Zu Favoriten hinzufügen
Public Republic random header image

Pfau Pfing & Panda Bo

10 Oktober, 2009 von · Keine Kommentare

Dr. Ilija Dürhammer

Jungle
Foto: NCinDC

Ein Kinderbuch

In China geht die Sonne auf,
und Panda Bo reibt sich die Augen,
die kugelrunden Kulleraugen.
Dann schaut er auf den Ginkgo rauf.
Hoch auf dem Ginkgobaum, da straffen
sich eben dreißig Gibbon-Affen.
Und alle rufen: »Faulpelz, auf!«
Sie sind schon außer Rand und Band,
als weckte sie ein Waldesbrand.

Doch Panda Bo ist nicht so munter.
Er gähnt
und lehnt
sich an den Baum.
Der arme Bo, er merkt es kaum,
was von dem Baum da fliegt herunter:
ganz schrecklich viele Ginkgo-Nüsse.
Er denkt, daß es wohl regnen müsse.
Die Affen treiben’s immer bunter.
»Warum bewerft ihr mich, ihr Affen?
Was habe ich euch denn getan?«
Die Affen aber schaun und gaffen
den Panda Bo als Wunder an.
Da wird es Panda Bo zu viel,
er trottet runter zu dem Teiche
und stemmt die Pfote in die Weiche.
Das ist sein Ziel, dort ist es kühl
an jener alten Wintereiche.

Ein Bambussproß wird angekaut,
ein zweiter, dritter folgen nach,
gemütlich stets, gemach, gemach!
Dann folgt ein zartes Wiesenkraut.
Es schmeckt ihm gut, er schmatzt auch laut.
Nach diesem herrlichen Gericht
wird er schon wieder matt und müder.
Er putzt sich nur noch sein Gesicht
und legt sich an dem Teiche nieder.

Wie lange hat er denn geruht?
Und ist es etwa nur ein Traum?
Auf einmal sitzt am Eichenbaum
Ein prächtig Tier. Was das nur tut?
Es streckt den langen blauen Hals,
als ob der lang genug nicht wäre.
Auf einem Bein macht es die Kehre
und fliegt auf eine nahe Föhre.
Es glänzt und schimmert jedenfalls
in Blau, in Grün, in hellem Gold.
Ganz kupferbraun sind seine Schwingen.
Verwirrend ist vor allen Dingen,
wie es mit seinem Köpfchen rollt.
Es sitzt nicht nur wie auf dem Throne,
es trägt am Kopf auch eine Krone
aus Federn, die wie Perlen sind.

Da staunt das kleine Pandakind,
denn Panda Bo hat viel gesehen.
Doch all das Winden und das Drehen
geht Panda Bo doch zu geschwind.
Wer könnte auch bei solchem Treiben
ganz ruhig und gelassen bleiben?

Doch endlich faßt er sich ein Herz
und fragt das selt’ne Wundertier:
»Wer bist denn du? Bist nicht von hier.
Sag, wie du heißt! Ach, sag es mir!«
Das Wundertier
sieht himmelwärts,
weil es doch nicht mit jedem spricht.
Vor allem mit so Jungen nicht.
Doch Panda Bo gibt noch nicht auf
und nimmt die Eitelkeit in Kauf.
»Ich bin der Panda Bo vom Ginkgo-Baum.
Und wer bist du? Bist du ein Traum?«

Ein jeder weiß doch, wer ich bin.
Ich bin des Morgens Anbeginn
und auch der goldne Abendsaum.«
Doch Panda Bo versteht ihn kaum,
so seltsam klingt ihm dieses Wort.
Es klingt nach honigsüßen Waben.
»Du wirst doch einen Namen haben
Wenn du’s nicht sagst, dann geh’ ich fort!«
Und Panda Bo dreht sich schon um.
Da bleibt das Wundertier nicht stumm:
»Pfau Pfing heiß’ ich und komm’ von weit
aus einer schön’ren, beß’ren Zeit.«
»Nun gut, er redet halt geschliffen«,
denkt Panda Bo und ist versöhnt.
In Wahrheit hat er’s nicht begriffen,
doch hofft er, daß er sich gewöhnt
an dessen seltsame Gebärden.
Er denkt sich bloß: »Es wird schon werden!«
Denn Panda Bo hat sich schon lang’ gesehnt
nach einem Freund, der ihn begleitet,
an den er sich bisweilen lehnt,
weil Einsamkeit ihm nichts bedeutet.

