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Programm ilb 2010 (15. – 25. September 2010)

15 September, 2010 von · Keine Kommentare

Stand: 25.08.2010

Mi 15.9.
FOKUS OSTEUROPA | SPECIALS | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Café Global

21.00 Konzert: »Hunde im Weltall« im Sportklub der Armee
mit Serhij Zhadan (Ukraine) und Sobaky v kosmosi (Ukraine): Oleksandr Boldyriev (Vocal), Artem Dmytrychenkov (Trompete), Victor Kondratov (Schlagzeug), Sergii Kulaienko (Keyboard), Andrii Pyvovarov (Bass) und Ivan Pyrozhok (Posaune)
Die »kühnste Stimme der jungen ukrainischen Literaturszene« (NZZ) Serhij Zhadan und die Ska-Band Sobaky v kosmosi (Ü: Hunde im Weltall) verbinden die Ska- und Reggae-Musik politischer Emigranten aus Jamaika mit psychedelischen Chorelementen aus der ukrainischen Volksmusik zu ihrem aktuellen Projekt »Sportyvnyj klub armiji« (Ü: Sportklub der Armee). Klingt verrückt? Ist es auch!

Do 16.9.
FOKUS OSTEUROPA | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Konferenzraum 2

18.00 Faruk Šehić (Bosnien und Herzegowina): Vom Rattern der Maschinengewehre und tödlichen Instinkten
MODERATION: Olaf Ihlau SPRECHER: Matthias Scherwenikas
In seiner Kurzgeschichtensammlung »Unter Druck« legt Faruk Šehić künstlerisches Zeugnis vom Krieg in Bosnien-Herzegowina in den 1990er Jahren ab. Mit 22 Jahren ging er freiwillig zur Armee, um sein Land zu verteidigen. Sein Erleben von Angst und Gewalt, von Alptraum und Versöhnung steht seitdem im Mittelpunkt seiner Lyrik und Prosa.

Do 16.9.
FOKUS OSTEUROPA | DEUTSCHES THEATER_Saal

19.00 Artur Becker (Polen / Deutschland) und der Traum von Mutters Lippenstift
MODERATION: Barbara Wahlster
Der neue Roman »Der Lippenstift meiner Mutter« von Artur Becker katapultiert uns in eine Kleinstadt in Masuren, die bewohnt ist von kauzigen Sonderlingen jeglicher Couleur. Der junge Rebell Bartek träumt nicht nur vom Lippenstift seiner Mutter, sondern auch davon, der bizarren Welt der Großen zu entkommen und sein Mädchen zu finden.

Do 16.9.
FOKUS OSTEUROPA | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Konferenzraum 1

19.30 Mit Sergej Minajew (Russland) zu den Mumien im Chanel-Kostüm der Moskauer Clubs
MODERATION: Henrike Schmidt SPRECHER: Matthias Scherwenikas
Sergej Minajews Kultroman »Seelenkalt« seziert die Moskauer Gesellschaft der Reichen und Schönen. Mit seinen Beschreibungen des schalen und stumpfsinnigen Lebensalltags eines jungen Moskauer Finanzdirektors kritisiert er exemplarisch das von Gier geprägte moderne Wirtschaftsleben und die kritiklose Übernahme des amerikanischen Lebensstils seiner Generation.

Do 16.9.
FOKUS OSTEUROPA | CAFÉ HILDE

19.30 Engel, Dreck, Liebe – Neueste Rumänische Literatur I: Radu Aldulescu (Rumänien)
MODERATION: Mirko Schwanitz SPRECHERIN: Meike Schlüter
Aldulescus Roman »Ana Maria und die Engel« beschreibt in mutiger und kraftvoller Prosa die Schicksale zweier Frauen. 1987 flieht Mariana aus Rumänien nach Wien. Trotz ihres brutalen Überlebenskampfes als Ausländerin und gegen ihre Lupus-Erkrankung glaubt sie unerschütterlich an eine gute Macht. Ihre Tochter Ana Maria folgt den schmerzhaften Spuren des mütterlichen Martyriums. Eine Veranstaltung des Rumänischen Kulturinstituts »Titu Maiorescu« Berlin im Rahmen des ilb.
Eintritt frei

Do 16.9.
FOKUS OSTEUROPA | DEUTSCHES THEATER_Saal

20.30 POETRY NIGHT I
MODERATION: Katharina Narbutovic SPRECHER: Frank Arnold und Astrid Gorvin
Aleš Debeljak (Slowenien), Poet und Intellektueller, strebt in den früheren Gedichten nach einer »Akustik der Stille«, dem natürlichen Schweigen, später ist sein Werk geprägt von der Gewalt während des Zerfalls Jugoslawiens.
Hasso Krull (Estland), ein großer Theoretiker des Poststrukturalismus, arbeitet in seinen Gedichten mit zahlreichen intertextuellen Bezügen und Assoziationen zu anderen Kunstformen wie der Fotografie und Musik.
Valžyna Morts (Belarus) Lyrik ist die einer Wanderin zwischen Ost und West. Es geht um Landschaften, poetische Räume und Musik und nicht zuletzt um die belarussische Sprache selbst, in der sich die Umbrüche ihrer Heimat spiegeln.
Jovan Zivlaks (Serbien) Poesie verknüpft Spiritualität und Philosophie in Bildern des Alltäglichen, die, auf eine Metaebene gehoben, die Rätselhaftigkeit der modernen Welt zu entschlüsseln suchen.

Do 16.9.
FOKUS OSTEUROPA | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Konferenzraum 1

21.00 Radka Denemarkovás (Tschechien) Blick auf die verdrängte deutsch-tschechische Nachkriegsgeschichte
MODERATION: Gabriele von Arnim
Nachdem die 16-jährige Gita die Hölle von Auschwitz überlebt hat, kommt sie 1945 in ihr böhmisches Heimatdorf zurück. Doch der Familienbesitz wurde konfisziert und die Deutschsprachige wird als Staatsfeindin verjagt. Radka Denemarková erzählt in ihrem preisgekrönten Roman »Ein herrlicher Flecken Erde« von verdrängten Wirklichkeiten in der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Do 16.9.
FOKUS OSTEUROPA | COLLEGIUM HUNGARICUM BERLIN

21.00 Ivaila Alexandrova (Bulgarien) über die Selbstvernichtung der Intelligenzija
MODERATION: Penka Angelova SPRECHERIN: Regina Gisbertz
Mit ihrem dokumentarischen Roman »Heißes Rot« begibt sich die Autorin auf die Spuren der Verfolgung von Intellektuellen durch die Kommunistische Partei. Basierend auf historischen Quellen und Zeitzeugengesprächen, wird mithilfe verschiedener Handlungsebenen und Perspektiven ein multidimensionales Epochenbild entworfen, das die Angst, die Grausamkeiten und Manipulationen dieser Zeit beschreibt und einst revolutionäre Dichter Bulgariens als Regimeschergen entlarvt.

Fr 17.9.
FOKUS OSTEUROPA | REFLECTIONS | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Konferenzraum 2

16.00 Die Literaturen der anderen… Literaturübersetzungen in Mittel- und Osteuropa
mit Lidija Dimkovska (Mazedonien), Christine M. Merkel (Deutschland), Valžyna Mort (Belarus) und Ana Ristović (Serbien)
MODERATION: Esther Kinsky
Die Gesprächsrunde soll die Facetten der Übersetzungsarbeit vor dem Hintergrund aktueller Gegebenheiten des Literaturbetriebs in MOE beleuchten. Wie ist es um das Interesse des Lesepublikums an Übersetzungen bestellt? Gibt es Verlage und Literaturzeitschriften, die durch konsequente Übersetzungspolitik den Literaturaustausch innerhalb von MOE fördern? Wie kann man die Etablierung »neuer Literatursprachen« wie Belarussisch bewerten? Und welchen Beitrag leistet Übersetzungsarbeit zur kulturellen Vielfalt?
In Kooperation mit der Deutschen UNESCO-Kommission e. V. Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt.

