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Sepia

20 Dezember, 2011 von · Keine Kommentare

Monika Vakarelova

Übersetzung aus dem Bulgarischen: Rossitza Yotkovska

Sepia
Foto: winzor2007

An S. P.

1
fettige Kreise klaffen
durchstreifen die Oberfläche
Spiegel ohne Wurzeln
Miasmen
hunderte von verdünnten Pupillen
aus zwei Gruben entspringen Dichtströme verstreut
verziehen sich Schwarzschnürre gelichtete Anker
es lösen sich Finger in Erde gepresst
der Boden weicht auf
die Äpfel schon weg

2
die Glühbirne im Flur
fällt tief
verhängt bis zur Schläfe
daneben verhängt an der Wand
stehe ich dicht angeklebt
dran sperrt mich das Licht es erstarrt
unsichtbare Bretter
es gab für die Kiste nie einen Schlüssel
altes Streichinstrument
im Dunkeln vergessen
unvollendete Notierung unlesbare Seite
geschlossen
wie ein Gedanke dessen Ende gekommen ist
Gedanke von dem
Klumpen ausfallen
scharfe und dürre Klavesintöne
fassen die Luft schrauben die Saite
vertrocknen die Kehle
verstummen
zu
schroff

3
ich atme ein
drehe mir das Gesicht hin
es brennt meine Wange
die andere tot noch vor Geburt
ich drücke sie an die Wand es ist keine Kühle zu spüren
nur von innen gebohren sind glitschige Tunnel
schleimige Eisbahnen schwärzliches Harz
die Haut graut an der Stelle
bald wird die Spinnwebe umarmen den Hals
es werden von dort die Stimmbänder verrinnen
wird Schweigen von dannen einbrechen
ohne letztmaligen Schrei mit Händen im Bettrahmen gepresst
ohne letzte und erstliche Beichte
ohne Freisprüche Anklagen
bloß Schweigen das wächst das füllt den Raum
sperrt die Lippen vernichtet die Worte reißt den Hals
und beginnt erst dann aufzuflechten
Wirbel für Wirbel beknabberte Gräten Sabbergedanken
ringsum Trauerverdunstung schwarze Ballons verfliegen nach oben schwingen sich auf
schwierige Wolken Abschaum erhebt sich und züchtet die Larven
das Licht hat eine schöne gesunkene Gruft genau an der Augenhöhle gemeißelt
anstatt der Äpfel ein Brunnen anstatt des Schimmels ein Tintenfass
und es beginnt die Sepia zu wimmeln zu bekriechen die Zunge im Lazarusbrauch auf das Fleisch
Schuppen bekleben die Zelle aufs Gesicht sind die Schuppen
der See soll mich nicht schleudern
ich soll nicht erkannt sein bei der Rückkehr

Der Text hat den zweiten Preis des Literatur-Wettbewerbs “Schreiben ist Wahnsinn” in der Kategorie “Poesie” erhalten.

Kategorien: Art Café · Frontpage

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