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Rilkes Kunstding im Vergleich zur Dingtheorie Martin Heideggers Teil V

12 August, 2009 von · Keine Kommentare

Maria Endreva, Universität Sofia


Foto: Lin Pernille ♥ Photography

Die Dingwerdung

Rilkes Verhältnis zu den Dingen zeigt sich am deutlichsten in den Briefen der ersten Pariser Zeit. Sie entstammen der Periode seiner engsten Nähe zu Rodin. Der Ausgangspunkt lautet: Die Dinge sind nicht ein Etwas, das in einer gleichgültigen Vorhandenheit einfach da ist. Das Ding setzt schon voraus, dass der Mensch sich überschreitet. In der unlöslichen Verbindung zu den erfassten Dingen baut er seine Welt auf. Im zweiten Teil der Monographie über Auguste Rodin ist folgendes zu lesen:

Dieses Etwas, so wertlos es war, hat Ihre Beziehungen zur Welt vorbereitet, es hat Sie ins Geschehen und unter die Menschen geführt und mehr noch: Sie haben an ihm, an seinem Dasein, an seinem Irgendwie-Aussehn, an seinem endlichen Zerbrechen oder seinem rätselhaften Entgleiten alles Menschliche erlebt bis tief in den Tod hinein.

Die Dingwerdung der Dinge erfolgt durch den Menschen, indem er in sich und durch sich das noch nicht erweckte Leben der Dinge entfalten lässt. Die Dinge verlangen das vom Menschen. Sie „wollen“ es von uns. Im zweiten Teil der Monographie über Auguste Rodin findet sich eine Stelle, die von dieser beiderseitigen Intentionalität zwischen Ding und Mensch zeugt.
Sie erinnern sich dessen kaum mehr, und es wird Ihnen selten bewußt, daß Sie auch jetzt noch Dinge nötig haben, die, ähnlich wie jene Dinge aus der Kindheit, auf Ihr Vertrauen warten, auf Ihre Liebe, auf Ihre Hingabe. Wie kommen diese Dinge dazu? Wodurch sind überhaupt Dinge mit uns verwandt? Welches ist ihre Geschichte?

Diese Fragestellungen nach der Verwirklichung der Dinge, nach ihrem Ursprung und Wesen sind eine Art roter Faden, der durch die Gedankengänge des Dichters führen soll. Ohne die Dinge sind wir nicht wirklich, denn nur in unserem Verhältnis zu ihnen können wir uns überschreiten, d.h. zum eigenen Sein gelangen. Und in diesem Überschreiten kommen die Dinge auch zu ihrer Wirklichkeit. Diese wechselseitige Beziehung zwischen Mensch und Ding ereignet sich wie oben schon gesagt im alltäglichen Leben. Nur in der vollzogenen Begegnung des Menschen mit dem Ding wird das Ding geboren. Und Rilke bezeichnet als Ding nur solche erfolgreichen Begegnungen mit dem Seienden.

Kategorien: Art Café · Frontpage

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