Fr 17.9.
FOKUS OSTEUROPA | REFLECTIONS | BERLINER-UNION-STUDIO 4

16.30 ZDF nachtstudio: Ein Kampf um Europa?
mit Artur Becker (Deutschland / Polen), Martin Pollack (Österreich), Katharina Raabe (Deutschland) und Ilija Trojanow (Bulgarien / Deutschland)
MODERATION: Volker Panzer
Nach fast 60 Jahren Einigung ist Europa in der Krise: wirtschaftlich, politisch und kulturell. In den östlichen Beitrittsländern erwacht ein Nationalismus, genährt aus antieuropäischem Populismus. Brauchen wir einen neuen Europabegriff, und welche Rolle spielen die Intellektuellen dabei? Die Sendung wird am 19. September im ZDF ausgestrahlt. Geschlossene Veranstaltung

Fr 17.9.
FOKUS OSTEUROPA | REFLECTIONS | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Konferenzraum 1

18.00 Der Westen im Osten – Osteuropäische Wahrnehmungen
mit Bára Procházková (Tschechien), Oxana Evdokimova (Russland), Borka Pavićević (Serbien) und Basil Kerski (Deutschland / Polen)
MODERATION: Barbara Wahlster
Der Mythos vom Westen herrschte lange Zeit vor in Osteuropa. Seit Mauerfall, Bosnien- und Kosovokrieg und der EU-Osterweiterung aber änderte sich das Bild: Politische und wirtschaftliche Einflüsse, militärische Eingriffe sowie künstlerischer und kultureller Dialog lassen ein neues Bild des Westens entstehen.

Fr 17.9.
FOKUS OSTEUROPA | REFLECTIONS | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Konferenzraum 1

19.30 Der westliche Blick auf Osteuropa
mit Michael Kimmelman (USA), Manfred Sapper (Deutschland) und Francesca Sforza (Italien)
MODERATION: Florian Höllerer
Die Medien der westlichen Länder fokussieren sich in ihrer Berichterstattung über die osteuropäischen Länder im Wesentlichen auf Hochwasser, Korruption, Stagnation und Vergangenheitsbewältigung. Doch bildet sie wirklich die Realität in Polen, den Alltag in Ungarn, das Leben in Litauen und die Menschen in Montenegro ab? Ist Osteuropa nicht vielfältiger? Fernab aller Klischees und Erwartungshaltungen eröffnen wir Ansichten, Einsichten und Aussichten auf diesen vielfältigen Teil Europas.

Fr 17.9.
FOKUS OSTEUROPA | SZIMPLA – KAFFEEHAUS BUDAPEST

20.00 Geschichte literarisch – Bestandsaufnahme Visegradländer
mit György Dalos (Ungarn), Radka Denemarková (Tschechien), György Dragomán (Ungarn) und Anna T. Szabó (Ungarn)
MODERATION: Silvia Szarková
Die Romane von Radka Denemarková und György Dragomán zeigen verschiedene Wege des Umgangs mit der Vergangenheit in der zeitgenössischen Literatur der Visegrad-Länder. György Dragománs »Der weiße König« ist eine subjektive Bearbeitung der Diktaturerfahrungen aus der Sicht eines Kindes. Mit den Werken Radka Denemarkovás erreicht die in Polen bereits etablierte neue Welle der provokativen Auseinandersetzung mit Tabuthemen der Vergangenheit nun auch die tschechische Literatur. Doch auch die Lyrik, wie die Anna T. Szabós, entschlüsselt Wahrnehmungen der Vergangenheit. Ein Lese- und Diskussionsabend. Eine Veranstaltung im Rahmen des »Visegrad Visibility«-Programms der Europäischen Kulturstiftung Budapest, mit der Unterstützung des Internationalen Visegrad Funds. Eintritt frei

Fr 17.9.
FOKUS OSTEUROPA | COLLEGIUM HUNGARICUM BERLIN

20.30 Swetlana Alexijewitsch (Belarus) und ihre Porträts von Menschen am Ende des roten Imperiums
MODERATION: Sven Arnold SPRECHERIN: Naomi Krauss
Zwanzig Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion geht Swetlana Alexijewitsch der Frage nach, wie sich die tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen auf das Leben in Russland ausgewirkt haben. In ihren Porträts von Selbstmördern zeigt sie diejenigen, die nicht fähig waren, sich auf die neuen Bedingungen einzustellen und dokumentiert damit Geschichte als menschliche Erfahrung.

Fr 17.9.
LITERATUREN DER WELT | FOKUS OSTEUROPA | DEUTSCHES THEATER_Saal

20.30 POETRY NIGHT II
MODERATION: Silke Behl SPRECHER: Friedhelm Ptok und Nina West
Kevin Hart (Australien) spannt in seinen Gedichten den metaphysischen Bogen zwischen menschlichem Dasein, Sprache und der Wirklichkeit hinter und in den Dingen. Harold Bloom nennt ihn »einen der bedeutendsten lebenden Dichter der englischen Sprache«.
Dennis O’Driscoll (Irland) schreibt über Alltagswelten, in denen er sich als Beamter seit 40 Jahren bewegt. Subtil, mal komisch, mal tragisch, reflektiert er das unmittelbar Gegenwärtige und das Vergängliche.
Mit melancholischer Leichtigkeit bricht Nikola Madzirov (Mazedonien) in seinen Versen übliche Denkschemata auf – nichts ist verbunden, alles temporär, kontinuierlich ist allein die Bewegung: »Die Unruhe der Welt wird mit uns sein«.
Serhij Zhadan (Ukraine) poetisiert in seiner Lyrik den Orientierungsverlust in der postsozialistischen Gesellschaft. Zwischen Zerfallsromantik und trotzigem Aufbruch schwankend, hört man die Stimme der Generation des politischen Umbruchs.

Fr 17.9.
FOKUS OSTEUROPA | SPECIALS | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Konferenzraum 1

21.00 Eva Sichelschmidt im Gespräch mit Valžyna Mort (Belarus) und Natalja Kljutscharjowa (Russland)
SPRECHERIN: Susanna Kraus
Was bedeutet Literatur für junge Autorinnen? Ernüchternd, provozierend, zornig, poetisch, wortmächtig sind die Texte aus Belarus und Russland. Eva Sichelschmidt führt durch die literarische Soirée, bei der die Schriftstellerinnen sich in persönlicher und literarischer Begegnung über Schreiben und Erzählen austauschen.

Fr 17.9.
FOKUS OSTEUROPA | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Konferenzraum 1

22.30 Vera Polozkova (Russland) und die Unmittelbarkeit der Poesie
MODERATION: Ulrich Schreiber SPRECHERIN: Susanna Kraus
Eine der jüngsten Poetinnen Russlands, auch bekannt unter ihrem Bloggernamen vero4ka, präsentiert ihre Lyrik: Frei von fest gefügten Strukturen, wild, stark und verletzlich zugleich, erzählen ihre Gedichte von Freude, häufiger jedoch von Schmerz und Ungerechtigkeit. Sie betont die Bedeutung des Visuellen, nicht nur der Text, auch der Auftritt des Dichters macht Lyrik lebendig.

Sa 18.9.
FOKUS OSTEUROPA | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Konferenzraum 1

15.00 Die Weltumsegelung eines blinden Marineleutnants – entdeckt von Ilija Trojanow (Bulgarien / Deutschland)
MODERATION: Arno Widmann
In »Fühlend sehe ich die Welt« präsentiert Ilija Trojanow erstmals auf Deutsch die Beschreibung einer einzigartigen Weltumsegelung. Der mit 25 Jahren erblindete britische Marineleutnant James Holman war 1819 ohne Hilfe zu einer Weltreise aufgebrochen, kam bis zu den westafrikanischen Kolonien und nach Sibirien und hat die Eindrücke von seiner wagemutigen Reise in einem Tagebuch festgehalten.

