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Theresa Franziska Jaenisch: “Es gibt wohl kaum einen Job, in dem es mehr Entfaltungs-möglichkeiten und Freiheiten gibt”

22 November, 2009 von · 3 Kommentare

Interview von Dessislava Berndt mit Theresa Franziska Jaenisch

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Theresa Franziska

Theresa Franziska, wie bist Du zur Malerei gekommen?

Wie das eben so oft ist: schon als Kind habe ich extrem viel gemalt, dann eine Kinderkunstschule besucht, später Kunst-Leistungskurs im Abitur, mit 18 die erste Ausstellung, dann das Studium Design und Kunstpädagogik. So schlängelt sich die Malerei seit 32 Jahren durch mein Leben.

Wer oder was hat/hatte einen Einfluss auf Deine Arbeit?

Eindeutig Alltagssituationen. Neulich erzählte mir eine Freundin und Kollegin: “Frau Politzer hat nun heute das Bild mit dem Widder abgeholt. Es sollte zur hellblauen Tapete passen.” Ich kannte weder Frau Politzer, noch das Bild, aber zehn Minuten später saß ich an der Staffelei und habe diese Situation gemalt.

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Frau Politzer holt den bei Frau Lenz in Brand passend zur hellblauen
Tapete bestellten Widder endlich ab

Foto: Theresa Franziska

Im Moment beeinflussen mich außerdem die Bilder meines mittleren Sohnes, er hat einen Weihnachtsbaum so gemalt, wie ich mir im Leben nicht hätte ausdenken können. Daraufhin habe ich auch ein Bild mit ähnlichem Baum gemalt, mit seinem Einverständnis, versteht sich.

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Frau Wittkowski-Glöhr lässt den Weihnachtsbaum das ganze Jahr über
Foto: Theresa Franziska

Wodurch zeichnen sich Deine Arbeiten aus?

Was ich sehr oft höre ist, dass es in dieser Art wohl noch keine Portraitmalerei gibt. Das sagen oft Ausstellungsbesucher. Außerdem muss es wohl so sein, dass man beim Betrachten der Bilder unweigerlich schmunzeln muss, man sagt, sie verbreiten gute Laune. In einer Ausstellung im Oktober gab es häufig die Situation, dass Leute vor den Bildern standen und schallend gelacht haben, was durchaus erwünscht ist.

Ungewöhnlich ist es mit Sicherheit auch, dass ich die Bilder nach Namen male. Das heißt, ich höre außergewöhnliche Nachnamen, wie unlängst Frau Quincke-Nissen und Frau Cujé-Bartsch. Dann muss ich diese Damen malen, so, wie ich sie mir anhand des Namens vorstelle und oft ist am Anfang nicht klar, wie das Bild werden soll. Mittlerweile bekomme ich aus dem Freundeskreis bereits Listen mit den absonderlichsten Nachnamen zugesteckt.

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Dana Eckstein-Brüller im Shirt mit modernem Katzenkopfprint
Foto: Theresa Franziska

Was liebst Du an Deiner Arbeit?

Als besonders angenehm empfinde ich an dieser Arbeit, dass ich malen kann, wann, wie und wo ich möchte. (Falls es meine Kinder erlauben.) Es gibt, außer bei Auftragsarbeiten, keinerlei Einschränkungen in dem, was man macht. Es gibt wohl kaum einen Job, in dem es mehr Entfaltungsmöglichkeiten und Freiheiten gibt.

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Anaias und Widda Marmabachi haben eine gute, schöne Wohnung in der Steinkaute 11. Sogar mit Widderspurdekor-Tapete!
Foto: Theresa Franziska

Gibt es Kooperationen/Projekte mit anderen Künstlern?

Mit der Aachener Künstlerin Sabine Lenz arbeite ich gern und oft zusammen. Kürzlich haben wir gemeinsam bei der Denkmalkunst! Kunstdenkmal! in Hannoversch Münden ausgestellt, in gemischter Hängung.

Außerdem entwickeln wir derzeit eine Frosch-Skulptur und holen uns auch gegenseitig künstlerischen Rat ein. Ab und an gestalte ich auch Plakate für verschiedene Bühnenkünstler.

