der Stadt geboren sein oder in der Stadt leben. Das heißt, dass dieser Mensch ein bürgerliches Selbstbewusstsein hat und dass er seine Meinung offen und begründet äußern kann.

Dafür braucht man eine bürgerliche Stellung, die man nur dann einnehmen kann, wenn man sich Gedanken über die wichtigsten und bedeutensten Fragen und Probleme der Gesellschaft, bzw. des Staates macht. Das wäre vielleicht nicht möglich, wenn Mann vorher seine Identität und Persönlichkeit nicht geprägt hat.

Der gute Bürger ist nicht nur ein guter Mensch. Ein guter Bürger hält die Gesetze ein und berücksichtigt die Moral und die Ethik, aber ein echter Bürger hat eine gesellschaftliche Stellung. Das bedeutet auch, dass der Bürger seine Meinung nicht nur äußert, sonder auch verteidigt, sogar wenn sie im Widerspruch zu der offentlichen Meinung steht.

Nicht jeder, der eine gute Ausbuldung bekommen hat oder viele Bücher gelesen hat, kennt die Probleme, die die Gesellschaft betreffen, und kann bei deren Lösung helfen. Nur derjeniger, der einen guten und starken Charakter entwickelt hat, der sich selbst kennt, Erfahrung sammelt und die Bilanzen daraus zieht, ist es bewusst, dass er ein Teil des Bürgertums, der Gesellschaft und der Regierung sein kann, ohne sich politisch zu engagieren. Ich meine auch, dass das Vorhandensein der bürgerlichen Gesellschaft eine Voraussetzung für die normale Funktionsweise der Demokratie und des Liberalismus ist.

Die bürgerliche Gesellschaft hat auch viele Veratwortungen, weil es vor allem die Bürger sich bewusst sind, was sie erreichen können. Sie wissen, dass sie etwas verändern oder verbessern können, denn sie haben die erforderlichen Eigenschaften. Die Menschen, die Selbstkritik ausüben und sich dafür entschieden haben, nicht still und gleichgültig zu bleiben, haben das Selbstbewusstsein, dass sie Bürger sind. Die Veränderungen kommen mit der Änderung unserer Denkweise. Wenn wir nur oberflächlich denken, werden wir uns nicht entwickeln und somit auch unsere Lebens-bedingungen und – Voraussetzungen nicht ändern können.

Deshalb denke ich schon ernsthaft an meine Zukunft und möchte mich weiterentwickeln. Ich studiere jetzt nicht nur, um mir Fachkenntnisse zu erwerben, sondern um mein Allgemeinwissen zu bereichern. Ich bin mir bewusst, dass ich in einer Zeit lebe, die mir ziehmlich viele Möglichkeiten gibt. Ich nutze meine Chancen und folge meinen Zielen, obwohl es manchmal schwierig oder mit Misserfolg verbunden ist. Das nehme ich wie eine Mutprobe wahr, die ich bestehen muss um dadurch stärker zu werden. Das Probleme zu entfliehen halte ich für falsch und deswegen bemühe ich mich sie zu lösen.

Als meinen grösten Beitrag zu der bürgerlichen Gesellschaft in Bulgarien, schätze ich meine Teilnahme am Projekt Colored Glasses der Organisation Youth for Understanding. Es geht hier um Workshops, die ich zusammen mit anderen Freiwilligen in den Schulen mache. Die Seminare haben nicht zum Ziel die Jugendlichen zu belehren, sondern sie zu erziehen und ihnen dabei zu helfen, ihre eigene Denkweise kennenzulernen.

Das ist hilfreich sowie für die in den Seminaren behandelten Themen, wie z.B: Diskriminierung, Vorurteile, interkulturele Kommunikation oder den Umgang mit verschiedenen Kulturen, als auch im alltäglichen Leben. Das Bewusstsein, dass es nicht nur einen Blickwinkel gibt und die Folgen unseres Benehmens sich nicht nur auf uns selbst auswirken, sondern auch auf die Gesellschaft, halte ich für sehr wichtig. Die Heranwachsenden können dem Schlechtesten, aber auch dem Guten nachahmen und ich möchte ein gutes Vorbild für die Jüngeren sein.

In der heutigen bürgerlichen Gesellschaft in Bulgarien haben viele in dem Machtkampf die wahren Werte vergessen. Ich versuche meine Prinzipien, Moral und Ethik zu befolgen und nicht nachzugeben, wenn ich die schlechten Lebensbedingungen und den vorherschenden Egoismus sehe. Ich habe einigen von meinen Bekannten geholfen, sich nicht auf den falschen Weg zu begeben, indem ich mit ihnen über ihre Probleme gesprochen und ihnen ein wenig Aufmerksamkeit geschenkt habe.

Das kann jeder von uns machen. Es verlangt nicht so viel Mühe oder Zeit ab, aber besonders für die Kinder ist es sehr wichtig.
Wir alle sind von den sozialen Bedingungen abhängig, dürfen aber nicht bloß „Produkte des Staates“ sein, sondern wir sollten echte Bürger mit bürgerlichem Stellungswert sein, die sich aktiv am Leben der Gesellschaft beteiligen. Wie Goethe gesagt hat “Gott gibt uns die Nüsse, aber er beißt sie nicht auf“.

Wir sollten das schätzen, was uns eine bürgerliche Gesellschaft anbieten kann und es vernünftig ausnutzen. Ich hoffe, dass sich in einigen Jahren eine Gesellschaft in Bulgarien etablieren wird, die die Jugendlichen erzieht und nicht die Politiker es sein werden, die die Gesellschaft aufgrund ihrer Interessen prägen.

Kategorien: Frontpage · Lebensfragen

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