Pfau Ping jedoch fliegt plötzlich weiter
und hat zum Abschied nichts gesagt.
Da läuft auch Panda Bo, der heiter
ihm folgen will wie auf der Jagd.
Er hetzt sich, er hechelt,
er fächelt
sich zu, er lauert, er lächelt
und gibt keine Ruh’.
Es köchelt das Blut,
er kämpft, und er keucht,
fast sinkt ihm der Mut,
doch dort ist er vielleicht …
Ja schau! ganz in Blau
und Gold ist der Pfau!
Pfau Pfing ist erreicht,
Pfau Pfing in der Au.

Pfau Pfing jedoch sieht ihn nicht an.
Er spiegelt sich im dunklen See
und streckt sein Krönchen in die Höh’.
Wie man so eitel schauen kann?!
Pfau Pfing ist wirklich furchtbar eitel,
vom Krallenfuß bis hin zum Scheitel.
Doch Panda Bo bestaunt den Pfing.
Er fühlt sich ganz und gar gering
und ist zugleich ganz sehnsuchtsvoll.
Ob er sich wohl mal baden soll?
Und schon ist Bo hineingesprungen.
Er planscht im See, so wie’s die Jungen
halt gerne tun,
wenn sie nicht ruh’n …

Da taucht ein gold’ner Karpfen auf
und hemmt des Pandas nassen Lauf:
»Was störst du meine Mittagsruh’,
du Störefried, wer bist denn du?«
Doch Panda Bo ist so erschrocken,
daß er sein kühles Bad verkürzt
und eilig aus dem Tümpel stürzt.
Ihr glaubt es nicht: schon ist er trocken,
als hätte er nicht g’rad gebadet.
Der Karpfen hat ihm nicht geschadet.
Das merkt er nun. »Ich bin der Panda Bo.
Und folg’ Pfau Pfing, dem schönsten Tier.
Du siehst ihn hier
gleich neben mir.«
»Na ja, der taugt mir gar nicht so!«
Der Karpfen blubbert etwas faul
und öffnet kaum sein Karpfenmaul.
»Sieh meine gold’nen Schuppen an!
Sag, ob’s was Schön’res geben kann!
Ich möchte den mal schwimmen sehn.
Ich wett’, der ist nicht halb so schön
wie wir in unsrem stillen Teich.
Und er ist auch nicht halb so reich.«
Der Panda Bo ist ganz empört.
Pfau Pfing hat es wohl auch gehört.
Pfau Pfing sagt: »Pah!« und dreht sich um.
Der Karpfen aber schwimmt nun stumm
zurück zu seinen Karpfenkindern.
Und Panda Bo hat Pfing nur kaum verteidigt.
Der Karpfen hat Pfau Pfing beleidigt.
Und Bo? Er konnt’ es nicht verhindern.

Schon wird es dunkel. Und es gaffen
die frechen kleinen Gibbon-Affen
auf unser seltsam ungleich Paar,
das wirklich wunderlich aussieht.
Und plötzlich singt die Affen-Schar
ein furchtbar grauenhaftes Lied.
»Der Tiger hat die Pandas gern,
so gern, so gern, zum Fressen gern.«
So tönt es her von nah und fern.
Und Panda Bo wird angst und bang
von diesem schrecklichen Gesang.
Ganz zitternd schläft er spät erst ein.
Die Affen sind doch so gemein.

Am Morgen ist Pfau Pfing schon früh’
von seinem Schlafplatz aufgebrochen.
Und Panda Bo ist wohl noch nie
so schnell aus seinem Bett gekrochen.
Jetzt darf er nicht weilen,
jetzt muß er sich eilen.
Er hetzt sich, er hechelt,
er fächelt
sich zu, er lauert, er lächelt
und gibt keine Ruh’.
Es köchelt das Blut,
er kämpft, und er keucht,
fast sinkt ihm der Mut,
doch dort ist er vielleicht …
Ja schau! ganz in Blau
und Gold ist der Pfau!
Pfau Pfing in einem Blütenwald.

