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20 Februar, 2018 von · Keine Kommentare

Oder drei Beispiele für die Kraft gesellschaftlicher Unterstützung bei der Rettung von nationalem Kulturerbe und Geschichte

Von Dessislava Berndt
Übersetzung aus dem Bulgarischen: Dessislava Berndt
Lektorat: Dr. Christoph Lorke

Nach Erscheinen unserer Publikation „Weihnachtsmärchen“ über Staropitalishte „Pencho Semov“ wurden wir von einer Leserin auf einen ähnlichen Fall bzw. auf die Initiative zur Rettung eines französischen Schlosses aus dem 13. Jh. aufmerksam gemacht. Daher möchten wir Ihnen gern dieses und zwei weitere Beispiele aus Deutschland vorstellen, die die Kraft gesellschaftlicher Unterstützung bei der Rettung von nationalem Kulturerbe und Geschichte in Europa verdeutlichen.

Das Schloss Mothe-Chandeniers in Westfrankreich

Das Schloss Mothe-Chandeniers befindet sich ca. 150 km von Nantes und gut drei Autostunden von Paris entfernt. Es wurde nach einem Brand 1932 genauso wie auch die Staropitalishte in Gabrovo ohne Dach seinem Schicksal überlassen und verfällt bis heute, überwuchert mit Gras und Unkraut.

1963 wurde das Schloss von einem französischen Industriellen gekauft, der allerdings – ohne es instand zu setzen – in den 80er Jahren an Credit Lyonnais weiterverkaufte. Die Bank wiederum verkaufte es später an vier Freunde, die allerdings kein Geld für die Rettung des Schlosses aufbringen konnten. Daher beschlossen sie, eine Aktion dafür ins Leben zu rufen.

Mit der Crowdfunding-Aktion „Adoptiere ein Schloss“ auf der Online-Plattform dartagnans.fr, die auf die Rettung von Kulturgütern in Frankreich spezialisiert ist, wurden innerhalb 30 Tagen über 1,6 Millionen Euro gesammelt. Die Teilnehmer aus 115 Ländern wurden Miteigentümer des Schlosses, indem sie mindestens 51 Euro spendeten.

Unbenannt

Dies ist bis jetzt die höchste Summe, die eine solche Aktion in Europa erreichte. Dahinter stehen die Gesellschaft „Adoptiere ein Schloss“, die Plattform Dartagnans.fr und der Freundeskreis „Schloss Mothe-Chandeniers“, die auf diesem Wege das Schloss vor Verfall bewahren und zur Nutzung seitens der Allgemeinheit zur Verfügung stellen wollen.

Nur an einem einzigen Tag wurde die erforderliche Kaufsumme von 500.000 Euro gesammelt. Es sind drei weitere Aktionen geplant, wodurch die verbleibende Finanzierung für die Instandsetzung, Renovierung und Instandhaltung des Gebäudes realisiert werden soll.

Die Idee ist es zudem, schnellstmöglich einen Zugang zum Schloss für jedermann zu ermöglichen und von allen demokratisch entscheiden zu lassen, wofür es genutzt werden soll.

www.facebook.com/CMChandeniers

Die Frauenkirche in Dresden

Der Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden, zerstört am 13. Februar1945 bei den Bombardements im Zweiten Weltkrieg, war nur mit Hilfe von Spendern aus der ganzen Welt möglich.

Außenansicht vom Neumarkt; Fotograf Jörg Schöner
Frauenkirche, Photo: Jörg Schöner

Bis zu ihrer Eröffnung und Einweihung im Jahr 2005 wurden 100 Millionen Euro gespendet. 70 Millionen Euro wurden von der Stiftung Frauenkirche und der Dresdner Bank gesammelt; die weiteren 31 Millionen Euro von der Gesellschaft zur Förderung des Wiederaufbaus der Frauenkirche Dresden.