Sa 18.09
FOKUS OSTEUROPA | REFLECTIONS | BABYLON

15.00 Anwälte der Freiheit? Schriftsteller und Intellektuelle im Spannungsfeld der Macht
mit György Dalos (Ungarn), Adam Krzeminski (Polen) und Peter Schneider (Deutschland)
MODERATION: Tissy Bruns
Nicht erst seit der Revolution 1989 wissen wir um den Beitrag von Autoren und Intellektuellen zum politischen Umbruch in Mittel- und Osteuropa. Doch sind sie per se Anwälte der Freiheit? Erliegen nicht auch sie den »Versuchungen der Unfreiheit« (Dahrendorf)? Was sind die Voraussetzungen, um den Versuchungen zu widerstehen? Was verhindert die Eintrübung des kritischen Blicks auf das Phänomen Macht? Welcher Bedingungen bedarf es, damit Denken und Sprechen nicht erpressbar werden?
Mit anschließendem kleinen Empfang. In Kooperation mit der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Sa 18.9.
FOKUS OSTEUROPA | REFLECTIONS | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Konferenzraum 2

16.00 Stadtwelt − Weltstadt: Moskau
Omar Akbar (Deutschland) im Gespräch mit Natalja Kljutscharjowa (Russland)
Moskau ist heute eine der Megastädte der Welt und gehört mit über zehn Millionen Einwohnern zu den größten städtischen Agglomerationen Europas. Hier fand nicht nur eine extreme Wandlung vom Zarismus zum Sozialismus bis zur Perestroika statt. Moskau ist auch politisches und ökonomisches Machtzentrum und zugleich Zentrum des kulturellen Diskurses. In keiner Stadt trifft man auf so extreme Widersprüche: Historie und Modernität, reich und arm, Nationalismus und Multikulturalität.

Sa 18.9.
FOKUS OSTEUROPA | SPECIALS | M33 HÖFE

16.00 Frau Zhuk und ihre Enkelin. Lesung – Gespräch – Fotoausstellung
MODERATION UND FOTOAUSSTELLUNG: Roland Stelter
Ein Gespräch mit Maria Zhuk (Ukraine) und ihrer Enkelin Yanina Lazarenko (Ukraine) über die Verzweiflung und die Hoffnung nach den Erfahrungen der Großmutter im Schatten des Gulags, als Zwangsarbeiterin in Süddeutschland, als Überlebende und Widerständlerin in den KZs Ravensbrück und Sachsenhausen, als Geächtete in der Stalin-, Chruschtschow- und Breschnew-Zeit, nach Perestroika, Glasnost und Renationalisierung der Ukraine. Nach den Odysseen der Enkelin durch die Metropolen Ost- und Westeuropas. Mit den Erfahrungen einer 86-jährigen Frau in einem ukrainischen Dorf am Ende einer langen Straße und mit den Erfahrungen der Enkelin als alleinstehende Mutter im Kiew von heute.
Fotoausstellung: Sa 18.9.2010, 10−16 Uhr und So 19.9.2010, 12-18 Uhr
Eine Veranstaltung von forum bmp – communication design art, in Kooperation mit dem Deutsch-Russischen Museum Berlin-Karlshorst, dem Dokumentationszentrum NS- Zwangsarbeit Berlin-Schöneweide und der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, im Rahmen des ilb. Eintritt frei

Sa 18.9.
FOKUS OSTEUROPA | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Konferenzraum 1

16.30 György Dragomán (Ungarn) über Diktaturerfahrungen eines Kindes MODERATION: Silvia Szarková SPRECHER: Max Gertsch
György Dragománs Roman »Der weiße König« spielt zur Zeit der rumänischen Diktatur unter Ceauşescu. Aus der Perspektive eines Kindes wird die Erfahrung psychischer Gewalt und die Verrohung und Niedertracht in den menschlichen Beziehungen vermittelt, was der Geschichte den Klang eines bösen Märchens verleiht und die Absurdität von Diktaturen deutlich werden lässt.

Sa 18.9.
FOKUS OSTEUROPA | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Konferenzraum 1

18.00 Vladimir Sorokins (Russland) frostiger Abgesang auf die Menschheit MODERATION: Wilfried F. Schoeller SPRECHER: Friedhelm Ptok
Mit seinem Roman »23000«, der das Projekt Menschheit für gescheitert erklärt, schließt Vladimir Sorokin seine Romantrilogie »Eis« ab. In diesem fantastischen Roman brilliert Sorokin erneut mit stilistischen Experimenten, imitiert die Sprache von Verrückten, erzählt im Stil des roman noir und liefert einen Exkurs über die Maschinenbegeisterung im Geiste der 1920er Jahre.


Sa 18.9.
FOKUS OSTEUROPA | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Konferenzraum 1

19.30 Nicol Ljubićs (Deutschland) Liebesgeschichte im Schatten des bosnischen Krieges
MODERATION: Sven Arnold
Mit seiner Geschichte über ein Massaker in Bosnien geht Nicol Ljubić der Frage nach individueller Schuld der Nachgeborenen von politischen Katastrophen nach. In seinem Roman »Meeresstille« verliebt sich ein junger Deutscher mit kroatischen Wurzeln in eine serbische Studentin, erfährt jedoch erst nach dem Scheitern der Beziehung, dass ihr Vater, ein Shakespeare-Forscher, sich wegen Kriegsverbrechen in Den Haag verantworten muss.

Sa 18.9.
FOKUS OSTEUROPA | CAFÉ HILDE

19.30 Engel, Dreck, Liebe – Neueste Rumänische Literatur II: Matei Florian (Rumänien) und Filip Florian (Rumänien)
MODERATION Jörg Plath SPRECHERIN: Meike Schlüter
Der gemeinsam verfasste Kindheitsroman der beiden Brüder Filip und Matei Florian, »Die Jungs von der Allee«, nahm die unerschütterlich zwischen spielerischem und tragischem Erzählen balancierende Prosa von Matei Florian bereits vorweg. Sie macht seinen Debütroman »Und Hams und Regretel« aus: Ein unglücklich Liebender in der Einsamkeit einer Berghütte, umgeben von leuchtenden Zwergen … Eine Veranstaltung des Rumänischen Kulturinstituts »Titu Maiorescu« Berlin im Rahmen des ilb. Eintritt frei

Sa 18.9.
FOKUS OSTEUROPA | REFLECTIONS | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Theatersaal

20.00 Das System Putin-Medwedew: Über die Chancen zivilgesellschaftlicher Entwicklungen in Russland
mit Natalja Kljutscharjowa (Russland), Sonja Margolina (Deutschland), Sergej Minajew (Russland) und Michail Ryklin (Russland)
MODERATION: Manfred Sapper
Wie wirkte und wirkt sich das System Putin-Medwedew auf die Zivilgesellschaft in Russland aus? Wie ist das Verhältnis zwischen Staat und gesellschaftlich artikulierten Interessen?