Es ist ein Wald von Azaleen.
Der scheint in Flammen dazustehen.
Denn rosa, rot und gelb und weiß,
so leuchten sie und sind nicht heiß,
so schön, so feurig anzusehen.
Und hunderte Vögel
mit leuchtenden Schwingen
und Scharen von bunten Schmetterlingen.
Sie flattern
und schnattern
und brummen
und summen,
sie klingen
und singen
so bunt wie diese Blütenpracht,
die plötzlich aus der dunklen Nacht
erwacht,
entfacht
wie Sonnenlicht,
das zaghaft durch die Zweige bricht.

Die Äuglein reibt sich Panda Bo.
Schon wieder glaubt er sich im Traum,
ein Wunder ist es sowieso.
Doch Wahrheit ist’s. Man glaubt es kaum.
Auf einmal tummeln sich die hellen
und schlanken, schnellen
immer wachen Waldgazellen
zwischen
den Büschen
und blühenden Bäumen.
Sie selber duften noch sehr nach Träumen.
Da hört man weit’re Gäste nah’n:
der wunderschöne Goldfasan
mit seinen sieben braunen Hennen,
die hinter ihm laut gackernd rennen.
Der Goldfasan mit grünem Kopf
hat keinen ganz so schönen Schopf,
wie ihn Pfau Pfing mit Perlen schmückt.
Doch sonst ist wohl auch er geglückt.
Er plustert sich gar prächtig auf
und nimmt dabei sogar in Kauf,
daß ihn dabei Pfau Pfing erblickt.
Pfau Pfing sagt: »Pah!« und dreht sich um.
Der Goldfasan wird starr und stumm
und dreht sich zu den sieben Hennen,
die gar nichts mehr verstehen können.
Pfau Pfing und Golfasan sind eitel,
vom Krallenfuß bis hin zum Scheitel.
Zwei eitle Herren sind zu viel
für ihr Gefühl,
sodaß die Hennen
nach Hause rennen,
weil sie auf keinen Machtkampf brennen.

Auf einmal stören mies und fies
die Affen dieses Paradies
und strecken die Zungen,
sie necken den Jungen
und singen wieder überdies:
»Der Tiger hat die Pandas gern,
so gern, so gern, zum Fressen gern.«
So tönt es her von nah und fern.
Und Panda Bo wird angst und bang
von diesem schrecklichen Gesang.
Ganz zitternd duckt er sich und klein
bei einem moosbedeckten Stein.
Die Affen sind doch so gemein.
Pfau Pfing jedoch, der gerne schweigt,
sich heute einmal freundlich zeigt:
»Seit dieser Dschungel kriegerleer,
gibt längst es keine Tiger mehr.
Die Affen plappern blödes Zeug
und sind doch selber
dumme Kälber
und furchtsam, glaub’ es mir, und feig.«
»Man sieht, da kommt ein Sieger her!«,
denkt Pando Bo
und fühlt sich frei und froh.
Jetzt hat er keine Ängste mehr.

Es brummt nun plötzlich furchtbar laut.
Erschrocken blickt sich Panda Bo
nach allen Seiten um, doch nirgendwo
ist was zu sehn. »Ja, ja, so so!
Dein Magen braucht ein frisches Kraut.«
Pfau Pfing kennt dieses Magenbrummen.
Nur Essen bringt es zum Verstummen.
Da kehren sie zum Teich zurück.
Der Karpfen blubbert immer noch
mit Argwohn. Panda Bo jedoch
sucht jetzt am Ufer bloß sein Glück.
Dort wo die Bambusstauden wehen,
bleibt er im Handumdrehen stehen.
Denn Panda Bo ist so verschossen
auf junge zarte Bambussprossen.

Pfau Pfing jedoch ist unterdessen
schon längst am Eichenbaum gesessen.
Er späht nach jeder Himmelsrichtung.
Gefährlich scheint ihm diese Lichtung.
Und hört er nebst dem Panda-Schmatzen
kein Kratzen
wilder Katzentatzen?
Bei jenen Büschen schleicht ein Tier.
Er sieht nichts, doch ein fein Gespür
sagt ihm: Paß auf! Es lauert hier
ein Tier
mit übergroßer Gier.
Ein Knurren hört er schon und Knacken.
Das ist kein Magenknurren bloß.
Ein Räuber ist es, riesengroß.
Er wird doch Panda Bo nicht packen.
Schon sieht er lange dunkle Streifen,
ein Schleichen, weder feig noch faul.
Und Riesentatzen werden greifen
und reißen wird es mit dem Maul.
Hier ist er schon der Riesentiger,
er leckt
sich, streckt
die Zunge schon.
Er ist des Dschungels größter Sieger –
und will heut’ Panda Bo zum Lohn.