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Eleonore Bartsch bei Kasubes zum Trasch über die Krankheiten anderer
Leute

Foto: Theresa Franziska

Und einmal im Jahr erarbeite ich mit der Leipziger Kabarettistin und Sängerin Carolin Fischer und dem Conferencier Bert Callenbach eine jeweils einmal stattfindende Show am 31. Mai zum Weltnichtrauchertag im Leipziger Frosch-Café.

Hast Du Pläne, im Ausland auszustellen? Und wenn ja, welches Land wäre Dein Traum?

Ich bin jedes Jahr in Frankreich und für Russland interessiere ich mich auch sehr. Aber durch meine noch häufigeren Aufenthalte in Großbritannien denke ich, dass die Leute dort am ehesten mit meinen Bildern klar kommen würden. Sie haben dort den entsprechenden Humor. Edinburgh wäre toll, London ein Traum.

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Carmen Kefferpütz mit Laurina, Babykampfhund
Foto: Theresa Franziska

Was ist der schönste Ort von Hamburg?

Das sind ganz eindeutig der Hafen und die Landungsbrücken.

Was machst Du in Deiner Freizeit?

Ja, meine Freizeit. Das ist eine schwierige Frage, da Freizeit und Arbeit oft verschwimmen. Da ich 3 relativ kleine Kinder habe, und die Betreuungsmöglichkeiten in Hamburg nicht gerade perfekt sind, habe ich oft wenig Zeit, am Stück zu arbeiten, sondern verbringe auch viel Zeit im Auto als Chauffeur oder mit den üblichen Hausarbeiten. So gesehen ist die Arbeit auch gleichzeitig ein Freizeitvergnügen für mich, welches ich so oft wie möglich ausübe. Daher arbeite ich oft auch am Wochenende oder am Abend.

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Frau Wosniak wartet im Foyer auf ihre Base, die Frau Röhl
Foto: Theresa Franziska

Wie sehen Deine Pläne bis Ende 2009 aus? Wird es besondere Termine in 2010 geben?

Derzeit sind Arbeiten von mir im Kunsthaus Schill in Stuttgart, im art+form in Dresden, bei FRIJA, im Frosch-Café und in der Galerie Süd in Leipzig zu sehen. Im Januar wird es eine Ausstellung im Kunstkiosk in Hamburg St. Pauli und im Februar bei Harms&Schacht in Hamburg-Winterhude geben.

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Helene Mielenkilch-Bialoskorskt mit Grete und Uwe beim Eiskaffee im
Eiscafé

Foto: Theresa Franziska

Wo kann man Deine Arbeiten besichtigen und erwerben?

Postkarten meiner Bilder und Kleinkram gibt es bei www.dawanda.com/shop/lacaluna

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Frau Pankratz bereitet frischen Speisefisch zu
Foto: Theresa Franziska

Theresa Franziska Jaenisch wurde am 20.7.1977 in Leipzig geboren. Sie ist verheiratet und hat drei Kinder. Nach dem Abitur mit Hauptfach Kunst in 1996 machte sie von 1997 bis 2000 eine kaufmännische Ausbildung bei Peek&Cloppenburg in Leipzig. Von 2000 bis 2003 studierte sie Grafikdesign am Design Bauhaus Dessau, danach bis 2006 – Kunstpädagogik an der Universität Leipzig. Seit 2007 arbeitet sie als freiberufliche Künstlerin. Seit 1996 hat sie zahlreiche Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen.

Kategorien: Frontpage · Visual Arts

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3 Kommentare bis jetzt ↓

  • Sandra Schmidt // 22 Nov, 2009 //

    Wundervolle Bilder die einfach gute Laune in einen grauen Novembersonntag bringen!!! DANKE!

  • inge wassenberg // 11 Feb, 2010 //

    Hallo Franziska, hier spricht Sabines Mom!
    Bin durch Zufall auf Deine Seite geraten und finde Deinen Werdegang und die humorvollen Bilder immer wieder große Klasse.
    Kannst Du bei Gelegenheit mal für mich in die Elbe spucken, am besten an den Landungsbrücken? Habe manchmal Heimweh!

    Herzlicher Gruß
    Inge Wassenberg

  • Dagmar Mortimer // 20 Okt, 2011 //

    Herrlich eigenartig! Vielen Dank für die tolle Entschuldigungskarte!
    Lieben Gruß Dagmar Mortimer

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