Sa 18.9.
FOKUS OSTEUROPA | COLLEGIUM HUNGARICUM BERLN

20.30 POETRY NIGHT III
MODERATION: Silke Behl SPRECHER: Frank Arnold und Susanna Kraus
Der Balkan, das ist ein Ort, an dem die Menschen lange Kaffee trinken, erklärt die Burda-Preisträgerin Ana Ristović (Serbien) und bietet mit ihren Texten mehr als »Zerstreuung für müßige Töchter«. Vielmehr fordert sie zum Nachdenken auf.
Lidija Dimkovska (Mazedonien) verwebt in ihrer Lyrik Wesensfremdes zu skurrilen Metaphern, mit denen sie der heutigen osteuropäischen Gesellschaft einen Spiegel vorhält. Sie erhielt zahlreiche Preise und lebt heute in Slowenien.
Als großer Literaturtheoretiker dekonstruiert Dmitri Golynko (Russland) Sprachwirklichkeit und Ideologie. Die Lyrik des russischen Dichters birgt eine scharfsinnige Kapitalismuskritik und Gesellschaftsanalyse.
Der Dichter, Aktionskünstler, Journalist, DJ und Rockbandleader Sergej Timofejew (Lettland) arbeitet am Schnittpunkt von Poesie, Musik und Video und kam damit auf die Shortlist des Andrei-Bely-Preises 2002.

Sa 18.9.
FOKUS OSTEUROPA | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Konferenzraum 1

21.00 Michael Stavarič (Österreich / Tschechien) und die bösen Spiele im Geschlechterkrieg
MODERATION: Shelly Kupferberg
Michael Stavaričs Roman »Böse Spiele« dreht sich um die mörderischen Verhältnisse in einer Viererbeziehung. Mit Anklängen an die Mythologie erzählt er eine Geschichte von Begehren, Hingabe, Sex und Verrat in der von allen Regeln befreiten, modernen Beziehungskultur und führt die Banalität von Alltagssituationen und das Missverstehen zwischen Männern und Frauen vor.

So 19.9.
FOKUS OSTEUROPA | REFLECTIONS | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Konferenzraum 1

15.00 Die kulturelle Zukunft des Balkans
mit Borka Pavićević (Serbien), Beqë Cufaj (Kosovo) und Dubravka Ugrešić (Kroatien / Niederlande)
MODERATION: Wolfgang Klotz
Knapp 20 Jahre sind seit dem Zerfall Jugoslawiens vergangen, Jahre der Gewalt, die Spuren hinterlassen haben. Aber was verspricht die Zukunft?
Durch die sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen sind Kunst und Kultur wenig gefördert worden. Gerade aber hier könnte die Chance liegen, Gemeinsamkeiten zu finden und zu kommunizieren. Neue kulturelle Strömungen eröffnen Wege der Auseinandersetzung und des Dialogs. Was verbindet die neuen Länder der Region? Nicht das, was trennt, sondern das, was sie zusammenführt, soll Gesprächsthema sein.


So 19.9.
FOKUS OSTEUROPA | ERINNERUNG, SPRICH | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Konferenzraum 1

16.30 Anna Altschuk (1955-2008): Schwebe zu Stand. Lyrik
mit Michail Ryklin (Russland)
MODERATION: Katharina Raabe SPRECHERIN: Gabriele Leupold
»Ich würde ein Gedicht mit einem lebendigen Organismus vergleichen, in dem alle Funktionen eng miteinander verbunden sind«, sagte die 1955 auf der russischen Insel Sachalin geborene Videokünstlerin, Fotografin und Dichterin über ihre Werke. Ihre Gedichte stehen in der Tradition der russischen Avantgarde, denn Anna Altschuk zerbricht Wörter und Sätze, die so ihre Bedeutungen freigeben, und fügt die Bestandteile neu zusammen – zu schillernden, auch visuell hochkomplexen, luftigen Gebilden. 2007 verließ Anna Altschuk mit ihrem Mann Michail Ryklin Moskau und siedelte nach Berlin, wo sie 2008 starb. Michail Ryklin wird ihren Gedichtband »Schwebe zu Stand« vorstellen.

So 19.9.
FOKUS OSTEUROPA | SCHAUBÜHNE_Saal C

17.00 Dubravka Ugrešić (Kroatien / Niederlande) über Wellnesskommerz, Altershumor und die Hexe Baba Jaga
MODERATION: Florian Höllerer SPRECHERIN: Astrid Gorvin
Dubravka Ugrešić greift in ihrem Buch »Baba Jaga legt ein Ei« verschiedene Aspekte der bekannten slawischen Hexenfigur auf. Als Verkörperungen des Mythos treten drei alte Damen auf, die den Auswirkungen von Jugendwahn und Wellnesskommerz trotzen und unbeirrt alle Eigenschaften kultivieren, die Frauen seit den Hexenverbrennungen abtrainiert wurden.

So 19.9.
FOKUS OSTEUROPA | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Konferenzraum 1

18.00 Filip Florian (Rumänien) taucht in die rumänische Vergangenheit ein
MODERATION: Carmen Francesca Banciu SPRECHER: Elias Arens
Bei Ausgrabungen in der Nähe eines kleinen Karpatenstädtchens wird ein Massengrab entdeckt. Vielen Skeletten fehlen die kleinen Finger, was auf ein Verbrechen der Securitate hindeutet, bis die Toten schließlich als Pestopfer identifiziert werden. Filip Florian verbindet in seinem Debütroman mit großer Imaginationskraft die Rekonstruktion realer Ereignisse mit fantastischen Elementen. In Kooperation mit dem europäischen Literaturnetzwerk HALMA und unterstützt von der Europäischen Kommission. Siehe: www.halma-network.eu

So 19.9.
FOKUS OSTEUROPA | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Theatersaal

18.30 Natalja Kljutscharjowas (Russland) Fahrt durch das heutige Russland der Extreme
MODERATION: Olga Wostrezowa SPRECHERIN: Kathleen Gallego Zapata
Auf der Suche nach glücklichen Menschen folgt Natalja Kljutscharjowa in »Endstation Russland« einem Petersburger Studenten auf eine Fahrt kreuz und quer durch ihre Heimat. Dabei trifft sie auf Verirrte, Verrückte und einsame Helden am Rande einer Gesellschaft im Umbruch. Ihr Debütroman ist eine schillernde Enzyklopädie des Lebens im heutigen Russland der Extreme.

So 19.9.
FOKUS OSTEUROPA | COLLEGIUM HUNGARICUM BERLIN

18.30 Vladimir Vertlib (Österreich / Russland) über die vermeintlich unüberwindlichen Gräben zwischen den Religionen
MODERATION: Sven Arnold
Vladimir Vertlib erzählt in seinem Roman »Am Morgen des zwölften Tages« über die Beziehung einer Deutschen zum Orient und bettet seine Erzählung in den konfliktträchtigen Zusammenhang der schwierigen Verhältnisse zwischen Orient und Okzident, zwischen Christentum, Judentum und Islam ein.

So 19.9.
FOKUS OSTEUROPA | SCHAUBÜHNE_Saal C

19.00 Vladimir Sorokin (Russland) und der Zuckerkreml für das Volk
MODERATION: Arno Widmann SPRECHER: Ernst Stötzner
»Der Zuckerkreml« ist das visionäre Buch mit Kurzerzählungen von Vladimir Sorokin über eine totalitäre Gesellschaft der Zukunft. In Miniaturen schillernder Episoden führt er uns durch die dunklen Seitengassen eines utopischen Russland. Leitmotiv ist der titelgebende Kreml aus Zucker, der dem Volk den Alltag aus Angst und Gewalt versüßen soll.

So 19.9.
FOKUS OSTEUROPA | REFLECTIONS | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Theatersaal

20.00 Antisemitismus und Nationalismus. Warum ist Ungarn in die Schlagzeilen geraten?
mit György Dalos (Ungarn), György Dragomán (Ungarn) und András Kovács (Ungarn) MODERATION: Marina Neubert
Keine zwei Jahre ist es her, dass die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag in Budapest von Rufen wie »Zigeuner in die Donau« und »Drecksjuden« überschattet wurden. Die Rechtsradikalen hatten die Gräueltat von 1944 im Sinn, als Hunderte ungarischer Juden erschossen und in die Donau geworfen wurden. Gehören nun solche Ausrufe inzwischen zum ungarischen Alltag? Ist für den aufsteigenden Antisemitismus und Nationalismus im Land die mangelnde Aufarbeitung der Vergangenheit in der kommunistischen Diktatur verantwortlich? Befördert der politische Triumph der Rechtspopulisten das Aufleben der alten Feindbilder?