Da tönt der laute Pfauenschrei,
der ihn verwirrt.
Doch Bo, er irrt
im Kreis.
Ganz heiß
und kalt ihm wird.
Und kommt kein Retter denn vorbei?
Es schnattert
und flattert,
es knistert und knattert.
Die Vögel und Affen,
sie gucken und gaffen.
Doch schüchtern und scheu.

Den Tiger aber schert das nicht,
sieht Panda Bo schon wieder an
und denkt, daß der nicht fliehen kann.
Da spuckt ihm einer ins Gesicht.
Es ist der Karpfen, der vom Teich
hinüberspuckt ins trock’ne Reich.
Der Karpfen hat so gut gezielt,
daß er den Tiger abgekühlt.
Der wird jetzt zornig, planscht ins Naß,
so aber fängt der nie etwas.
Pfau Pfing nun flüstert unterdessen
zum angsterfüllten Panda Bo:
»Komm, klettere hinauf, nur so
wird dich das Tigertier nicht fressen!«
Und Panda Bo erklettert schwer
das dunkelgrüne Blättermeer.
Auf halber Höh’ ist erst der Tropf,
da wendet seinen Riesenkopf
der Tiger und kommt hinterher.
Da werfen die Affen in plötzlicher Wut
von Bäumen und Büschen
was sie g’rad erwischen
auf den Tiger hinunter.
Der stürzt gleich herunter,
ihm schwindet der Mut.

Und jetzt in diesem Augenblick
fliegt ihm Pfau Pfing noch wild entgegen
und zeigt ihm seinen besten Trick.
Die langen Federn sich bewegen
und legen
sich hoch zum Pfauenrad zusammen.
Da sieht er aus wie Sturm und Regen,
weil hundert Augen überlegen
dem Tigertier entgegenflammen.
Der Hals sieht aus wie eine Schlange.
Dem Tiger wird so angst und bange.
Da rennt er,
als brennt’ er
von diesem großen Pfauenrad,
das er noch nie gesehen hat.

Klein Panda Bo ist ganz betroffen.
Der kleine Mund steht ihm noch offen.
Auch er hat so was nie gesehn.
»Gib zu, er ist ganz wunderschön!«,
sagt er zum Karpfen: »Ja, hast recht!«
Und auch ein Hecht
im Karpfenteich
wird bei dem Anblick mild und weich.
Pfau Pfing jedoch zupft eine Feder
aus seinem aufgestellten Rad,
was er noch nie im Leben tat,
steckt Panda Bo sie hinters Ohr:
»Das sei das Zeichen, welches jeder
erkennen wird. Du bist mein Freund!«
Dem Panda Bo, der fast schon weint,
steigt Röte ins Gesicht empor.

Da gaffen
die Affen
und strecken die Zungen,
sie necken den Jungen:
»Hallihallo
der Panda Bo,
der weint ja so!
Der brummelt
und schummelt
und schnüffelt und schnauft.
Pfau Pfing hat Federn ausgerauft
fürs Ohr vom kleinen Panda Bo.
Der Tiger ist jetzt irgendwo.
Doch hast du kein Glück,
dann kommt er zurück.
Hi hi, ha ha, ho ho!«

Nur Panda Bo ist ausgesöhnt
mit dieser lauten Affenschar,
die eine große Hilfe war.
Sein Ohr ist wirklich ganz verschönt,
woran er sich noch nicht gewöhnt.
Er gähnt
und lehnt
sich an den Baum.
Der kleine Bo, er merkt es kaum,
daß er zum Schlafengehn sich sehnt.
Gut Nacht, du lieber Panda Bo,
Pfau Pfing auch du und sowieso!
Daß bald
im Wald
von Azaleen
wir uns’re Freunde wieder sehen!

Kategorien: Art Café · Frontpage

Tags: ,

Keine Kommentare bis jetzt ↓

  • Noch hat keiner kommentiert. Machen Sie den Anfang!

Kommentar schreiben