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Konzert in der Frauenkirche, Photo: Alexander Fuhrmann

Auch viele Freiwillige schenkten ihre Arbeit und ihre Zeit für den Wiederaufbau der Frauenkirche. Eine Lotterie und zahlreiche Benefizveranstaltungen in der ganzen Welt trugen ebenfalls dazu bei.

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Frauenkirche, Photo: Jürgen Vetter

Aber ohne die Unterstützung vom Bund, dem Freistaat Sachsen und der Landeshauptstadt Dresden in Höhe von 70 Millionen Euro wäre der Bau nicht möglich gewesen.

Letztlich konnte nur über den Zusammenschluss von Institutionen und Gesellschaft die Finanzierung der Ausgaben für den Wiederaufbau in Höhe von gut 182 Millionen Euro möglich werden.

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Konzert in der Frauenkirche, Photo: Susann Hehnen

Heute empfängt die Frauenkirche als Symbol der Stadt Dresden Gäste aus der ganzen Welt, die mehr über die Geschichte und die buchstäbliche Wiedererstehung der Kirche wie Phönix aus der Asche erfahren und Konzerte sowie andere Kulturveranstaltungen in unvergesslicher Atmosphäre und bei wunderbarer Akustik genießen wollen.

www.frauenkirche-dresden.de

Berliner Schloss

Der Bundestag beschloss im November 2007 das Stadtschloss im Herzen von Berlin in zwei Etappen wiederaufzubauen.

Die erste Etappe umfasst die staatliche Finanzierung für den Wiederaufbau des Schlosses. Die dafür erforderlichen 400 Millionen Euro sollen auf der einen Seite (368 Millionen Euro) vom Staat und auf der anderen von der Stadt Berlin (32 Millionen Euro) kommen.

Die zweite Etappe sieht die Finanzierung der Fassade vor, die über Spendengelder realisiert werden soll.

Das Schloss soll als Museum und Bibliothek genutzt werden. Dazu gehören auch Flächen für diverse Veranstaltungen wie Konzerte, Theatervorstellungen, Diskussionen sowie Restaurants, Museumsshops u.a.

Bis Ende 2016 wurden ca. 67 Millionen Euro von den benötigten 105 Euro gespendet. Für die noch erforderlichen ca. 38 Millionen Euro schätzt Wilhelm von Boddien, Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss, dass die verbleibenden drei Jahre bis zur Fertigstellung des Schlosses ausreichend sein werden, wenn man weiterhin jährlich Spenden in Höhe von 13 Millionen Euro wie im Jahr 2016 sammeln würde.

Ein spezieller Spendenkatalog bietet diverse Möglichkeiten zum Spenden. Schon ab 50 Euro ist ein Teilbaustein zu bekommen. Man kann einen einfachen Schlossbaustein für 250 Euro, eine Säule in der Dachbalustrade für 1.450 Euro oder eine Fensterumrahmung mit einer Lorbeergirlande für 19.900 Euro erwerben.

35.000 Spender wurden bis jetzt namentlich erfasst. Die meisten haben kleine Summen gespendet, so dass 80 Prozent von ihnen ca. ein Fünftel des Geldes gespendet haben.

Die großen Summen wurden dann von 20 Prozent der Spender zur Verfügung gestellt. Spender können allein für eine Million Euro Namensgeber eines Saals oder eines Foyers im Schloss werden.

berliner-schloss.de

Alle drei Beispiele haben etwas gemeinsam: sie wären ohne Unterstützung von vielen kleinen und großen Privatspenden nicht möglich gewesen. Dabei ist die Motivation der Spender keineswegs die Erwartung materieller Belohnung. Im Gegenteil, diese begründet sich in dem Wunsch, Teil der Geschichte zu werden und mehr als nur ein Grabstein auf dem Friedhof nach dem Tod zu hinterlassen.

Kategorien: Frontpage · Lebensfragen · Um die Welt

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