So 19.9.
FOKUS OSTEUROPA | REFLECTIONS | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Konferenzraum 2

20.15 Stadtwelt − Weltstadt: Bukarest
Omar Akbar (Deutschland) im Gespräch mit Filip Florian (Rumänien)
Eine europäische Stadt mit einer großen Vergangenheit wird besonders im 20. Jahrhundert unter der sozialistischen Diktatur stigmatisiert. Sie versucht, sich wieder zu erfinden. Dazu sind große Anstrengungen erforderlich, um neu Perspektiven und Identitäten zu kreieren. Gerade die Kreativen der Stadt bemühen sich, diesen Suchprozess in Bewegung zu bringen.

So 19.9.
LITERATUREN DER WELT | FOKUS OSTEUROPA | DEUTSCHES THEATER_Saal

20.30 POETRY NIGHT IV
MODERATION: Silke Behl SPRECHER: Naomi Krauss und Friedhelm Ptok
Sjón (Island) Das isländische Multitalent veröffentlichte mit 15 Jahren seinen ersten Lyrikband. Er studierte Kunst, spielte in Björks Band Sugarcubes und schreibt auch heute noch viele ihrer Songtexte. 2004 folgte sein Durchbruch als Romancier.
José F. A. Oliver (Deutschland) Der Sohn spanischer Gastarbeiter nennt sich selbst einen »Schwarzwälder Andalusier«. Geprägt durch die Musikalität der Sprache seiner Eltern und den alemannischen Dialekt seiner Heimat, erforscht er die semantischen Grenzen der deutschen Sprache.
Mal ironisch, mal melancholisch nähert sich István Kemény (Ungarn) historischen Geheimnissen. Indem er sich traditioneller Symbole bedient, schafft der Poet surreale Welten, die gleichsam der geschichtlichen Wirklichkeit verbunden sind.
Israel Bar Kohav (Israel) In seinen Gedichten voll Melancholie schwingen stets auch die Erfahrungen des konfliktreichen Alltags in seinem Heimatland mit. Israel Bar Kohav engagiert sich als Vermittler zwischen Israelis und Palästinensern.


Mo 20.9.
FOKUS OSTEUROPA | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Konferenzraum 1

18.00 Bora Ćosićs (Serbien / Deutschland / Kroatien) Gedichte über den Abschied und die Ankunft im Ungewissen
MODERATION: Shelly Kupferberg SPRECHER: Frank Arnold
1992 verließ Bora Ćosić seine Heimat Serbien aus Protest. Im Exil fing er erneut an, Gedichte zu schreiben. Vorgestellt wird sein Lyrikband »Die Toten. Das Berlin meiner Gedichte«, in dem er einerseits Erinnerungen an ein Zeitalter heraufbeschwört und andererseits die neuen Stätten seiner inneren und äußeren Emigration erkundet.

Mo 20.9.
FOKUS OSTEUROPA | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Konferenzraum 1

19.30 László Krasznahorkai (Ungarn) über Vollkommenheit und Unvollkommenes
MODERATION: Verena Auffermann SPRECHER: Frank Arnold
Der große Melancholiker der ungarischen Literatur László Krasznahorkai erzählt mit untrüglichem Sinn für Momente des Göttlichen im Handwerk oder der Natur vom inspirierenden Funken in den Dingen. Seiobo ist eine japanische Göttin, deren Pfirsiche nur alle 3000 Jahre blühen, aber Unsterblichkeit schenken.

Mo 20.9.
FOKUS OSTEUROPA | REFLECTIONS | HEINRICH BÖLL STIFTUNG

19.30 Verdrängt, verklärt, verarbeitet? Die Aufarbeitung des Stalinismus
mit Swetlana Alexijewitsch (Belarus), Andrei Sorokin (Russland), Arsenij Roginskij (Russland) und Lascha Bakradse (Georgien)
MODERATION: Jens Siegert
Mehr als zehn Millionen Menschenleben hat Stalins Regime gefordert. Die Auseinandersetzung in den postsowjetischen Staaten ist unterschiedlich. Für viele ist Stalin der Held, der »den Krieg gewonnen hat«. Für eine Minderheit in Russland ist er ein Tyrann, der Millionen Menschenleben auf dem Gewissen hat und viel Leid brachte. In seinem Geburtsland Georgien war er lange »unser Stalin«. Sehr oft ist Stalin beides, Held und Tyrann zugleich – in dieser Reihenfolge. Alle nationalen Erinnerungen konzentrieren sich fast ausschließlich auf die Opfer, fast nie auf die Täter. Warum werden die Verbrechen Stalins nicht umfassend aufgearbeitet? Warum gibt es in Russland bis heute keine rechtliche Bewertung dieser Taten? Warum betonen die rechtlichen Bewertungen anderswo das nationale Element des Terrors, weniger das politische oder das soziale? Welche Positionen werden in den postsowjetischen Gesellschaften vertreten, welche durch die Staaten?
In Zusammenarbeit mit der Heinrich Böll Stiftung. Eintritt frei

Mo 20.9.
FOKUS OSTEUROPA | REFLECTIONS | INSTITUT FRANÇAIS DE BERLIN

20.00 Boris Pahor (Slowenien/Italien) spricht über seinen Lebensweg
MODERATION: NN
1920, im Alter von sieben Jahren, war Pahor Zeuge, wie das slowenische Kulturhaus in Triest als Hochburg der slowenischen Bevölkerung durch italienische Faschisten in Brand gesteckt wurde. Als 27-Jähriger ging er für Mussolini nach Libyen in den Krieg, mit 30 schloss er sich der antifaschistischen Befreiungsbewegung an, mit 31 bis zum Ende des zweiten Weltkrieges war er in vier KZs. Diese traumatischen Jahre und sein Leben in Italien als Angehöriger der geächteten Slowenen, verarbeitete er in seinen preisgekrönten Romanen. Unlängst erschienen fünf Romane Pahors auf Deutsch, darunter »Im Labyrinth« und »Geheime Sprachgeschenke«. Der große slowenische Autor, der in einem Atemzug mit Primo Levi, Jorge Semprún und Imre Kertész genannt wird, gibt Auskunft über sein Leben.

Mo 20.9.
FOKUS OSTEUROPA | STIFTUNG BRANDENBURGER TOR

20.00 Nicoleta Esinencu, die junge Stimme Moldaus liest aus »Odessa Transfer«
MODERATION: Katharina Raabe SPRECHERIN: Julia Malik
Die moldauische Autorin Nicoleta Esinencu wurde international bekannt durch »Fuck you, Eu.ro.Pa!«, ein Theaterstück über die Identitätskrise des jungen Moldaus zwischen Postkommunismus, Ausgrenzung durch Rumänien, Russenhass und Frauenfeindlichkeit. In ihrer Lesung stellt sie ihren Text aus »Odessa Transfer« vor, einem Sammelband über die Schwarzmeerregion. Anschließend lädt die Stiftung zu einem Umtrunk ein. Eintritt frei

Mo 20.9.
LITERATUREN DER WELT | FOKUS OSTEUROPA | DEUTSCHES THEATER_Saal

20.30 POETRY NIGHT V
MODERATION: Silke Behl SPRECHER: Astrid Gorvin und Matthias Scherwenikas
Mimoza Ahmeti (Albanien), ein »Enfant terrible«, radikal und enragiert, thematisiert in ihrer Lyrik Tabus und Komplexe ihrer Gesellschaft und reflektiert mit von Emotionen geprägter Sprache den Menschen an sich.
Louis-Philippe Dalembert (Haiti/Frankreich) In seinen Gedichten und Romanen erzählt der weit gereiste haitianische Autor von Abschied, Exil und Flucht, aber auch von Rückkehr und Heimat. Er ist einer der erfolgreichsten Autoren des Karibikstaats.
Die Poesie von Gintaras Grajauskas (Litauen) ist bestimmt von lakonisch-leichter Melancholie. Melodisch komponiert, sucht sie nach neuen Ausdrucksformen und blickt auf die »ungeschriebenen Geschichten« Europas.
Der große Melancholiker Ali Podrimja (Kosovo), der in seinen Gedichten auf Elemente der mündlich überlieferten albanischen Volkspoesie zurückgreift, ist als Lyriker auch außerhalb des albanischen Sprachraums bekannt.

