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Zwischen Rationalität und Emotion

8 November, 2009 von dessislava · Keine Kommentare

Interview von Dessislava Georgieva mit dem Fotografen Simon Niebel

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„Rationalität und Emotion: Zwischen diesen Extremen aufzuwachsen, bestimmt auch heute noch mein Fühlen und Handeln“, sagt Simon Niebel über sich selbst. Der junge Schützling des Food-Fotografen Jörn Sunderbrink wurde 1979 in Essen, NRW geboren.

Die Turbulenzen in der Ehe seiner Eltern scheinen bis in sein heutiges Leben hineinzureichen, beeinflussen aber vor allem seine Jugendjahre, in denen er sich durch Extremsituationen selbst zu finden und durch Therapien erneut Wurzeln zu schlagen versucht. Die wechselnden Karriereschritte von Simon Niebel spiegeln nicht nur seine innere Unruhe wider: Das soziale Engagement für Kinder und Senioren zieht sich wie ein roter Faden durch seine Laufbahn und verrät mehr über seine offensichtliche Menschenbezogenheit, als man vielleicht ahnen mag…

Heute scheint die Fotografie die große Liebe seines Lebens zu sein. Und – wie sollte es auch anders sein, steht auch hier der Mensch mit seinen emotionalen Zerbrechlichkeiten und Abgründen im Mittelpunkt seiner Arbeit. Seine Modelkarteien zeigt Simon Niebel online unter fotocommunity.de, myspace.de, facebook.de.

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Kannst du drei Gründe nennen, warum man Fotograf werden sollte?

Nein, aber ich kann Gründe nennen, warum ich fotografieren will! Fotografie verbindet im Grunde alles, was mir wichtig ist. Die Phase, in der Ideen enstehen, zumeist begleitet von Musik. Manchmal auch schreiben, in Form von Gedichten oder auch ganz simpel, eines Konzepts für die Ideen. Das Organisieren eines Projekts. Menschen treffen, kennenlernen. Und schließlich die Realisierung der Idee. Kreise schließen sich!

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Wie bist du darauf gekommen, Fotografie als Kunst zu betrachten? Was fasziniert dich daran?

Was ist schon Kunst! Mich fasziniert einfach ein Ergebnis. Wenn Persönliches dahinter steht, sei es ganz subjektiv oder eine spezielle Sichtweise, und es dann noch Menschen gibt, die sich angesprochen fühlen, reicht das völlig.

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Du konzentrierst dich lieber auf deine eigenen Ideen, als andere Fotokünstler zu imitieren. Was inspiriert dich?

Meine Lebenswelt.

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Auch wenn du dich nicht von fremden Fotoarbeiten beeinflussen lässt: Wessen Bilder beeindrucken dich am meisten?

Mich beeindrucken Bilder, die Emotionen ausdrücken. In welchem Stil oder von wem, ist da im Grunde unwichtig.

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Du kannst auf einige Tiefpunkte in deinem Leben zurückblicken. Waren diese Phasen auf eine Art wichtig für deine künstlerische Entwicklung? Hilft dir die Fotografie dabei, mit diesen Emotionen umzugehen? Sind sie manchmal Thema deiner Bilder?

Solche Phasen gestalten die Persönlichkeit eines jeden Menschen. Bei mir ist das nicht anders, und ja, sie nehmen auch Einfluss auf meine Arbeiten.

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In deinen Bildern hältst du menschliche Emotionen fest, wobei du dich auf das „Unschöne“ und „Negative“ darin konzentrierst. Wieso gerade dieser Schwerpunkt?

Weil diese Emotionen die ehrlichsten sind! Weil sie zu einem ganzheitlichen Leben dazugehören! Weil sie ihre eigene Form der Schönheit tragen; man muss sie nur entdecken und zulassen!

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Welche Fähigkeiten sollte man für den Beruf des Fotografen mitbringen?

Hm, Leidensfähigkeit, Durchhaltevermögen und irgendwoher genommener Glaube an den eigenen Wert…. ich spreche da gerade als Auszubildener….

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Wie reagiert dein Umfeld, die Öffentlichkeit auf deine Fotografien?

Mein Umfeld? Naja, mit Erleichterung…. Ich scheine endlich irgendwo angekommen……;) Die Öffentlichkeit? Das bleibt abzuwarten.

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Wer ist unkomplizierter beim Fotoshooting: Frauen oder Männer?

Das kann ich nicht so pauschal beantworten.

Gibt es öfter mal Auseinandersetzungen mit deinen Models, wenn es bestimmte Ideen umzusetzen gilt?

Im Grunde nicht! Wenn es zu einem Shoot kommt, ist der Rahmen ja schon abgesteckt.

Was machst du, wenn du mal in einem “Kreativloch” steckst?

Verzweifeln, Wein trinken und hoffen…;)

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Du hast bereits unzählige Fotos gemacht. Lässt du dich eigentlich gerne auch selbst fotografieren?

Ich habe durchaus Vergnügen daran, zu sehen, wie andere an dieser undankbaren Arbeit verzweifeln…;)

Welches war dein bisher intensivstes Erlebnis als Fotograf?

Meine Schwester während eines Shoots weinen zu sehen!

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Wo siehst du deine größten Schwächen in der Fotografie, an denen du noch arbeiten musst?

Neben dem “einfach noch mehr lernen” wäre es schön, Kritik gegenüber meinen Arbeiten nicht als Kritik an mir als Person zu verstehen. Aber das ganz grundsätzlich im Leben.

In deinem bisherigen Leben gibt es kaum einen Job, den du nicht ausprobiert hast. Bedeutet die Fotografie für dich eine Art Beständigkeit, ein Ruhepol?

Für den Moment, ja!

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Deine letzte Fotoserie zeigt das Thema „Geisha“. Was fasziniert dich daran und was genau willst du auf diesen Fotos festhalten?

Mich beeindruckt das Lebenskonzept einer traditionellen Geisha. Dieses “verwurzelt sein” in absolut strikten Sinnhaftigkeiten. Grazie und Dienen als Lebenskonzept ohne viel, wenn überhaupt, Platz für Individualität; den Inbegriff von Schönheit darstellen und die ganze Bandbreite der “negativen” Emotionen “überschminken”…. Ich halte dieses Bild von Menschsein für übersetzbar auf die westliche Kultur. In der Übertragung dieser “Schönheit” auf europäische Gesichter, die nicht lächeln oder in Demut strahlen, schaute ich hinter eben diese vermeintliche Schönheit.

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Welche Motive planst du für deine nächsten Projekte?

Momentan arbeite ich im Thema “Mensch/Natur”.

Verrate uns doch bitte: Welchen Menschen würdest du gerne mal in welcher Umgebung fotografieren?

Ziyi Zhang bei der Arbeit…;)

Hast du öfter das Gefühl, dass ein Tag gerne auch mal länger als 24 Stunden dauern könnte?

Nein, ich bin dankbar für jede Stunde, die ich hinter mich gebracht habe!

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Kategorien: Frontpage · Szene · Visual Arts

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