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Mittwoch, den 1. Februar 2012

2 Februar, 2012 von · Keine Kommentare

AnnMarie Rudin

Tagebücher

Lille, 1-février. 12

Ich habe gut aber nicht genug geschlafen. Heute morgen wollte ich gar nicht aufstehen, aber ich dachte an Balzac und deswegen habe ich mich geistig auf die Vorlesung vorbereitet.

Ich bedauere, dass ich früher nicht versucht habe, Literatur von Balzac zu lesen. Gleichzeitig bin ich aber dankbar, dass ich jetzt solche Literatur in der Volkssprache lesen kann.

Die Vorlesung war hervorragend. Mein kompetenter Dozent thematisiert die Darstellung von der Hauptfigur, Balthazar Claës. Jeden Augenblick hatte ich das Gefühl, dass ich etwas lerne. Es gab Nichts, das mich von dem Vortrag meines intellektuellen Dozents ablenken konnte.

Ich war auf mich immer noch stolz, als er einen Schwerpunkt auf eine Textstelle gelegt hat, die ich beim Lesen auch wichtig oder bemerkenswert gefunden habe.

Er hat mein Lieblingszitat des Romans betont, und wenn ich die Wörter in seiner Stimme gehört habe, habe ich unabsichtlich gelächelt. Die Sprache und ihre Melodie erfreuen mich sehr:

« Il a dû être bien beau dans sa jeunesse ! Erreur vulgaire ! Jamais Balthazar Claës n’avait été plus poétique qu’il l’était en ce moment. »
Im Laufe des Tages habe ich « Erreur vulgaire ! » zweimal ausgerufen.

Heute hatte ich zwei andere Veranstaltungen, in welchen nichts besonders passiert ist, ausserdem ein Witz, der viel Gelächter hervorgerufen hat. Beim Lesen eines Textes ist eine Studentin plötzlich vor Lachen ausgeflippt.

Es war eine sexuelle Anspielung und andere Studierende haben auch angefangen zu kichern. Aus Gekicher wird schallendes Gelächter und niemand konnte aufhören. Ich habe anfänglich den Witz nicht genau verstanden aber es ist mir klar geworden, dass es eine Zweideutigkeit war.

Ich habe mir auch auf die Lippe gebissen, um das Lachen zu unterdrücken. In witziger Weise habe ich erkannt, dass Drolligkeit unabhängig von der Nationalität ist. Humor ist von Fall zu Fall verschieden, aber Menschen sind Menschen.

Obwohl ich den Witz nicht verstanden habe, habe ich wegen des Lachens meiner Kommilitonen auch gelacht. Ich finde diese Gemeinsamkeit wirklich erfrischend.

Ich bin mit einer Freundin gelaufen und wir haben über dies und das gesprochen. Endlich habe ich sie wegen ihres Liebeslebens gefragt. Ich konnte nicht ahnen, dass sie in der letzten Zeit etwas Tragisches erlebt hat.

Es ging um einen Kerl, in den sie bis über beide Ohren verliebt war. Er wurde vor ungefähr sechs Wochen ermordet. Sie und er hatten seit einem Jahr eine heimliche Beziehung und der Unfalltod folgte einem versuchten Raub. Ein Schuss. Er ist gefallen.

Meine Freundin sagte mir, dass sie Pläne hatte, diesen Abend mit ihm Zeit zu verbringen. Sie berichtet, dass sie Verspätung („wie immer“) hatte. Als sie angekommen ist, saß sie vor seinem Haus im Auto. Unruhe herrschte und zeigte, dass etwas Schlimmes passiert ist.

Ich habe neben ihr gesessen und ich habe hingehört. Der Appetit verging mir, da ich mich angeekelt fühlte. Ich neige dazu , von solchen Geschichten berührt zu werden. Heiße Tränen liefen über meine Wangen.

Meine Freundin hat sich ausgedrückt: Sie hat von ihrer Emotionen, von der Beerdigung und von den Schmerzen gesprochen. Ihr Lebensmut ist vorbildlich. Ich habe diese Frau erst kennengelernt und ich hätte nie geraten, dass sie eine solche Erfahrung erleben musste.

Sie ist eine schöne Frau und ihr Lächeln ist ansteckend. Jetzt ist sie bei mir wirklich angesehen.

Ich habe später bei einer anderen Freundin gegessen. Stundenlang hat sie von Männern gesprochen. Ich musste seufzen aber gleichzeitig kann ich die Gemeinschaft anerkennen. Ich bin eine Frau und ich kann irgendwohin reisen und andere Frauen kennenlernen.

Sofort haben wir eine Verbindung. Wir sprechen über Sex und Perioden und Geburtenkontrolle und Liebe und Koketterie. Wir sind doch Frauen, oder?

Kategorien: Frontpage · Lebensfragen · Lifestyle · Modern Times

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