Di 21.9.
FOKUS OSTEUROPA | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Konferenzraum 1

19.00 Boris Pahor (Slowenien/Italien) über den Kampf der Machtlosen
MODERATION: Thomas Poiss SPRECHER: Felix Römer
In »Nomaden ohne Oase« geht es um italienische Männer aus der regimegeächteten slowenischen und kroatischen Volksgruppe, die für Italien in Afrika eingesetzt werden. Das Schicksal der Slowenen in Italien nach dem Zweiten Weltkrieg im Kampf um ein autonomes Territorium behandelt sein autobiografischer Roman »Im Labyrinth«.

Di 21.9.
FOKUS OSTEUROPA | REFLECTIONS| COLLEGIUM HUNGARICUM BERLIN

19.00 Was war der Kommunismus?
Rolf Hosfeld (Deutschland) im Gespräch mit Gerd Koenen (Deutschland)
François Furets »Das Ende der Illusion«, Stéphane Courtois’ »Schwarzbuch des Kommunismus« und David Priestlands »Weltgeschichte des Kommunismus« sind nach der großen Wende von 1989 erschienen. Sie stehen als Marksteine für das Begreifen dessen, was sich seit der Oktoberrevolution 1917 in den sogenannten sozialistischen Ländern ereignete. In dem Gespräch geht es um einen langen Essay über den Kommunismus, den der preisgekrönte Autor Gerd Koenen kürzlich vorlegte und in dem das Phänomen einer strikt historischen, wenn man so will: historisch-materialistischen Betrachtung unterzogen wird, in scharfem Gegensatz etwa zu Tariq Alis »The Idea of Communism«. Rolf Hosfeld ist Autor einer fulminanten, ideengeschichtlich gehaltenen Marx-Biografie.

Di 21.9.
FOKUS OSTEUROPA | REFLECTIONS | HEINRICH BÖLL STIFTUNG

19.30 Kultur der Erinnerung versus Politik der Geschichte. Zur »gefühlten« Vergangenheit in Ex-Jugoslawien
mit Drago Jančar (Slowenien), Tanja Stupar-Trifunović (Bosnien) und Sreten Ugričić (Serbien)
MODERATION: Wolfgang Klotz SPRECHERIN: Regina Gisbertz
2014 – sagen viele – wird die Zukunft für Ex-Jugoslawien beginnen. Kroatien wird der EU beigetreten sein, die übrigen Länder werden, mehr oder weniger begierig und erfolgreich, sich darauf vorbereiten. Zwischen den magischen Daten von 1914 und 2014 liegen ein verheerender Weltkrieg, eine vergessene optimistische Dekade der 1930er, ein zweiter verheerender, innerer und äußerer Weltkrieg, eine sozialistische Periode relativen Wohlergehens und eine Serie grausamster Kriege des Zerfalls.
So oder so wirken die Erinnerungen an diese hundert Jahre in den Individuen. Immer noch möchte die Politik sich ihrer bemächtigen, sie ausbeuten, aber sie verstrickt sich selbst in ihren Konstrukten kollektiver Erinnerungen. Um den Preis der Zukunft beharrt sie auf »Geschichtspolitik«. Können da Kultur, Kunst, Literatur die Erinnerungen binden? Sogar umwandeln in eine Energie für eine menschliche und schönere Zukunft?
In Kooperation mit der Heinrich Böll Stiftung. Eintritt frei

Di 21.9.
FOKUS OSTEUROPA | SPECIALS | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Café Global

20.30 Buchpräsentation: Das wahre Ende des Kriegs liegt vor seinem Anfang
u. a. mit Wojciech Tochman (Polen), Olga Tokarczuk (Polen) und Olaf Kühl (Deutschland)
MUSIK: Julia Marcell, Bando Percussion, Jan Tilman Schade
FILMDOKUMENTATION: »und dann … die Rechtfertigung der Gewalt«
MODERATION: Peter Franke
Musik, Film und Autorenlesungen dramatisieren den Abschluss des deutsch-polnischen Projekts unter der künstlerischen Leitung von Stephan Stroux, das 2006 in Warschau mit einer Hommage an den Warschauer Aufstand begann (»Virtuelle Brücke in der Weichsel«) und 2009 mit einer Trilogie über die Rechtfertigung der Gewalt an historischen Brennpunkten in Berlin seine Fortsetzung fand: »und dann … die Rechtfertigung der Gewalt«/Bebelplatz; »Sehnsucht leben ein Ausnahmezustand«/DHM-Schlüterhof; »Zukunft ohne Grenzen, Zukunft ohne Kriege«/RadialsystemV. Im Buch schreiben polnische und deutsche Autoren u. a. über Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg, die Brutalität in menschlichen Beziehungen, den Völkermord in Ruanda und die neuen Konflikte an den Grenzen Europas.
Stephan Stroux (geboren 1945), Autor, Regisseur, Übersetzer, Schauspieler mit zahlreichen nationalen und internationalen Inszenierungen. Seit 2006 Autor und künstlerischer Leiter des deutsch-polnischen Projektzyklus in Warschau und Berlin.

Mi 22.9.
FOKUS OSTEUROPA | REFLECTIONS | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Konferenzraum 1

18.00 Wirtschaftsfrust und Alltagsstress – Was macht Osteuropa in Zeiten der Krise?
mit Ganna Snigur-Grabovska (Ukraine), Wolfram Schrettl (Deutschland) und Sanja Popović-Pantić (Serbien)
MODERATION: Hannes Koch
Die Wirtschaftskrise trifft ganz Europa, aber während wir über die Auswirkungen in Westeuropa recht gut im Bilde sind, fehlt uns oft der Blick auf Osteuropa. Wie gehen die Menschen dort mit der wirtschaftlichen Situation um? Wie bestimmt diese den Alltag der Menschen? Und wo gibt es Chancen, die Wirtschaft zu fördern und nachhaltig zu entwickeln? Die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) ist zu diesem Thema in verschiedenen Ländern tätig. Vertreter/innen der GTZ, Wirtschaftsjournalist/innen und -forscher/innen diskutieren über neue Perspektiven und Lösungsmöglichkeiten. In Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). Eintritt 5/erm. 3 Euro

Mi 22.9.
FOKUS OSTEUROPA | REFLECTIONS | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Konferenzraum 2

18.00 Stadtwelt − Weltstadt: Budapest
Omar Akbar (Deutschland) im Gespräch mit György Dalos (Ungarn)
Budapest ist eine beharrliche Stadt, die den gesellschaftlichen Veränderungen zum Trotz sich in ihrer städtebaulich-architektonischen Sprache gehalten hat und letztendlich ein Modell der europäischen Stadt schlechthin ist. Als politisches und kulturelles Zentrum Ungarns spielt gerade diese Stadt eine signifikante Rolle im Kontext der Metropolen innerhalb der Europäischen Union.

