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Roumen Koynov und “Impressionen aus Amazonien”

23 August, 2009 von · Keine Kommentare

Interview von Vanya Nikolaeva mit dem Fotografen Roumen Koynov
Übersetzung aus Bulgarischem: Rossitza Yotkovska

Der Fotograf Roumen Koynov ist 1964 in Bulgarien geboren. Vor seinem Umzug nach Plovdiv lebte er in Sofia, wo er an vielen Ausstellungen teilgenommen hat und es ihm durch seine einzigartigen Fotografien gelang, Fans und Freunde zu gewinnen. Seit 2000 lebt Roumen mit seiner Frau in Brasilien, in der Stadt Manaus und das Interesse und die Liebe von Roumen zur amazonischen Anmut sind seit fast einem Jahrzehnt ein Teil seines Herzens und seiner Werke geworden.

„Impressionen aus Amazonien“ heißt das Fotobuch des Künstlers, das im März dieses Jahres herausgegeben wurde und die Vielseitigkeit des Lebens im brasilianischen Dschungel darstellt. Das Buch enthält zudem auch Eindrücke der Freunde von Roumen Koynov und wurde, in Bezug auf die bevorstehende Ausstellung des Autors in Bulgarien, auf Bulgarisch und Englisch herausgegeben.

Zwischen März und Mai 2009 fand eine Ausstellung des Fotografen in Hannover statt, auf der sein Buch auch auf Deutsch vorgestellt wurde. Die Kulturagentin von Roumen Koynov in Deutschland ist Nelly Evert.

Zurzeit arbeitet Roumen Koynov an einem neuen Fotobuch mit Aufnahmen aus Bulgarien – es handelt sich um ein gemeinsames Projekt mit dem deutschen Schriftsteller Roumen Evert.

Wir alle wissen, dass der Mensch ein Mensch ist, wenn er auf dem Weg ist. Wenn aber die Destination nicht nur ein Traumbild ist, sondern eine Realität, ist es wichtig, dass sie als solche aufbewahrt wird. Besonders wenn die Realität zu unterschiedlich im Vergleich zu dieser, an die sich viele von uns gewöhnt haben, ist.

Ich bin glücklich, Ihnen Roumen Koynov vorzustellen – einen außerordentlich positiven und interessanten Mensch mit faszinierenden Fotografien, die viel zu erzählen haben …

Wie würde sich Roumen Koynov mit ein paar Worten vorstellen?

Es fällt mir eigentlich schwer, Roumen Koynov vorzustellen, da ich ihn nicht ganz so gut kenne (Lachen). Vielleicht sehe ich ihn als einen faulen Abenteurer, der in alles Schöne verliebt ist.

Die Fotografie ist ein Weg nach wohin?

Die Fotografie ist eine sehr einsame Beschäftigung, die aber den straffreien Diebstahl von Schönheit und Zeit ermöglicht. Wer anders kann dies?

Was hat dich Brasilien gelehrt, was Bulgarien nicht gelang?

Es handelt sich um zwei ganz unterschiedliche Staaten mit radikal unterschiedlichen Kulturen und ich habe auch von beiden viel gelernt. Sowohl gute, als auch schlechte Dinge. Was hat mich Brasilien gelehrt … vielleicht regelmäßig zu Mittag zu essen, mit gutem Gewissen zu sagen “ich werde es morgen schaffen” und dass man glücklich sein kann, auch wenn man nur ein Paar zerrissene Badelatschen und ein durchgescheuertes T-Shirt trägt.

Was ist für dich Amazonien?

Ein lebendiger Organismus, der keiner Zähmung unterliegt. Eine Unermesslichkeit, die mich ständig erstaunen lässt und inspiriert.

Wann und wie hast du die Fotografie für dich entdeckt?

Vor vielen Jahren schon, als ich fast unter Druck am VMEI Lenin in Bugarien (an der heutigen Technischen Universität) studierte. Ich erinnere mich, dass ich während eines Praktikums in Ostdeutschland meine erste Kamera gekauft habe und die Dinge haben sich dann irgendwie eingeordnet …

Womit sind deine Träume verbunden? Und was ist einem Traum gleichbedeutend?

Vielleicht damit, dass alle meine Freunde und Verwandten in ihrem Alltag gesund und glücklich sind. Dass wir noch viele fröhliche Tage gemeinsam erleben. Vielleicht damit, dass ich das, was ich nicht ändern kann, annehmen lerne. Mit sich selbst ruhig zu sein …

Das Wasser ist für dich etwas Spezielles … Wonach haben heute die Menschen “Durst“?

Ich bin auf viele unterschiedliche Dürste gestoßen… Leider am häufigsten auf einen immer materielleren Durst in einer immer materielleren Welt, in der es immer weniger Platz für Träumer und Schöpfer von nicht materiellen Schönheiten gibt.

Die Stadt Manaus, die nach Plovdiv zu deiner Heimat wurde, war am Anfang des 20. Jahrhunderts als der „Herz Amazoniens“ bekannt. Wie hat dich Manaus angenommen und gab es etwas, was dir fehlte?

Manaus ist etwas, was du lieben und zur gleichen Zeit aus ganzem Herzen hassen kannst. Ich meine, dass es in der Welt keinen anderen solchen Ort gibt. Die Annahme war warm und feucht, aber freundschaftlich.

Deine Fotos sind schwarz-weiß, ihnen fehlt das zerstreuende Element der Buntheit. Welchen Effekt bzw. welche Botschaft sollen die Menschen darin entdecken?

Ich habe nicht darüber nachgedacht. Zurzeit arbeite ich so, vielleicht werde ich morgen mit Farbe arbeiten … Letztendlich sind wir so unterschiedliche Menschen während unseres Lebens … Falls jemand den Hauch der Abendbrise von Rio Negro spüren oder das Kinderlachen in meinen Fotos hören kann, würde ich unendlich glücklich sein.

Was hat dir die Berührung mit dem Leben der Einwohner von Amazonien geschenkt?

Weniger Eitelkeit und mehr Weisheit.

Welche Farbe würde zur menschlichen Seele am besten passen?

Die weiße Farbe. Sie setzt sich jedoch aus allen anderen Farben zusammen…

Was regt dich an, weiter zu schaffen?

Das Schöne, das ich gestern gesehen habe, ist nicht das gleiche, das ich heute sehe und wird auch nicht das gleiche sein, das ich morgen sehen werde.

Was macht die Fotografie zu einer Kunst?

Und was ist Kunst? Ich kann darauf nicht antworten. Überlassen wir das den Kritikern.

Was ist das Besondere beim Aufnehmen von Gesichtern?

Das Licht, der Kontakt mit dem Modell, der Augenblick.

Viele Stämme und Völker glauben, dass das aufgenommene Foto die Seele des Aufgenommenen stielt. Woran glaubst du, wenn du fotografierst?

Dass ich ungestraft beim Stehlen … des Augenblicks bleibe.

Das werde ich nie vergessen …

Den ersten „Schluck“ warmer und feuchter Luft auf dem Flughafen in Manaus… und auch so viele andere zum ersten Mal gespürte Dinge.

Kategorien: Frontpage · Um die Welt · Visual Arts

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