Mi 22.9.
FOKUS OSTEUROPA | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Theatersaal

20.30 Olga Tokarczuk (Polen) beobachtet Zerfließendes in zerfließender Zeit MODERATION: Olaf Kühl SPRECHERIN: Kathleen Gallego Zapata
In Notizen, Reflexionen, Augenblicksbeobachtungen und Erzählungen beschäftigt sich die polnische Autorin Olga Tokarczuk in »Unrast« mit der Entwurzelung und Rastlosigkeit des modernen Menschen. In schönen und melancholischen Bildern erzählt sie von der Obsession der permanenten Wanderschaft und bezieht dabei auch Mythologie und philosophische Betrachtungen mit ein.

Mi 22.9.
FOKUS OSTEUROPA | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Konferenzraum 1

21.00 Petra Soukopová (Tschechien) über die Schwere des familiären Seins
MODERATION: Shelly Kupferberg SPRECHERIN: Regina Gisbertz
Die junge Nachwuchsautorin schreibt in ihrem Novellenband »Zmizet« (Ü: Verschwinden) über Familien, die »irgendwie leben. Es ist nicht immer schlecht, aber nur selten ist es gut«. Mit ihrem sowohl sezierenden als auch verbindenden Blick auf zunächst unbedeutend anmutende Konflikte, die aber im Inneren der Charaktere einen bedrohlichen Nachhall finden, beweist die Autorin ein erstaunliches Einfühlungsvermögen, gleitet dank ihres kühlen Stils jedoch niemals in Sentimentalitäten ab.

Mi 22.9.
FOKUS OSTEUROPA | SCHAUBÜHNE_Studio

21.15 Biljana Srbljanović (Serbien) über das Trauma des Krieges und den Überlebenskampf in der heutigen Gesellschaft
MODERATION: Thomas Ostermeier SPRECHERIN: Judith Engel
Biljana Srbljanović wurde durch ihr Belgrader Kriegstagebuch während des Luftkriegs der NATO gegen Serbien 1999 international bekannt. In ihren Theaterstücken, die auf vielen europäischen Bühnen aufgeführt wurden, zeigt sie die Deformierung des Menschen im Überlebenskampf in einer durch Vertreibung und Verfolgung traumatisierten Gesellschaft.

Do 23.9.
FOKUS OSTEUROPA | SPECIALS | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Theatersaal

19.00 Preisverleihung des Georg Dehio-Buchpreises 2010
an die Preisträger Martin Pollack (Österreich), Włodzimierz Nowak (Polen) und Joanna Manc (Polen / Deutschland)
LAUDATOREN: Juri Andruchowytsch (Ukraine) und Gerd Koenen (Deutschland)
Das Deutsche Kulturforum östliches Europa e. V. in Potsdam vergibt 2010 zum vierten Mal den Georg Dehio-Buchpreis. Mit dieser vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien dotierten Auszeichnung ehrt das Kulturforum Autorinnen und Autoren, die sich in ihren Werken fundiert und differenziert mit den Traditionen und Wechselbeziehungen deutscher Kultur und Geschichte im östlichen Europa auseinandersetzen.
In diesem Jahr werden Martin Pollack mit dem Hauptpreis sowie Włodzimierz Nowak und Joanna Manc mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet. Die Preisverleihung findet, wie schon 2008, im Rahmen des ilb statt. Eintritt frei

Do 23.9.
FOKUS OSTEUROPA | BABYLON

19.00 Andrzej Stasiuk (Polen) auf seiner Reise durch »Dojczland«
MODERATION: Olaf Kühl SPRECHER: Max Gertsch
In seinem Reisebericht »Dojczland« berichtet Andrzej Stasiuk von seinen Beobachtungen auf einer Lesereise kreuz und quer durch die Bundesrepublik. Mit einer Flasche Whisky im Gepäck erträgt er den Alltag auf Bahnhöfen, in Literaturhäusern, im Zug, im Hotel und anderswo, schwadroniert und spielt ironisch mit den Vorurteilen, Ängsten und Klischees, die die gemeinsame Geschichte überwuchern.

Do 23.9.
FOKUS OSTEUROPA | CAFÉ HILDE

19.30 Engel, Dreck, Liebe – Neueste Rumänische Literatur III: T. O. Bobe (Rumänien) und Svetlana Cârstean (Rumänien)
MODERATION: Mirko Schwanitz SPRECHERIN: Eva Wemme
Gemeinsam besuchten die beiden Autoren in Studentenzeiten den Literaturzirkel um Mircea Cărtărescu. Inzwischen gehören sie selbst zu den markantesten Stimmen der rumänischen Literatur. Bobes Roman »Wie ich meine Sommerferien verbrachte« beschreibt aus der Phantasie eines elfjährigen Jungen heraus einen Sommer, in dem seine Großmutter, Mutter und Cousine umkommen. Cârsteans Lyrik widmet sich der verheerenden Liebe zu japanischen Prinzen und zum größten Konditor der Welt. Eine Veranstaltung des Rumänischen Kulturinstituts »Titu Maiorescu« Berlin im Rahmen des ilb. Eintritt frei

Do 23.9.
SPECIALS | FOKUS OSTEUROPA | BABYLON

21.00 Sprit und Spirit: Über den Rausch
mit Dieter Bachmann (Schweiz), Katja Lange-Müller (Deutschland), Sonja Margolina (Deutschland) und Andrzej Stasiuk (Polen)
MODERATION: Knut Elstermann SPRECHER: Max Gertsch
Die Grenzen und Kontraste von Phantasie und Realität zu überschreiten, aufzuweichen oder gar aufzulösen − das sind nicht nur Kennzeichen von Rauschzuständen, sondern auch solche der Fiktion selbst: Autoren aus Ost und West gehen der Frage nach, ob vom »Griff zur Flasche« lebhafte Impulse und neue Erkenntnisse für Dichtung und Wahrheit ausgehen. Dem schmalen Pfad zwischen Spirit und Sprit soll nachgespürt werden, dabei ist Alkoholnebel über der Veranstaltung beabsichtigt, Kampftrinken unter den Autoren und dem Publikum jedoch nicht.

Fr 24.9.
FOKUS OSTEUROPA | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Konferenzraum 1

17.30 Noémi Kiss (Ungarn) und die Suche nach Sex und Identität
MODERATION: Katharina Narbutovic SPRECHERIN: Julia Malik
Die »ungarische E. T. A. Hoffmann-Exegetin« Noémi Kiss zeigt in ihren Erzählungen »Was geschah, während wir schliefen« die Suche einer Frau nach ihrer sexuellen Rolle, nach Halt und Identität, nach Lust und Exzessen. Dabei überschreitet sie die Grenzen zwischen Ländern, den Geschlechtern, zwischen Angst und Sehnsucht, zwischen Traum und Realität.

Fr 24.9.
FOKUS OSTEUROPA | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Konferenzraum 1

19.00 Michal Hvorecký (Slowakei) über einen Callboy zwischen Bratislava und Davos MODERATION: Gereon Schuch
Der Osten ist der neue Westen! Michal Hvorecký schreibt in seinem Nachwenderoman »Eskorta« über einen arbeitslosen Schauspieler, der sich im Bratislava der 1990er Jahre in der Glitzerwelt des Turbokapitalismus bei einem Begleitservice für reiche Managergattinnen verdingt. Ein ironischer und grotesker Roman über das neue Europa und die Exzesse der Globalisierung.

Fr 24.9.
FOKUS OSTEUROPA | REFLECTIONS | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Konferenzraum 1

20.30 Was nun? – Über die Zukunft der polnisch-russischen Beziehungen
mit Viktor Jerofejew (Russland) und Andrzej Stasiuk (Polen)
MODERATION: Dirk Sager
Ein schwieriges Verhältnis, geprägt von Jahrhunderten der Konflikte und Abhängigkeiten. Wie gestaltet sich das Verhältnis 70 Jahre nach dem Massaker von Katyń, dem Zweiten Weltkrieg und dem verheerenden Flugzeugabsturz in diesem Jahr? Ist die von Russland bekundete Aussöhnung möglich? Kann es trotz unterschiedlicher wirtschaftlicher und militärischer Interessen ein ausgewogenes Verhältnis geben, und wie wird dieses von den Schriftstellern wahrgenommen?


Fr 24.9.
FOKUS OSTEUROPA | SPECIALS | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Café Global

22.00 Konzert: Karbido & Andruchowytsch – Idyllischer Folk und Criminal Jazz treffen auf zimtfarbene Poesie
Juri Andruchowytsch (Ukraine) und Karbido: Marek »maot« Otwinowski (Polen; Bass), Igor Gawlikowski (Polen; Gitarre), Tomasz Sikora (Polen; Sound Production) und Peter Zumthor (Schweiz; Schlagzeug)
Mit ihrem aktuellen Programm »Cinnamon« treten die polnische Band Karbido und der ukrainische Schriftsteller Juri Andruchowytsch den Beweis an, dass Lyrikvertonungen weder monoton noch depressiv sein müssen. Sie können alles sein: melancholisch schön und extrem witzig, vor allem aber unglaublich mitreißend tanzbar. Karbido & Andruchowytsch begeistern Festivalbesucher weltweit und bringen nun auch den Zauber des Zimts nach Berlin.


Sa 25.9.
FOKUS OSTEUROPA | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Konferenzraum 1

15.00 Oksana Sabuschko (Ukraine) recherchiert im »Museum der vergessenen Geheimnisse«
SPRECHERIN: Kathleen Gallego Zapata
Oksana Sabuschkos Roman ist eine entschiedene und teilweise schockierende Analyse der gesellschaftlichen Verhältnisse der Ukraine. Sie geht vor allem der Frage nach dem Umgang mit der Vergangenheit und vererbten Traumata nach. In einem komplexen Panorama erzählt sie die Geschichte dreier Frauen und damit auch die schwierige und verworrene Geschichte der Ukraine im 20. Jahrhundert.

Sa 25.9.
FOKUS OSTEUROPA | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Konferenzraum 1

16.30 Juri Andruchowytsch (Ukraine), der ukrainische Karneval und der Tod in Venedig
MODERATION: Katharina Narbutovic
Juri Andruchowytschs Roman »Perverzija« dreht sich um das Verschwinden eines Ukrainers in Venedig. Der gefeierte und umstrittene Klassiker der ukrainischen Gegenwartsliteratur erzählt seine grotesk-karnevaleske Geschichte mit barocker Lust an Sprachspielereien und thematisiert dabei die Frage nach nationaler Identität und der Beziehung der Ukraine zu Europa.

Sa 25.9.
FOKUS OSTEUROPA | REFLECTIONS | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Theatersaal

17.30 Ramsan Kadyrow – Der »Held der Russischen Föderation«
mit German Sadulajew (Russland), Ekkehard Maaß (Deutschland), Sarah Reinke (Deutschland) und Anna Schor-Tschudnowskaja (Russland)
MODERATION: Florian Hassel
»Ein Führer muss gefürchtet werden«, sagt der Präsident Tschetscheniens, und wenn es danach geht, kann er sich zu den ganz Großen zählen. Von Putin aufgebaut und eingesetzt im Kampf gegen die Separatisten, will er die gebeutelte Teilrepublik wieder aufbauen. Doch dies ist von Gewalt und Tyrannei begleitet: Kadyrow, der Anführer der Miliz Kadyrowzy, die für zahlreiche Menschenrechtsverletzungen wie Verschleppung, Folter und Vergewaltigung verantwortlich gemacht wird, steht in der internationalen Kritik. Staatliche Willkür und Korruption gehören zum Alltag der tschetschenischen Bevölkerung. Welche Zukunft hat Tschetschenien?

Sa 25.9.
FOKUS OSTEUROPA | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Konferenzraum 1

18.30 Julia Kissina (Russland / Deutschland) provoziert in ihren Texten mit Realem, Absurdem und Phantastischem
MODERATION: Martina Jakobson SPRECHERIN: Michaela Steiger
Die literarischen Anfänge der in Kiew geborenen und in Berlin lebenden Autorin Julia Kissina liegen in der Undergroundszene der 1990er Jahre, wo sie als Vertreterin der zweiten Generation des Moskauer Konzeptualismus bekannt wurde. In Deutschland stieg ihr Erzählband »Vergiss Tarantino« (2005) zu einem Kult-Buch auf. Sie liest aus dem für den Andrei-Bely-Preis nominierten Buch »Einfache Wünsche« (2002), in dem sie die Möglichkeiten von Fiktion und künstlerischer Provokation im Alltag auslotet, sowie aus Gedichten, in denen sie Gelegenheit bietet, das Gewohnte mit der »Zunge der Sprache« neu wahrzunehmen.

Sa 25.9.
FOKUS OSTEUROPA | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Theatersaal

19.00 German Sadulajew (Russland) über die tschetschenische Tragödie
MODERATION: Marina Neubert SPRECHER: Burghart Klaußner
»Ich bin Tschetschene« von German Sadulajew ist der erste literarische Versuch, die tschetschenische Tragödie aus dem Inneren heraus zu begreifen. Sein »Roman in Splittern« spiegelt den Verlust von Heimat und Identität und erzählt in poetischen Miniaturen von den historischen und mythologischen Wurzeln der Tschetschenen, von Kindheitserinnerung, der Grausamkeit des Kriegs und der Fremdheit im Exil.

Sa 25.9.
FOKUS OSTEUROPA | REFLECTIONS | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Konferenzraum 1

20.00 Berlin − Drehscheibe zwischen Ost und West
mit Michal Hvorecký (Slowakei), Noémi Kiss (Ungarn) und Oksana Sabuschko (Ukraine)
MODERATION: Thomas Böhm
Als europäische Literaturhauptstadt und Schaltstelle im Literaturaustausch zwischen Ost und West ist Berlin seit den 1990er Jahren auch zum Mekka der jungen Autorengeneration in Europa geworden. Durch die vielen Stipendien-, Einladungs- und Gastprogramme sind zahlreiche internationale Autoren nach Berlin gekommen. Berlin als Inspiration, literarisches Thema und Plattform des interkulturellen Dialogs zwischen Autoren ist Thema der Veranstaltung.

Sa 25.9.
FOKUS OSTEUROPA | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Theatersaal

20.30 Nicolai Lilins (Russland / Italien) »Sibirische Erziehung« bei den »ehrbaren Verbrechern«
MODERATION: Arno Widmann SPRECHER: Burghart Klaußner
Der in Italien lebende Autor Nicolai Lilin berichtet in seinem Debüt von seiner Kindheit bei den sibirischen Urki, einem mafiaähnlichen Clan, der unter Stalin nach Transnistrien zwangsumgesiedelt wurde. Er lernte dort ein Leben kennen, das eigenen Gesetzen und Bräuchen folgte und sich am Rande der Gesellschaft außerhalb aller gewohnten Kategorien von Gut und Böse bewegte.


Sa 25.9.
FOKUS OSTEUROPA | SPECIALS | HAUS DER KULTUREN DER WELT_Café Global

22.00 KONZERT: Milea & Chiciuc: Ein Inventar gegen die Schwermut der Welt
mit Ada Milea (Rumänien) und Romulus Chiciuc (Rumänien)
Die rumänische Sängerin und Liedermacherin Ada Milea vertont Klassiker der Weltliteratur – von Gogols »Die Nase« bis »Don Quijote« − und reist auf den Spuren der antiken Rhapsoden mit dem finnischen Geiger und Sänger Romulus Chiciuc über die Konzertbühnen der Welt. Ihre letzte gemeinsame CD aus dem Jahr 2009 trägt den Titel »Inventar« und deren »witzige Lieder verscheuchen alle Schwermut« (Berliner Zeitung), so dass für ihren erneuten Auftritt in Berlin ein amüsanter Abend garantiert ist.

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